Pressy – oder wie erfolgreiches Crowdfunding trotzdem schief gehen kann

Daniel Kuhn 6. Juni 2014 3 Kommentar(e)

Vergangenes Jahr hat das Crowdfunding-Projekt Pressy, ein programmierbarer Knopf für die Smartphone-Klinkenbuchse, großen Erfolg gefeiert. Seit dem gab es außer Verzögerungen und Missverständnissen allerdings nichts, vor allem kein fertiges Produkt.
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Angenehm klein: Pressy steht nur 0,7 Millimeter aus dem Gerät heraus. (Bild: Pressy)

Angenehm klein: Pressy steht nur 0,7 Millimeter aus dem Gerät heraus. (Bild: Pressy)

Wir berichten hier immer wieder gerne über spannende und manchmal auch kuriose Crowdfunding-Projekte. Einige von denen erreichen das gesteckte Ziel nicht, andere dagegen erweisen sich als riesen Erfolgsgeschichte. Pressy konnte man problemlos in die letztere Kategorie stecken, konnte das Ziel von 40.000 US-Dollar mit knapp 700.000 US-Dollar doch um ein Vielfaches überboten werden. Doch bis heute ist das Produkt nicht ausgeliefert und so dient Pressy momentan als Erinnerung, dass Crowdfunding trotz finanziellem Erfolg noch lange nicht erfolgreich sein muss.

Doch der Reihe nach. Ende August 2013 startete die Kickstarter-Kampagne. Das Startup hatte die Idee, einen Hardware-Button für Android-Smartphones zu fertigen, der per App mit allen nur erdenklichen Funktionen belegt werden kann. Die Idee fand ich super, also habe ich, wie viele andere auch das Projekt unterstützt und die Kampagne zu einem großen Erfolg werden lassen. Als Ziel gab man an, Pressy am 28. April verschicken zu wollen. Dieses Ziel konnte nicht eingehalten werden, was allerdings nicht so schlimm ist, schließlich kann es bei Startups immer mal zu unvorhersehbaren Problemen kommen. Allerdings hatte es mehrere Wochen gedauert, bis das Pressy-Team darüber informierte, dass Qualitätsprobleme bei der Herstellung der Grund waren.

Als dann allerdings plötzlich die Meldung auftauchte, dass die Pressy-App nicht, wie ursprünglich behauptet, über den Google Play Store heruntergeladen werden kann, waren viele Backer zurecht sauer. Dies bedeutet nicht nur, dass der Nutzer die Installation aus unbekannte Quellen erlauben muss, was viele Nutzer aus Sicherheitsgründen nicht möchten, sondern auch, dass die App sich deutlich schwieriger mit Updates versorgen lässt. Der Hintergrund dieser Entscheidung war, dass das Pressy-Team befürchtet hat, dass Pressy-Klone, wie der MiKey von Xiaomi, die App ebenfalls nutzen können.

Kurz darauf ruderte das Pressy-Team zurück und erklärte, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe und man die App sehr wohl in den Google Play Store stellt. Ob dies nun stimmt, oder ob das Team sich dem Druck der Backer beugt lässt sich nicht sagen. Ist auch nicht so wichtig, denn da weder die App, noch die Buttons bisher den Weg zu den Backern gefunden haben, macht sich Frust unter den Backern breit, da es inzwischen zu viele Ausreden und Verzögerungen sind.

Ich habe die Hoffnung zwar noch nicht komplett aufgegeben, eines Tages mein Telefon mit Pressy steuern zu können, aber selbst wenn das Produkt nun endlich, wie versprochen in den nächsten Wochen ausgeliefert wird, bleibt doch ein unangenehmer Beigeschmack. Schlimmer wäre es sicherlich, wenn es sich um ein Projekt mit höherem Preis gehandelt hätte. Die Erkenntnis, die man daraus ziehen kann ist, dass ein finanziell erfolgreiches Projekt noch lange nicht erfolgreich umgesetzt werden muss und dass die richtige Kommunikation extrem wichtig ist, oder vielmehr, dass der Mangel an Kommunikation die Sache nur schlimmer macht. Um die Sache aber mit Humor zu sehen: Für ein Weihnachtsgeschenk liegt Pressy momentan noch ganz gut im Rennen.
Habt ihr das Projekt auch unterstützt und wie steht ihr zu den Problemen?

Quelle: Android Authority (via go2android)

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