6 Gründe warum Apples iOS 8 eine Liebeserklärung an Android ist

3. Juni 2014 6 Kommentar(e)

Auf der alljährlichen Entwicklerkonferenz WWDC zeigte Apple neben Mac OS X 10.10 auch iOS 8 für iPhones und iPads. Wenig überraschend drehte sich bei der Keynote alles um Software-Neuerungen und Entwickler-Tools; ein iPhone 6, ein Macbook Air Retina oder gar eine iWatch gab es deshalb nicht zu sehen. Eines wurde aber mehr als deutlich: Trotz wenig schmeichelhafter Worte seitens Apple-Boss Tim Cook liebt das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino offenbar Android.

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Zugegeben: Die enge Verzahnung von Mac OS X 10.10 und iOS 8 ist richtig cool, auch das kostenlose Mac OS-Update gefällt mir als Macbook Air-Nutzer. Die Neuerungen, die uns Apple aufgetischt hat, hinterließen bei mir aber einen etwas faden Beigeschmack, vor allem nach den harschen Worten, die Tim Cook für Googles Betriebssystem fand. Laut Cook konnte Apple 2013 rund 130 Millionen Neukunden verzeichnen, wovon viele “aus versehen” erst zu Android gegriffen und dann zum iPhone gewechselt haben. Cook im Wortlaut: „Now many of these customers were switchers from Android. They had bought an Android phone by mistake… and then had sought a better experience, and a better life.“ Naja, dann sehen wir uns mal an, wie dieses “bessere Leben” aussieht.

1. Enge Verzahnung von Desktop und Mobile

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Wie bereits erwähnt, sind die Features, mit denen Apple Mac OS X und iOS zusammenwachsen lässt, wirklich cool: mit “Handoff” lassen sich E-Mails auf dem Mac beginnen und auf dem iPhone finalisieren oder ein Dokument kann in iWork am iPad begonnen und am Mac weiterbearbeitet werden. Mit Mac OS X 10.10 lassen sich künftig über das iPhone SMS empfangen und senden sowie Telefonate führen.

All das klingt wirklich cool und Apple beweist, dass man sich bei Google Drive und der genialen App AirDroid inspirieren ließ.

2. Interaktive Benachrichtigungen

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Nachdem das stark von Android inspirierte Notification Center mit iOS 5 im Oktober 2011 vorgestellt wurde, legte Apple nun ein Schippchen nach und bringt interaktive Benachrichtigungen. Man kann also nun direkt im Notification Center oder im Lockscreen auf Nachrichten antworten, ohne die iMessages-App öffnen zu müssen. Dank entsprechender APIs können auch Drittentwickler dieses Feature integrieren, so können etwa Facebook-Posts im Notification Center geliked oder kommentiert werden.

Bei Android ist dieses Feature in ähnlicher Form seit Version 4.1 mit an Bord, das im Juli 2012 vorgestellt wurde.

3. Widgets Light

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Ja, du hast richtig gelesen, mit iOS 8 kommen Widgets auf iPhones und iPads. Allerdings dürfen diese nicht wie bei Android den Homescreen bevölkern, sondern lassen sich ähnlich wie bei Windows Phone im Notification Center “anpinnen”. Dadurch wird Letzteres endlich individualisier- und anpassbar. Die Herangehensweise unterscheidet sich zwar etwas von Android, allerdings gibt es im Play Store unzählige Apps, die es erlauben das Benachrichtigungs-Menü mit speziellen Widgets zu individualisieren.

4. Virtuelle Tastaturen von Drittanbietern

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Apple hat seinem iOS-Keyboard eine ordentlichen Frischzellenkur verpasst, so gibt es etwa intelligentere Auto-Korrektur-Vorschläge und einen vollständigen Tipp-Verlauf. Mit “QuickType” wurde außerdem ein Feature gezeigt, das die Tastatur lernfähig werden lässt und sich an die Gewohnheiten des Users anpasst. Wichtiger ist aber, dass Apple endlich die Installation von Dritt-Entwickler-Tastaturen wie beispielsweise SwiftKey oder Swype. Bei Android ist dies im Grunde seit jeher möglich.

5. Apple iCloud Drive

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Apples Cloud-Dienst iCloud konnte bislang nicht mit dem Angebot des überaus beliebten Cloud-Dienstes Dropbox mithalten. Mit iCloud Drive will Apple diesen Nachteil nun ausbügeln und erlaubt es, Dateien aller Art in einer persönlichen Cloud zu speichern und vom Mac oder von einem iOS-Gerät aus abzurufen. Lobenswert ist hier, dass iCloud Drive nicht nur auf Macs und iOS, sondern auch auch auf Windows (!) funktioniert … hier sagt Apple wohl auch dem MS-Dienst SkyDrive den Kampf an.

Bereits Steve Jobs kündigte an, mit der Ur-Version von iCloud Angebote wie Dropbox zu zerstören. Dies passierte aber bekanntlich nicht, statt dessen gab es Probleme mit dem Cloud-Service von Apple. Wir bezweifeln stark, dass abgesehen von eingefleischten Apple-Fans allzu viele User auf iCloud Drive wechseln werden, zumal Dropbox eine nahtlose Synchronisation über alle Plattformen erlaubt und sich auch Google Drive seit einiger Zeit in die Richtung ernstzunehmender Cloud-Speicherplatz entwickelt hat.

6. Aus „Okay Google“ wird „Hey Siri“

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Als die intelligente Sprachassistentin Siri vorgestellt wurde, war die Aufregung groß. Mittlerweile ist der Hype um Spracheingabe aber wieder abgeflaut und kaum ein iPhone-User nutzt Siri im Alltag wirklich. Dennoch hat Apple Siri mit einigen neuen Tricks versehen, die uns Android-Nutzern bekannt vorkommen. So lässt sich die Sprachassistentin nun per Sprachbefehl „Hey Siri“ starten, also genau wie es bei Google Now mit „Okay Google“ funktioniert. Fairerweise muss man aber in diesen Zusammenhang erwähnen, dass es sich hier um einen „Always On“-Befehl handelt, Siri also auch bei einem iPhone im Standby-Modus gestartet werden kann. Das wird bei Android aktuell nur beim Moto X unterstützt, soll aller Voraussicht aber bald nativ für alle Android-Smartphones mit der nächsten Android-Version kommen.

Bei iOS 8 ist auch die Musikerkennung auf Basis von Shazam neu, auch das beherrscht Google Now bzw die mobile Google Suche seit geraumer Zeit. Google nutzt aber einen eigenen Algorithmus.

Wen Apple sonst noch super findet

Die Masterminds hinter iOS 8 haben aber nicht nur an Dropbox und Android gefallen gefunden, sondern finden offenbar auch Facebook, WhatsApp und Snapchat richtig cool. So hat man iMessages kurzerhand mit Features versehen, die man aus diesen Apps übernommen hat. Dazu zählen etwa kleine Audio- und Video-Nachrichten (bei WhatsApp oder Facebook als „Push to Talk“ bekannt) mitsamt einer Selbstzerstörungs-Funktion (Snapchat) und Standort-Sharing (bei Hangouts seit letztem Jahr an Bord).

Die Strategie, Ideen von anderen, kleineren Entwicklern einfach zu übernehmen und als eigene Innovationen zu verkaufen, ist an sich bei Apple nichts neues. Und natürlich sind auch Google oder Facebook keine Heiligen und gehen wenn es sein muss ähnlich dreist vor. Die Kollegen von Wired haben diesem Phänomen übrigens einen lesenswerten, längeren Artikel gewidmet. Darin ist unter anderem zu lesen: „Any attempt to compete with Apple in a space it considers its own will be answered with Apple’s comparable version.“

Fazit

Seien wir ehrlich: Auch Google hat sich über die Jahre hinweg das ein oder andere Feature von Apple abgekuckt, Anfangs wohl in höherem Maße als in der jüngeren Vergangenheit. Für uns Nutzer ist dieser Prozess des gegenseitigen Kopierens, Abwandelns und Weiterentwickelns ausschließlich positiv, denn Konkurrenz ist gesund und nur so werden Android, iOS und Windows Phone besser und besser. Und eines muss man Apple lassen: Durch die neue, sehr vielversprechende Programmiersprache “Swift” dürfte iOS bei Entwicklern noch beliebter werden, als es ohnehin schon ist. Vor allem auch die Position als sehr potente Spieleplattform wurde bei der Präsentation einer eindrucksvollen Grafik-Demo von Epic Games wieder einmal deutlich. Mit HomeKit und HealthKit beweist Apple zudem, dass sie die Themen Smart Home und Fitness ernst nehmen und wahrscheinlich derzeit sogar die rundeste Integration zu bieten haben.

Jetzt ist Google am Zug, denn Ende Juni steht die hauseigene Entwicklerkonferenz Google I/O 2014 auf dem Programm, wo Neuheiten zu Android-, Chrome- und Co. präsentiert werden.

Quellen: theverge.com (1), wired.com
Bildquelle: theverge.com (2)

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