Der Platzwart – das LG Q6 im Test

Peter Mußler 25. August 2017 Kommentare deaktiviert für Der Platzwart – das LG Q6 im Test Kommentar(e)

Das LG-Flaggschiff G6 verzückte bei seiner Erscheinung im Frühjahr Fach- und Kaufpublikum. Jetzt verpflanzte LG ein wichtiges Merkmal des Spitzenmodells in ein günstiges Gerät: den Platzspar-Bildschirm.

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Raumeffizienz lautet das Zauberwort. ­Allerorten und im Großen wie im Kleinen. So ist ein Flugzeug mit eng montierten Sitzreihen und schmalen Sitzen wirtschaftlicher in der Luft als eines mit viel Luft zwischen den Stühlen (diese bezahlt nämlich nichts für die Reise von Frankfurt nach Chicago oder sonst wohin). Beim Smartphone geht es zwar weniger um Ökonomie, sondern mehr um Ergonomie, aber Platz zu verschwenden hat man deshalb genauso wenig. Konkret heißt das: Wenn der Akku kleiner sein kann, wird er kleiner gemacht, wenn der Prozessor kleiner sein kann, wird er kleiner gemacht und wenn der Bildschirm kleiner sein kann, zieht man auch daraus seinen Nutzen.

Moment. Der Bildschirm kleiner? Der wird doch immer größer? Genau! Wir wollten nur testen, ob Sie aufpassen. Denn das Display wird gerade nicht kleiner, und zwar aus dem einfachen Grund, dass eine Reduzierung der Größe eben Bedien- und Komfortnachteile bringt – keine Vorteile. Auf einem großen Schirm sieht man mehr und auch die Eingabe per Berührung gelingt präziser. Die menschlichen Augen und Finger setzen ein natürliches Limit. Ein Wermutstropfen bei der großen Anzeigescheibe ist allerdings die damit einhergehende Vergrößerung des gesamten Geräteformats – und ein großes Telefon (hier sind wir wieder beim Ausgangspunkt), passt weder gut in die Hand noch in die Hosentasche.

Wenig Rahmen, viel Bildschirm

Im Grunde handelt es sich also um ein Dilemma, also ein unlösbares Problem. Doch es gibt Raum für Verbesserung. Und dieser Raum nennt sich Rand, Rahmen oder Bezel, wie man im Englischen sagt. Bei den meisten bisherigen Smartphones ist der Bildschirm nämlich flankiert von mehr oder weniger breiten Bereichen ohne Funktion. Man könnte also den Schirm auf Kosten dieses Brachlandes vergrößern und dadurch verhindern, dass sogleich das ganze Telefon in die Breite und Höhe geht. Vorgemacht hat dies das Xiaomi Mi MIX, nachgemacht das Samsung S8 und das LG G6. Und jetzt gibt es das große Display im kleinen Gerät auch in der preislichen Mittelklasse, im LG Q6.

Weniger hell, aber sehr scharf

Im Vergleich mit dem G6 wurde die Display-Auflösung leicht zurückgefahren, sie ist aber mit 2.160 x 1.080 Pixeln (442 ppi) immer noch sehr hoch. Die Helligkeit ist nur noch mittelmäßig. Geblieben ist das Seitenverhältnis von 2:1. Damit ist der Schirm länglicher als ein 16:9-“Normalo“. Die erzielten 5,5 Zoll in der Diagonale sind dadurch auch nicht ganz so nutzbar wie bei einem 5,5-Zöller im üblichen Format. Beim Video-Schauen quer, bleibt rechts und links ein Balken ungenutzt. Man muss also relativieren. Dennoch: Dieses Smartphone fühlt sich für „heutige Hände“ sehr klein und handlich an, bietet mit einem Schirmanteil an der Front von 78% (gewöhnlich sind circa 70%) deutlich mehr Nutzen als ein gleichgroßes Gerät.

Ist das Q ein kleines G?

Macht die Idee der effizienten Raumnutzung das Q6 nun zu einem kleinen G6? Das kann man so sehen. Abgespeckt wurde bei Speicher und RAM (32 bzw. 3 GB), jedoch in verträglichem Maße. Auf gewissen Märkten gibt es noch ein Q6+-Modell mit 64+4 GB und ein Q6 mit 16+2 GB. Allen Q-Geräten ist aber der Aderlass beim Chipset gleich. Der Snapdragon 435 bringt natürlich bei Weitem nicht die Leistung des Prozessors im G6.

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Gesichtserkennung statt Finger

Im Vergleich vermisst man auch WLAN ac, den USB-C-Standard und einen Fingerabdrucksensor. Letzteren braucht es aber gar nicht wirklich. LG bietet eine Gesichtserkennung an, die tatsächlich zu funktionieren scheint. Ein Bild vom Testredakteur wurde nicht „geschluckt“, Kollegen konnten das Smartphone auch nicht entsperren und ein Cap machte auch keinen Unterschied. Ohne Brille des Testers blieb das Gerät hingegen zu – und das ist auch gut so.

Beim Akku ist das Q6 gleichauf mit dem G6. Beide Speicher fassen 3.000 mAh. Länger hält dennoch das stärkere Gerät durch und schneller geladen ist es durch raffinierte Technik und brachialere Ströme sowieso. Ein Schnellladegerät kann auf jeden Fall für das Q6 eine deutliche Verbesserung bei den Zeiten am Tropf bringen.

Kein Test ohne zumindest ein Wort zur Kamera des Telefons: Das 13-Megapixel-Modul bildet mit ausreichend Details ab und rauscht bei wenig Licht nur schwach. In der Praxis fällt jedoch der teilweise träge Fokus auf. Hier wäre statt Raumeffizienz Zeiteffizienz gefragt.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.

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