So könnte Donald Trump das Internet abschalten

Martin Reitbauer 19. Dezember 2015 1 Kommentar(e)

Donald Trump, Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, wolle das Internet schließen. So lauteten vor knapp zwei Wochen die Schlagzeilen, die eben jenes Internet köstlich amüsiert haben. Tatsächlich wurde das Enfant Terrible der US-amerikanischen Politik aber lediglich falsch zitiert. Wir klären, was Trump wirklich gesagt hat und wie er das Netz tatsächlich schließen könnte. 

Auch interessant: WhatsApp: die besten Silvestergrüße

Donald Trump möchte mit Hilfe von Bill Gates und anderen Technologie-Experten das Internet in bestimmten Gebieten „schließen“ – um Terroristen das Rekrutierungshandwerk zu legen. (Foto: Michael Vadon)

Donald Trump möchte regionale Teile des Internets, etwa in Syrien, vom Rest der Welt abschneiden. (Foto: Michael Vadon)

Das Silicon Valley, das „Herz des Internets“ liegt in den USA. Dort wurden so große und bekannte Unternehmen wie Google, Facebook oder auch Apple geschaffen. Wollten die Amerikaner also wirklich das Internet abschalten, würden sie am Ast sägen, auf dem sie selbst sitzen. Wie mein Kollege Hartmut aber bereits ausführlich dargelegt hat, geht es gar nicht darum, dem Netz komplett den Stecker zu ziehen. Vielmehr, so Trump, solle verhindert werden, dass Terroristen sich im World Wide Web ausbreiten, ihre menschenverachtenden Ansichten verbreiten und neue Idioten für ihre unsäglichen Vorhaben rekrutieren.

Der berühmte „Anruf bei Bill Gates“ steht an dieser Stelle nur bildlich für den Einbezug von Menschen, die sich mit Technik auskennen und auf deren Rat die Politik hören könnte.

Aber genug des Rückblicks. Könnte ein möglicher US-Präsident Trump tatsächlich verhindern, dass böse Buben das Internet für ihre Zwecke missbrauchen? Er könnte, ja. Am Dienstag, bei einer weiteren Debatte der Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner, hat Trump seinen Vorschlag konkretisiert: „Ich bin dafür offen, das Internet dort abzuschalten, wo wir uns im Krieg befinden“, sagte der 69-jährige. Heißt konkret: Ein 2016 gewählter US-Präsident Trump könnte zum Beispiel das amerikanische Militär beauftragen, Unterseekabel nach Syrien durchzutrennen oder die Bombardierung wichtiger Kommunikationsinfrastruktur anordnen. Damit wäre Syrien – also dort, wo sich der soganannte „Islamische Staat“ (IS) befindet – mehr oder minder komplett vom Netz abgeschnitten. Was heutzutage nämlich leicht vergessen wird: Daten mögen zwar virtuell sein und werden in beinahe Lichtgeschwindigkeit um den Globus gejagt. Das Datennetz allerdings, dass das alles erst ermöglicht, ist physisch – und damit durchaus angreifbar.

Aufklärung ist sinnvoller

Ob so ein Angriff auf regionale Teile des Internets aber sinnvoll ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Einerseits könnten die Attacken auch Verbündete treffen, andererseits würden sich die USA damit in einer Reihe mit Diktaturen wie China, Nordkorea oder auch das autokratische Russland stellen. Intelligenter wäre es, so der New Yorker, die absurde Propaganda des Islamischen Staates mit klaren und rationalen Argumenten zu entzaubern.

(via: derStandard)

auf Facebook teilen auf Google+ teilen auf Twitter teilen
pic_MR_klein

Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsächlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschäftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit für einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

Facebook Profil Google+ Profil Xing Profil