Zensur? App, die eine Smartphone-Auszeit belohnt, wird von Apple nicht zugelassen

Redaktion 14. Oktober 2015 0 Kommentar(e)

Zensur – ein harter Vorwurf, den ein Schweizer Startup Apple nun macht. Die Jungunternehmer Mirco Fehr und Danijel Sljivo haben eine App entwickelt, die Benutzer dafür belohnt, dass sie ihr Smartphone nicht verwenden. Apple allerdings stellt sich quer und will die praktische Anwendung seit Monaten nicht in den App Store lassen. 

Auch interessant: DxOMark-Benchmark: iPhone 6s hat schlechtere Kamera als einige Android-Smartphones

Auf Android ist STFU bereits seit Mai 2015 erhältlich.

Auf Android ist STFU bereits seit Mai 2015 erhältlich.

Durchschnittlich 53 Mal am Tag schalten wir einer jüngsten Studie zufolge das Smartphone ein. Unser mobiler Begleiter ist zu einem alles überschattenden Monster der Ablenkung mutiert. Da passt doch die App mit dem treffenden Kürzel STFU (englisch: Shut the fuck up, deutsch: Halt verdammt nochmal den Mund) perfekt in die Zeit. Das dachten sich auch Mirco Fehr und Danijel Sljivo, die mit ihrer neuen Anwendung Offline-Zeit belohnen wollen. Wird die praktische App gestartet, aktiviert sich der Flugmodus und ein Timer fängt an, die vergangene Zeit zu zählen. Je nachdem, wie lange die Nutzer dann offline ausgehalten haben, bekommen sie beispielsweise einen Gutschein für einen Onlineshop oder Rabatt auf eine Hotelübernachtung. Dazu arbeitet das Startup mit Partnerunternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen.

STFU will den Smartphone-Süchtigen, die so vernebelt auf ihr Handy glotzen als seien es Zombies aus „The Walking Dead“, also ein Stück ihrer Freiheit wiedergeben. Das allerdings gefällt Apple nicht – sagen zumindest die Entwickler der App. Denn eine Freigabe für den App Store haben sie bis heute noch nicht erhalten. Offenbar war Apple der Name zu vulgär – dieser wurde im Anschluss verpixelt und dann sogar komplett in „#!%$“ umbenannt, doch auch das hat Apple noch nicht zufriedengestellt. Zwischenzeitlich wurden außerdem auch das Bild und das Logo kritisiert, die die Gründer ebenfalls anpassen mussten. Laut Fehr werde jede Woche etwas neues beanstandet.

Um dennoch den Zugang zum App Store zu erhalten, damit ihre Reichweite auch groß genug wird, haben Mirco Fehr und Danijel Sljivo nun noch einmal 5.000 Schweizer Franken in die App investiert, um den Namen erneut zu ändern und so doch noch im App Store akzeptiert zu werden. „Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als unseren Namen zu ändern“, so Fehr. Probleme im Play Store hatten die beiden Unternehmer hingegen nicht – dort ist STFU bereits seit Mai 2015 erhältlich und wurde bereits tausende Male heruntergeladen.

Nicht jedes Jahr ein neues iPhone kaufen

Stellt sich natürlich die Frage, wieso sich Apple querstellt und STFU nicht in den App Store lässt? Am vulgären Namen kann es nicht liegen, denn dieser wurde ja verpixelt. Außerdem verdient der kalifornische Hersteller seine Brötchen mit Hardware und dementsprechend kann es Apple egal sein, wie oft und lange iPhone-Nutzer online sind – ganz im Gegensatz zu Google oder auch Facebook, die ihre Einnahmen durch Onlinewerbung generieren. Möglicherweise, auch wenn das lediglich Spekulation ist, stört sich Apple aber ganz grundsätzlich am Konzept: Sobald nämlich Menschen merken, dass durch ein wenig Offline-Zeit die Welt nicht untergeht, dürften auch Apples Umsätze fallen – denn jene Nutzer werden sich mit Sicherheit nicht mehr jedes Jahr ein neues iPhone kaufen.

Quelle: 20 Minuten 

auf Facebook teilen auf Google+ teilen auf Twitter teilen