Totale Freiheit: WiFi-Lautsprecher im Test

Peter Mußler 29. September 2015 1 Kommentar(e)

Totale Freiheit

Schnurlos über alles – so könnte die Devise der Lautsprecher-Branche lauten, schaut man sich die Entwicklung bei HiFi-Technologie an. Leider kann dabei der Klang auch manchmal auf der Strecke bleiben. Wir schauen, wo.

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Erinnern Sie sich an einen Umzug mit Stereoanlage? Kabelsalat, Staubdünen und blanke Nerven haben da sicher dazugehört. Doch diese Zeiten sind passé, das Stromkabel ist das einzige, das geblieben ist, den Rest erledigen Funk und das smarte Kästchen mit Touch-Display.

Doch nicht nur der Zugewinn an Mobilität und die Freiheit bei der Anordnung im Raum sprechen für die kabelarme Alternative zur alten Stereoanlage. Auch die Bedienung des gesamten Systems hat spürbar dazugewonnen, denn die klassische Fernbedienung – womöglich eine für den Player und noch eine zweite für den Verstärker – hat ausgedient. Das Smartphone ist also nicht nur Einlassventil für die unendliche Flut an Cloud-Musik, sondern steuert nun auch die Laustärke und den Sound der eigentlichen Klangerzeuger.

Im unserem Test haben sich gerade in puncto Klangqualität doch erhebliche Unterschiede gezeigt oder besser: wurden gehört. Es hat sich doch so etwas wie ein Zusammenhang zwischen Größe, Gewicht und Sound herauskristallisiert – die Grenzen des Downsizing zugunsten der Unauffälligkeit wurden also spürbar.

Auf der anderen Seite gab es auch große Unterschiede in der Bedienung, unter die die Bereiche Installation, Kompatibilität mit Streaming-Diensten, Leistungsumfang und allgemein Nutzerfreundlichkeit fallen. Hier haben sich besonders die jungen Wilden der Branche besonders gut in Szene setzen können, die alten Hasen wiederum haben teilweise große Schwächen gezeigt.

Am Ende hängt die richtige Wahl auch vom eigenen Nutzerverhalten und natürlich der Brieftasche ab: Wie viel ist mir Musik im Wohnzimmer wert? Bin ich nur ein Gelegenheitslauscher mit Bedarf an Hintergrunduntermalung oder will ich zuhause den gleichen Sound wie in der Oper?

 

6 kompakte Netzwerker im Praxistest

1) Bose SoundTouch™ 30

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Bose ist natürlich der Spezialist für kompakte Lautsprecher, darum sind die Erwartungen hoch. Gleich vorweg: Sie werden nicht enttäuscht. Auch bei maximaler Lautstärke klingt die Musik nicht scheppernd, sondern raumerfüllend, satt und sonor. Das extreme hohe Gewicht von über acht Kilo scheint also von hochwertigen und eben schwergewichtigen Komponenten herzurühren. Die Installation über die SoundTouch-App geht kinderleicht vonstatten, ganz ohne Bluetooth oder NFC. Musik über youtube lässt sich leider nicht streamen, unterstützt werden nur Spotify und Deezer. Dafür gibt es in der App integriert eine große Auswahl an Sparten-Radiokanälen aus aller Welt. Über die Fernbedienung freut man sich natürlich auch.

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Was gegen Bose spricht, ist die eingeschränkte Konnektivität und der hohe Preis. Der Klang macht aber fast alles wieder wett. Und: Sound-Puristen ist die Box wichtiger als der Musik-Dienst.

 

Preis: 629€

Maße / Gewicht: 43,5 x 25 x 17 cm / 8,4 kg

Konnektivität wireless: WLAN

Konnektivität zusätzlich: LAN, USB A/micro 2.0, AUX In

Unterstützte Musikdienste: Spotify, Deezer

Anbindung an Stereoanlage: nein

Bedienung: 5/5

Klangqualität: 5/5

Gehäuse: 4/5

 

2) Sonos Play:3

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Sonos besticht zunächst durch sein unaufgeregtes kalifornisches Tech-Design. Beim zweiten Testpunkt geht es um die Installation und die geht nirgends einfacher über die (Heim-)Bühne. Die zugehörige App erledigt eigentlich alles von selbst und zwar ohne Bluetooth-Hilfe.

Den einzelnen Komponenten erteilt man vorgegebene Wohnbereichsnamen und kann sie zu Gruppen zusammenschließen. Videostreaming (youtube) als Quelle steht nicht zur Verfügung, Streaming-Dienste rücken ihre Musik – wie überall – erst ab der Premium-Version heraus.

Klang­lich dürfte der PLAY:3 ruhig weniger nasal klingen, er erinner ein bisschen an eine Kompaktanlage. Dafür verschwindet der Speaker in jeder Nische, ob vertikal oder horizontal.

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Sonos ist der Spezialist für Netzwerk-Lautsprecher, ohne andere Vergangenheit. Das merkt man an der hervorragenden Bedienung, aber eben auch am nicht ganz so tollen Klang.

 

Preis: 279€

Maße / Gewicht: 37 x 18 x 15 cm / 2,6 kg

Konnektivität wireless: WLAN

Konnektivität zusätzlich: LAN

Unterstützte Musikdienste: fast alles (32 Stück)

Anbindung an Stereoanlage: ja (per Zusatzgerät „CONNECT“)

Bedienung: 5/5

Klangqualität: 4/5

Gehäuse: 3/5

 

3) Raumfeld Stereo Cubes

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Der Name deutet es an, hier handelt es sich um ein Lautsprecher-Paar. Einer der beiden Würfel übernimmt den aktiven Part, wird mit Strom versorgt und ist per Kabel und 6,35 mm-Klinkenstecker mit einer passiven Box verbunden. Welcher Speaker welchen Stereo-Kanal wiedergibt, wird in der Hersteller-App festgelegt. Mit mehreren Boxen-Paaren lassen sich über die App des Herstellers mehrere Räume selektiv beschallen. Die Cubes kommen dank der Verbindung von schwarzem Kunststoff und rauem Aluminium im Qualitäts-Retro-Look daher, dem der Klang kaum nachsteht: Der Sound des deutschen Produktes wirkt rund und komplett, nicht zu bass- oder höhenlastig und verfehlte im Test nur knapp die Topnote.

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Die Inbetriebnahme könnte einfacher gestaltet sein. Ist das Würfel-Duo aber an Ort und Stelle und in Betrieb, weiß es mit starkem Klang und klassischem Boxen-Design zu überzeugen.

 

Preis: 450€

Maße / Gewicht: 19,5 x 19,5 x 19,5 cm / 4 kg

Konnektivität wireless: WLAN

Konnektivität zusätzlich: USB 2.0, LAN, AUX In

Unterstützte Musikdienste: Spotify, TIDAL, Napster, Tuneln

Anbindung an Stereoanlage: Ja (per Zusatzgerät „Connector“)

Bedienung: 3/5

Klangqualität: 4/5

Gehäuse: 5/5

 

4) Nubert Audio nuPro A-100

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Mit diesem 2-Wege-Lautsprecher vom deutschen Hersteller Nubert hat sich ein dunkles Schaf in die Testherde gemischt, denn eigentlich handelt es sich hier um keinen Netzwerk-Lautsprecher. Allerdings verkauft Nubert seinen kleinen nuPro im sogenannten Airplay-Set: 2 Boxen plus einen WLAN-HiFi-Receiver AirLino von LinTech. Das macht in Summe eine unglaublich leistungsstarke Mischung mit ganz großem Sound, allerdings auch nicht unerheblichen Einbußen bei der Bedienung. Zum einen ist die Installation kein Kinderspiel, zum anderen stehen zunächst über die AirLino-App nur Radiokanäle zur Verfügung. Für gezieltes Streaming oder den Genuss von gespeicherten MP3s braucht es eine eigene App. Fernbedienung ist aber inklusive.

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Sound-seitig sicher die Speerspitze. Das aber mit zwei Lautsprechern, die über Kabel mitei­nander verbunden sind, oben­­drein Verbindungsgefummel und ein Bauteil vom Fremdhersteller.

 

Preis: 619€

Maße / Gewicht: 27 x 16,5 x 16,5 cm / 4,3 kg (2x)

Konnektivität wireless: WLAN (mit HiFi-Receiver)

Konnektivität zusätzlich: USB B, AUX In, opt.

Unterstützte Musikdienste: keine

Anbindung an Stereoanlage: ja

Bedienung: 2/5

Klangqualität: 5/5

Gehäuse: 5/5

 

5) Sony SRS-88

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Sony hat mit seinem Gerät den biedersten Kasten auf den Markt geworfen. Dennoch: Der Quader aus Japan wirkt zeitlos. Um ihn zu bedienen, braucht es SongPal, eine App, die einen über Bluetooth oder NFC das Gerät konfigurieren lässt. Ist die Anbindung geschafft (sie hat sich nicht besonders kompliziert gestaltet), lässt sich Musik über Streaming-Dienste oder aus dem Speicher abspielen, youtube-Musik jedoch nur über Bluetooth und nicht über das WLAN-Netz. Der Klang ist leider nicht berauschend, bereits bei geringer Lautstärke scheint die Hardware überfordert. Lobenswert sind auf der anderen Seite die vielen Anschlussmöglichkeiten per Kabel. Eine Nutzung abseits von Netzwerken und Mobilgeräten ist also auch möglich.

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Der Sony-Lautsprecher bietet extrem viele Verbindungsmöglichkeiten, kann aber klanglich nicht voll überzeugen. Das kann dem kompakten Format geschuldet sein. Dafür ist er sehr unauffällig.

 

Preis: 350€

Maße / Gewicht: 36 x 11 x 10 cm / 2,7 kg

Konnektivität wireless: WLAN, Bluetooth 3.0, NFC

Konnektivität zusätzlich: USB A/B 3.0, LAN, AUX In

Unterstützte Musikdienste: Google Play, Chrome Cast

Anbindung an Stereoanlage: nein

Bedienung: 4/5

Klangqualität: 2/5

Gehäuse: 5/5

 

6) Thomson Multiroom system

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Thomson setzt mit seinem Multiroom-System auf eine eigenständiges Funknetzwerk, dass unabhängig vom Heim-WLAN-Netz operiert. Es gibt ein sogenanntes Master-Gerät, dass ausschließlich per Bluetooth angesteuert wird. Dieses wiederum schickt die Musikdateien an bis zu vier Satelliten-Lautsprecher weiter. Die Installation kann deshalb sehr einfach vonstatten gehen: Wie beim Pairen mit einem Bluetooth-Kopfhörer wird einfach mit dem Master eine Verbindung aufgebaut und sofort wird jegliche Musik dort abgespielt, auch die aus Youtube-Videos. Um weitere Lautsprecher (zu je 160 Euro) zu konfigurieren, braucht es die passende App. Die Klangqualität ist leider nicht überragend, auch hat man mit Aussetzern zu kämpfen.

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Für die reibungslose Übertragung von Musikdaten auch mit hoher Bitrate und über größere Distanzen ist der Weg via Bluetooth nicht optimal. Hier sollte eine ­Alternative geboten werden.

 

Preis: 329,99 €

Maße / Gewicht: 31 x 15,5 x 20 / 14,5 x 31 x 19,5 cm

Konnektivität wireless: Bluetooth

Konnektivität zusätzlich: AUX In

Unterstützte Musikdienste: Spotify, Deezer

Anbindung an Stereoanlage: nein

Bedienung: 3/5

Klangqualität: 2/5

Gehäuse: 4/5

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.