Guide: Das perfekte Handy-Foto

Hartmut Schumacher 3. Oktober 2015 0 Kommentar(e)

Etwa 98 Prozent der Smartphone-Besitzer verwenden ihr Gerät auch zum Herstellen von Fotos. Kein Wunder, denn die Kameras von Handys haben sich in den letzten Jahren so sehr fortentwickelt, dass sie eine ernsthafte Konkurrenz für Kompaktkameras darstellen. In Bezug auf Lichtempfindlichkeit und Zoom-Funktionen können Smartphone-Kameras zwar nicht mit „echten“ Kameras mithalten. Aber natürlich gilt auch hier die alte Fotografenregel: Die beste Kamera ist immer die, die man dabei hat. Smartphone-Kameras liefern in der Regel automatisch akzeptable Ergebnisse. Wenn Sie sich ­jedoch etwas Zeit nehmen, um sich einige Kniffe anzueignen, dann sind Sie in der Lage, auch unter ungünstigen Bedingungen gute oder ausgezeichnete Fotos anzufertigen.

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Die wichtigsten Kamerafunktionen eines Smartphones

Smartphones bieten viele Kamerafunktionen, die dafür sorgen, dass die Fotos ohne großen Aufwand möglichst gut werden. Hier ein Überblick über die wichtigsten Funktionen und ihre Auswirkungen – und die Dinge, die Sie beachten müssen, um diese Funktionen optimal zu nutzen.

 

Auflösung

Bei den meisten Smartphones können Sie die Auflösung der Kamera verändern. In der Regel sollten Sie die höchste Auflösung verwenden. Denn je höher die Auflösung, desto mehr Details sind auf den Fotos zu sehen. Hochauflösende Fotos resultieren allerdings auch in umfangreicheren Dateien. Und daher kann es durchaus sinnvoll sein, eine niedrigere Auflösung einzustellen. Dann nämlich, wenn Sie Fotos anfertigen möchten, die sich möglichst schnell und datensparsam verschicken oder hochladen lassen, ohne sie vorher noch mit einer Bildbearbeitungs-App verkleinern zu müssen.

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Bildstabilisator

Einige Smartphones verfügen über einen Bildstabilisator, der dabei helfen soll, verwackelte Fotos zu verhindern. Ein elektronischer Bildstabilisator erhöht die Empfindlichkeit des Fotosensors. Dadurch sind kürzere Belichtungszeiten möglich, was wiederum das Verwackelungsrisiko verringert. Andererseits aber steigt mit der Erhöhung der Empfindlichkeit auch das Bildrauschen, also das Auftreten von störenden Pixeln im Foto.

Wesentlich besser (aber halt auch kostspieliger) ist ein optischer Bildstabilisator. Denn er erreicht das UnterdrĂĽcken der Verwackelungen, indem er bewegliche Linsen im Objektiv verwendet.

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HDR

Die HDR-Funktion (High Dynamic Range), die auf halbwegs neuen Smartphones zu finden ist, vollbringt ein kleines Wunder: Sie ermöglicht es, Fotos mit perfekter Belichtung anzufertigen – Fotos also, bei denen alle Details sowohl an den hellen als auch an den dunklen Stellen gut zu erkennen sind. Dies erreicht die Funktion, indem sie mehrere verschieden belichtete Bilder aufnimmt und dann miteinander kombiniert. Wichtig dabei ist es, die Kamera sehr ruhig zu halten, damit die Einzelbilder gut zueinander passen.

 

WeiĂźabgleich

Der Weißabgleich bewirkt, dass die Kamera den Farbton der Beleuchtung berücksichtigt, um die Farben der Motive korrekt aufnehmen zu können. Sind Sie mit dem automatischen Weißabgleich der Kamera nicht zufrieden, dann können Sie oft den Weißabgleich von Hand anpassen, indem Sie eine Einstellung verwenden, die der gegenwärtigen Lichtquelle entspricht (beispielsweise „Glühbirne“, „Neonlicht“, „Tageslicht“ oder „bewölkt“).

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Aufnahmemodi

Die Kamera-Software stellt meist mehrere Aufnahmemodi zur Auswahl, die optimale Einstellungen für verschiedene Arten von Fotos bieten – beispielsweise für Nachtaufnahmen, Sportfotos, Porträts und Makroaufnahmen. Am besten ist es, sich mit den Auswirkungen dieser Modi in Ruhe zu beschäftigen, bevor Sie sie dann tatsächlich in der Praxis einsetzen.

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Selbstauslöser

Die gute alte Selbstauslösefunktion ist aktueller denn je. Denn sie erlaubt es, unter anderem Einzel- und Gruppen-Selfies mit der rückwärtigen Kamera anzufertigen, die meist eine bessere Qualität bietet als die Kamera auf der Vorderseite. Auch unnatürliche Körperhaltungen und Arme, die aus dem Bild hinausragen, lassen sich mit dieser Funktion verhindern. Ein mehrsekündiger Countdown in Form von Pieptönen hilft Ihnen dabei, vom Moment der Aufnahme nicht überrascht zu werden.

 

Panoramafunktion

Die meisten Smartphones sind inzwischen in der Lage, Panoramafotos herzustellen – Fotos also, die breiter sind als üblich oder aber sogar eine 360-Grad-Ansicht abdecken. Die Kamera-App nimmt zu diesem Zweck mehrere Einzelfotos auf, während der Anwender die Kamera schwenkt, und setzt diese Einzelfotos dann zu einem größeren Bild zusammen. Oft ist diese Panoramafunktion allerdings knifflig zu bedienen. Es zahlt sich daher aus, sich mit ihrer Verwendung gründlich vertraut zu machen, bevor Sie dann später mit ihrer Hilfe beispielsweise beeindruckende Landschaftsfotos anfertigen.

 

Filter

Viele Kamera-Apps stellen Filter zur Verfügung, die sich in Echtzeit auf die Fotos auswirken. Beispielsweise um einen altertümlichen Eindruck zu erzeugen, um einen Fischaugeneffekt entstehen zu lassen oder um das Motiv in eine Zeichnung zu verwandeln. Das kann praktisch, amüsant und ästhetisch sein. Aber Vorsicht: Nicht alle Apps speichern zusammen mit den veränderten Fotos auch die Originalfotos. Abgesehen davon sind solche Filter (egal, ob live oder nachträglich hinzugefügt) oft für den Fotografen amüsanter als für den späteren Betrachter. Weniger kann also mehr sein.

 

Foto-Tipps fĂĽr das Smartphone

Smartphone-Kameras haben andere Vorteile und Nachteile als reguläre Kameras. Daher gilt es auch unterschiedliche Tipps zu berücksichtigen.

 

Geschwindigkeit ist Trumpf

Der richtige Zeitpunkt für ein Foto geht oft nur allzu schnell vorbei. Machen Sie sich daher mit den Möglichkeiten vertraut, die Ihr Smartphone-Modell bietet, um die Kamera-App rasch zu starten. Viele Geräte bieten beispielsweise die Möglichkeit, die Kamera­-App direkt vom Sperrbildschirm aus aufzurufen. Manche Smartphones verfügen über eine spezielle Taste, über die Sie einerseits die Kamera-App starten können und die andererseits auch als Auslöser dient.

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Der richtige Fokus

Die Kamera-Software versucht, automatisch den wichtigsten Bildinhalt scharf zu stellen. Möchten Sie jedoch den Fokus auf einen Gegenstand setzen, der sich nicht in der Bildmitte befindet, dann können Sie dies ganz einfach erreichen, indem Sie vor dem Fotografieren die gewünschte Stelle auf dem Bild antippen. Diese Stelle verwendet die Kamera-Software in der Regel dann auch zum Berechnen der idealen Belichtung. Bei einigen Smartphones können Sie durch langes Antippen einer Stelle auf dem Bild den Fokus fixieren – so dass ein unruhiges Motiv nicht zu ständigem Neufokussieren führt.

 

Fotoleuchte?

Die Fotoleuchte des Smartphones kann in der Regel nur Motive aufhellen, die wenige Meter entfernt sind. Und kann auch zu unnatürlichen Farben und hässlichen Schatten führen. Oft ist es daher besser, die Blitz-/Fotoleuchte-Automatik der Kamera-App auszuschalten. Das resultiert zwar meist in Fotos mit mehr Bildrauschen – aber das ist unter Umständen das kleinere Übel.

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Zoomen: besser nicht

Die allermeisten Smartphones verfügen statt über einen optischen nur über einen digitalen Zoom (auch bekannt unter dem Fachbegriff „Unsinn“) – von dem Sie besser die Finger lassen. Denn ein digitaler Zoom schnappt sich lediglich einen Ausschnitt des tatsächlichen Bildes und vergrößert ihn. Das führt (anders als beim optischen Zoom) jedoch nicht etwa zu mehr sichtbaren Details, sondern nur zu Pixel-Matsch.

 

Alternative Kamera-Apps

Anders als herkömmliche Kameras hat ein Smartphone den großen Vorteil, dass Sie nicht auf die vorgegebene Kamera-Software beschränkt sind. Sie können stattdessen aus einer Vielzahl von alternativen Kamera-Apps wählen – die sich von der vorinstallierten Software unter anderem durch die Anzahl der Einstellungsmöglichkeiten und der Art der Bedienungsoberfläche unterscheiden können.

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Cloud-Speicher

Ein weiterer Vorteil von Smartphones: Sie können die aufgenommenen Fotos und Videos automatisch in Cloud-Speicher wie Dropbox, Flickr und OneDrive hochladen lassen. Dadurch sind Ihre Fotos sicher, selbst wenn Sie sie versehentlich löschen oder aber wenn Sie das Smartphone verlieren. Wenn Sie Ihr Mobilfunk-Datenvolumen nicht unnötig belasten wollen, dann sollten Sie in den Einstellungen der jeweiligen Cloud-App dafür sorgen, dass sie die Fotos nur dann hochlädt, wenn das Smartphone per WLAN aufs Internet zugreifen kann.

 

Allgemeine Foto-Tipps

Einige Tipps sind immer gültig – egal, ob Sie ein Smartphone oder eine ausgewachsene Kamera verwenden.

 

Schön ruhig bleiben!

Verwackelte Fotos verhindern Sie, indem Sie das Smartphone während des Knipsens möglichst ruhig halten. Nehmen Sie das Smartphone also in beide Hände, legen Sie die Oberarme am Körper an, stellen Sie die Beine leicht auseinander, atmen Sie langsam, und betätigen Sie dann den Auslöser. Vor allem bei schwacher Beleuchtung empfiehlt es sich darüber hinaus, die Arme oder den gesamten Körper abzustützen (beispielsweise auf einem Tisch oder an einer Wand).

 

Die Drittel-Regel

Sollen Ihre Fotos nicht einfach nur plump das jeweilige Motiv zeigen, sondern auch ästhetischen Ansprüchen genügen? Das erreichen Sie unter anderem dadurch, dass Sie das Motiv nicht in der Mitte des Fotos platzieren. Zu diesem Zweck unterteilen Sie das Bild gedanklich in waagerechte und senkrechte Drittel, so dass neun gleich große Quadrate entstehen. Die meisten Kamera-Apps können entsprechende Hilfslinien einblenden. Verschieben Sie den Ausschnitt dann so, dass der interessanteste Teil des Motivs sich auf einem der Schnittpunkte der Linien befindet.

 

Fotobearbeitung

Unzufrieden mit einem Foto? Kein Problem: Mit wenigen Bedienungsschritten optimieren Sie sein Aussehen.

 

Nachträgliche Korrekturen

Bildbearbeitungen in größerem Stil erledigen Sie besser auf dem PC. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Apps, die es Ihnen erlauben, auf Ihrem Smartphone (oder Tablet) Fotos weitgehend zu bearbeiten.
Eine Gruppe von Bearbeitungsfunktionen widmet sich dem nachträglichen Korrigieren von Fotos: Sie können zum Beispiel die Helligkeit eines Bildes verändern, die Schärfe, den Kontrast oder die Farbsättigung. Darüber hinaus ist es möglich, das Foto zuzuschneiden und zu drehen.

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Digitale Magie

Eine weitere Gruppe von Funktionen lässt sich am treffendsten mit dem Begriff „Zauberei“ beschreiben. Denn diese Funktionen ermöglichen es Ihnen beispielsweise, Gesichter zu verschönern, Gegenstände aus Fotos verschwinden zu lassen oder mehrere Gruppenfotos miteinander zu kombinieren.

 

Farbfilter und andere Effekte

Und schließlich sind da noch die beliebten Funktionen, mit denen sich Fotos verfremden oder verändern lassen. Dazu gehören Farbfilter, die Fotos beispielsweise künstlich altern lassen oder ihnen das Aussehen von Polaroid-Bildern verleihen. Aber auch Funktionen, die es Ihnen erlauben, den Fotos lustige Aufkleber, Sprechblasen oder Hinweispfeile hinzuzufügen.

 

Apps zur Fotobearbeitung

 

Snapseed

Zu den Besonderheiten der Snapseed-App gehören die Möglichkeit, Gegenstände unkompliziert aus Fotos verschwinden zu lassen, eine Funktion zum Simulieren von HDR-Effekten, eine flexible Funktion zum nachträglichen Ändern von Bedienungsschritten sowie die „Glamour Glow“-Funktion, die Fotos durch ein „sanftes, glamouröses Leuchten“ eine „verträumte“ Wirkung verleiht.

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Photo Editor by Aviary

Der „Photo Editor by Aviary“ ist eine der beliebtesten Bildbearbeitungs­-Apps. Zwölf Fotoeffekte sind kostenlos, weitere müssen käuflich erworben werden. Neben allen grundlegenden Bearbeitungsfunktionen bietet die App die Möglichkeit, rote Augen zu korrigieren, Hautunreinheiten zu entfernen, Aufkleber und Bilderrahmen hinzuzufügen sowie Mem-Bilder anzufertigen.

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YouCam Perfect

Mit der App „YouCam Perfect“ können Sie auf digitale Weise kosmetische Operationen durchführen. Unter anderem ist es möglich, Falten und Hautunreinheiten zu entfernen, die Gesichtsform zu verändern, die Nase zu verschönern, die Augen zu vergrößern und rote Blitzaugen zu korrigieren, Tränensäcke zu entfernen, Rouge aufzutragen und auch die Körpergröße zu verändern.

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.