Analyse: Warum der Verkauf von Motorola ein Teil des Deals zwischen Google und Samsung ist

30. Januar 2014 0 Kommentar(e)

Der Verkauf von Motorola Mobility an Lenovo kommt überraschend (Details hier), war letztlich aber abzusehen: Bereits 2012 wurde Googles Entscheidung, Motorola zu übernehmen, als reiner Patent-Zukauf interpretiert, der die Position von Google im Falle von Patentstreitigkeiten stärken sollte. Es gibt aber auch noch einen weiteren Aspekt: Ein kürzlich bekannt gewordener Deal zwischen Google und Samsung dürfte ebenfalls eine gewichtige Rolle beim Verkauf von Motorola gespielt haben.

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Google und Samsung als Partner …

Die Erfolgsgeschichte von Google bzw. Android und Samsung ist eng verknüpft. Der rasante Aufstieg von Android ist zu einem großen Teil der aggressiven Strategie des südkoreanischen Konzerns zu verdanken, der mit dem Galaxy S dem iPhone wie kein Gerät zuvor Parolie bot. Gleichzeitig war es für Samsung aber wohl auch nur durch Android und dessen starkes Ökosystem und Anpassbarkeit möglich, in dieser Branche so schnell so dermaßen erfolgreich zu werden.

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… und aggressive Konkurrenten

Nachdem Samsung sogar zwei Nexus-Smartphones und ein Nexus-Tablet produzierte, ist das Verhältnis aber etwas abgekühlt. Ein aktuelles Galaxy-Gerät illustriert dieses angespannte Verhältnis: Für so gut wie jede Google-App hat Samsung ein hauseigenes Angebot parat, sogar ein eigener App-Store ist auf Galaxy-Geräten vorinstalliert.

Diese Entwicklung dürfte Google einiges an Kopfzerbrechen bereitet haben, vor allem weil Samsung sowohl bei Smartphones als auch bei Tablets eine dominante Marktposition einnimmt und zudem fleißig am eigenen Betriebssystem Tizen forscht.

Doch auch Google hat beim Samsung-Management wohl für den ein oder anderen Wutanfall gesorgt. Denn die Nexus-Serie hat sich mittlerweile zu einem Nullsummenspiel entwickelt, bei der gute Geräte zum Selbstkostenpreis verramscht werden. Das von ASUS gefertigte Nexus 7 (2013) gehört beispielsweise immer noch zu den Top-Sellern, noch aggressiver geht Google beim Moto G vor, das für 169 Euro den Besitzer wechselt und die Konkurrenz in Sachen Preis aggressivst unterbietet.

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Samsung bietet für so gut wie jede Google-App und jeden Google-Dienst eine hauseigene Alternative. Im Zuge des Deals zwischen Google und samsung soll sich dies aber künftig ändern. (Bild: arstechnica.com, via androidpit.de)

Strategische Partnerschaft …

Dass hier die Interessen auseinander driften, dürfte die einst hervorragend zusammenarbeitenden Partnern Google und Samsung  aber beunruhigt haben. In einem erst kürzlich bekannt gewordenen Deal zwischen Google und Samsung haben sich beide Seiten auf einen sehr interessanten Pakt geeinigt: 10 Jahre lang dürfen beide auf zurückliegende und kommende Patente zugreifen.

Damit wird das durch Motorola gestärkte Patent-Portfolio von Google noch weiter vergrößert. Gleichzeitig kann Samsung nun ebenfalls auf Motorola-Patente zugreifen, was die Position der Südkoreaner in möglichen Patent-Scharmützel gegen Apple, Microsoft und Co. drastisch verbessern dürfte.

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… mit gegenseitigen Zugeständnissen

Doch die Patente sind nur eine Seite der Medaille. Denn Samsung soll sich im Zuge dieses Deals auch dazu bereit erklärt haben, künftig weniger aggressiv auf eigene Dienste zu setzen und wieder Google-Angebote in den Fokus der eigenen Smartphone- und Tablet-Oberflächen zu rücken.

Googles Teil der Abmachung dürfte hingegen gewesen sein, die eigenen Hardware-Pläne zu beenden oder zumindest zurück zu fahren. In diesem Kontext ergibt der Verkauf von Motorola Mobility noch mehr Sinn, denn der Top-Seller Moto G war Samsung bestimmt ein größerer Dorn im Auge.

Fazit

Die Entwicklungen der letzten Tage könnten künftig große Kreise nach sich ziehen: Google beendet seine Hardware-Ambitionen bei Smartphones und Tablets, Samsung fährt hingegen eine etwas weniger aggressive Strategie in Sachen Software- und Dienst-Angebot. Der Zugriff auf das gegenseitige Patentportfolio stärkt Android als Ganzes, schwächt hingegen die Position von Apple und Microsoft, die sich bei möglichen Klagen nun an Patenten von Google, Motorola und Samsung abrackern müssen.

Gleichzeitig bleibt auch offen, wie es mit der Nexus-Serie weitergeht: Wenn Google tatsächlich weitreichende Zugeständnisse an Samsung machen musste, könnten auch diese Produkte davon betroffen sein. Es bleibt also abzuwarten, ob es mit der Nexus-Serie so weitergeht wie bisher, oder ob Google schon bald das Ende der Reihe einläutet, was eingefleischten Fans aber alles andere als gefallen dürfte.

Quellen: androidmag.de, androidpit.de, derstandard.at

 

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