Displayschutzfolien im Test: Ein Leben ohne Kratzer?

Martin Reitbauer 12. Oktober 2014 0 Kommentar(e)

Wer für sein neues Spitzen-Smartphone knapp 700 Euro hingeblättert hat, will es in Hosen- und Handtaschen nicht an Autoschlüsseln und Kleingeld scheuern lassen. Denn selbst das bei vielen Geräten verbaute, gehärtete Gorilla-Glas bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor Kratzern. Displayschutzfolien aus mehrlagigem Kunststoff sollen die Bildschirme vor Umwelteinflüssen schützen. Wir vergleichen acht Produkte.

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Das gerade und plane Aufkleben von Displayschutzfolien ohne Blasen und Staubeinschlüsse ist eine Herausforderung – wie in so vielen anderen Lebensbereichen sind Hobby-Modellbauer klar im Vorteil. Nachdem Sie das Display gründlich gereinigt haben – alle Hersteller im Test außer Mumbi legen Mikrofaser- und/oder Feucht-Tücher bei – befreien Sie die Folie am kurzen Ende von Trägermedium und setzen sie auf die Oberkante des Displays. Alle Aussparungen müssen am richtigen Ort sein. Dann streichen Sie die Folie mit dem beigepackten Stück Karton oder einer EC-Karte nach unten, während Sie den Rest der Trägerfolie abziehen. Die Produkte halten mit einer dünnen, nicht-permanenten Klebeschicht am Glas – eine schief aufgebrachte Folie kann also vorsichtig wieder abgenommen und neu aufgebracht werden. Glücklicherweise packen die meisten Hersteller mindestens zwei Folien bei, so hat der Käufer einen zweiten Versuch, wenn alle Stricke reißen. Somikon liefert optional einen Applikator, der den Vorgang einfacher gestalten soll. Crocfol wird einen solchen in Kürze herausbringen. Bei Displex und Hama werden die Folien zuerst „trocken“ mit Klebestreifen am Display positioniert, und dann in einer Klapp-Bewegung aufgebracht – im Test bewährte sich diese Methode ganz ausgezeichnet. Danach geht es ans Ausstreichen der unvermeidlichen Lufteinschlüsse. Es empfiehlt sich, dazu eine EC-Karte mit einem Mikrofasertuch zu umwickeln und mit mittlerem Druck nach den Seiten hin zu streichen.

Die Unterschiede beim Zuschnitt sind zum Teil beträchtlich

Die Passform der Produkte ist durchweg zufriedenstellend, keine der Folien überlappte den Rand oder ließ zu viel Displayglas frei. Die Anzahl und Form der Ausnehmungen unterschied sich jedoch deutlich. Displex, Dipos, Mumbi und Krusell nehmen jede Sensor-, Lautsprecher und Kamera-Öffnung einzeln aus. Somikon und Artwizz schneiden großzügig nach oben bzw. unten, Artwizz sieht für das Testgerät Galaxy S5 gar eine Ausnehmung vor, die völlig unnötig ist. Bei unserem Testexemplar von Crocfol wiederum waren die Öffnungen leider etwas unsauber geschnitten – der Hersteller beruft sich auf eine schlechte Charge. In der Übersichts-Tabelle auf den folgenden Seiten finden Sie eine schematische Darstellung zu den Ausnehmungen jeder Folie, damit können Sie sich selbst ein Bild machen. In puncto Haptik und Scrollverhalten ließen sich zwischen den Kandidaten keine wesentlichen Unterschiede festmachen, bei der Kratzfestigkeit schneiden Dipos, Crocfol und Artwizz etwas schlechter ab als der Rest. Krusell punktet mit einer selbst-heilenden Oberfläche, die zugefügte oberflächlichen Kratzer im Test tatsächlich innerhalb weniger Sekunden wieder verschwinden ließ.

Welche Folie brauche ich?

Im Groben lassen sich Displayschutzfolien in drei Kategorien einteilen. Mit einem Anteil von 80% an den verkauften Folien sind klare Folien (die mit Namen wie „ultra clear“ bedacht werden) der beliebteste Typ. Danach folgen Anti-Reflex-Folien und schließlich Displayschutz-Produkte aus Echtglas – eine relativ neue Entwicklung. In unserem Test haben wir ausschließlich klare Schutzfolien berücksichtigt.

Klare Folien Anti-Reflex-Folien Echtglas-Folien
Hohe Transparenz Verminderte Transparenz Hohe Transparenz
Hohe Schärfe Mittlere Schärfe Hohe Schärfe
Mittlere Kratzbeständigkeit Hohe Kratzbeständigkeit Höchste Kratzbeständigkeit
Sehr dünn Sehr dünn Relativ dick
Bruckfestigkeit unverändert Bruckfestigkeit unverändert Erhöhte Bruchfestigkeit
Preiswert Preiswert Teuer

So haben wir getestet

Applikation: Das gerade Auftragen der Folie ist nichts für zittrige Finger. Das Produkt von Displex wird dazu seitlich mit Klebestreifen fixiert.

Applikation: Das gerade Auftragen der Folie ist nichts für zittrige Finger. Das Produkt von Displex wird dazu seitlich mit Klebestreifen fixiert.

Passform: Die besten Folien im Test sparen jede Kamera- und Sensor-Öffnung in der Front einzeln aus.

Passform: Die besten Folien im Test sparen jede Kamera- und Sensor-Öffnung in der Front einzeln aus.

Sicht/Optik: Schlechte Schutzfolien zeigen mitunter ein Schillern - den gefürchteten Regenbogeneffekt. Im Test zeigte sich dieser jedoch bei keiner der Folien.

Sicht/Optik: Schlechte Schutzfolien zeigen mitunter ein Schillern – den gefürchteten Regenbogeneffekt. Im Test zeigte sich dieser jedoch bei keiner der Folien.

Kratzbeständigkeit: Der Autoschlüssel ist der natürliche Feind des Smartphone-Displays. Kommen dazu noch mineralische Stoffe wie Sand, sind Kratzer unvermeidlich.

Kratzbeständigkeit: Der Autoschlüssel ist der natürliche Feind des Smartphone-Displays. Kommen dazu noch mineralische Stoffe wie Sand, sind Kratzer unvermeidlich.

Die Testurteile der unterschiedlichen Kandidaten findet ihr in diesem PDF.

Als Testsieger gehen die Schutzfolien von Displex hervor. Vor allem das Anbringen der Folien ist dank der patentierten Montagestreifen besser gelöst als bei der Konkurrenz. Auch die Schutzfolien von Hama können im Test überzeugen. Das ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass die Schutzfolien von Displex gefertigt werden.

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsächlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschäftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit für einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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