Digitale Zombies: Immer mehr FußgĂ€ngerunfĂ€lle wegen Ablenkung durch Smartphones

Hartmut Schumacher 13. Dezember 2015 0 Kommentar(e)

Der schnellste Weg zur Notaufnahme? Herumlaufen mit den Augen auf dem Smartphone-Bildschirm statt auf dem Straßenverkehr.
Auch interessant: Wie man einen FußgĂ€nger innerhalb von Sekundenbruchteilen verschwinden lĂ€sst

Laut einer Umfrage des Fahrzeugherstellers Ford benutzen 57 Prozent der Smartphone-Besitzer ihr Mobiltelefon zumindest gelegentlich an Ampeln, Zebrastreifen oder beim sonstigen Überqueren der Straße. (Foto: Ford)

Laut einer Umfrage des Fahrzeugherstellers Ford benutzen 57 Prozent der Smartphone-Besitzer ihr Mobiltelefon zumindest gelegentlich an Ampeln, Zebrastreifen oder beim sonstigen Überqueren der Straße. (Foto: Ford)

Nicht nur fĂŒr Autofahrer, sondern auch fĂŒr FußgĂ€nger ist es gefĂ€hrlich, sich durch ihr Smartphone im Straßenverkehr ablenken zu lassen. Laut einer europaweiten Umfrage des Fahrzeugherstellers Ford verwenden 57 Prozent der Smartphone-Nutzer ihr Mobiltelefon zumindest gelegentlich an Ampeln, Zebrastreifen oder beim sonstigen Überqueren der Straße.

Eine neue Untersuchung der US-amerikanischen Ärztevereinigung American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) zeigt, dass 78 Prozent der Erwachsenen in den USA Unaufmerksamkeit beim Laufen fĂŒr ein „ernsthaftes“ Problem halten. Allerdings meinen 74 Prozent der Befragten, dass „andere Menschen“ oft oder immer beim Laufen abgelenkt sind, wĂ€hrend lediglich 29 Prozent dies von sich selbst sagen.

78 Prozent der Erwachsenen in den USA halten Unaufmerksamkeit beim Laufen fĂŒr ein „ernsthaftes“ Problem – allerdings hauptsĂ€chlich bei anderen Menschen. (Grafik: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

78 Prozent der Erwachsenen in den USA halten Unaufmerksamkeit beim Laufen fĂŒr ein „ernsthaftes“ Problem – allerdings hauptsĂ€chlich bei anderen Menschen. (Grafik: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

Dieses „Nicht ich, sondern die anderen“-Konzept gilt fĂŒr alle Arten von abgelenktem Laufen: Beispielsweise sagen 90 Prozent, dass andere FußgĂ€nger wĂ€hrend des Laufens telefonieren. Nur 37 Prozent geben zu, dies selbst zu tun. Ähnlich sieht es aus beim Hören von Musik (88 beziehungsweise 34 Prozent) und beim allgemeinen Verwenden eines Smartphones (85 beziehungsweise 28 Prozent).

26 Prozent der Befragten haben selbst schon einmal einen Unfall wegen Ablenkung durch ihr Smartphone erlitten. (Grafik: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

26 Prozent der Befragten haben selbst schon einmal einen Unfall wegen Ablenkung durch ihr Smartphone erlitten. (Grafik: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

Immer mehr „digitale Zombies“ in der Notaufnahme

Durch diese „digitalen Zombies“ (so die charmante Bezeichnung der AAOS) steigt die Zahl der UnfĂ€lle: Von 2004 bis 2010 haben sich laut einer Studie aus dem Jahr 2013 diejenigen Besuche in der Notaufnahme mehr als verdoppelt, bei denen es um FußgĂ€nger ging, die UnfĂ€lle erlitten haben, weil sie durch ihre Mobiltelefone abgelenkt waren.

Knapp 25 Prozent der Befragten in der Umfrage sagten, dass sie selbst schon einmal Zeuge eines Unfalls gewesen seien, der durch abgelenktes Laufen verursacht wurde. Und 26 Prozent gaben an, sie selbst hÀtten schon einmal einen derartigen Unfall erlitten.

In den letzten Jahren haben sich die durch Smartphone-bedingte Unaufmerksamkeit verursachten UnfĂ€lle von FußgĂ€ngern mehr als verdoppelt. (Foto: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

In den letzten Jahren haben sich die durch Smartphone-bedingte Unaufmerksamkeit verursachten UnfĂ€lle von FußgĂ€ngern mehr als verdoppelt. (Foto: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

Sich selbst dazu zwingen, das Smartphone wegzupacken

„Die American Academy of Orthopaedic Surgeons bittet FußgĂ€nger dringend darum, Muskel-Skelett- und andere Verletzungen zu vermeiden, indem sie auf ihre Umgebung achten – also auf Autofahrer, Fahrradfahrer, andere FußgĂ€nger und sonstige Hindernisse“, sagt Dr. Alan Hilibrand, Sprecher der AAOS. „Viele von uns mĂŒssen sich einfach selbst dazu zwingen, unsere GerĂ€te wegzupacken und uns darauf zu konzentrieren, was vor uns und um uns herum passiert. Dies stellt sicher, dass wir wohlbehalten an unserem Ziel ankommen – nicht nur wĂ€hrend dieser geschĂ€ftigen Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr ĂŒber.“

Die  American Academy of Orthopaedic Surgeon gibt hilfreiche Tipps fĂŒr FußgĂ€nger, die nicht in der Notaufnahme landen möchten. (Grafik: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

Die American Academy of Orthopaedic Surgeon gibt hilfreiche Tipps fĂŒr FußgĂ€nger, die nicht in der Notaufnahme landen möchten. (Grafik: American Academy of Orthopaedic Surgeon)

Warnendes Video aus Japan

Der japanische Mobilfunkanbieter DoCoMo hat zu diesem Thema ein Video veröffentlicht, das das Bewusstsein der Smartphone-Benutzer fĂŒr diese Gefahren erhöhen soll. Dieses Video namens „Samurai Smartphone Parade“ zeigt die Missgeschicke einer Gruppe von Samurai, die auf einer Reise nicht davon ablassen können, sich mit ihren Smartphones zu beschĂ€ftigen.

Selbst Samurais erleiden Missgeschicke, wenn sie sich wĂ€hrend des Laufen auf ihr Smartphone konzentrieren. Ein historisches Video aus dem 17. Jahrhundert dokumentiert dies eindrĂŒcklich. (Foto: DoCoMo)

Selbst Samurais erleiden Missgeschicke, wenn sie sich wĂ€hrend des Laufen auf ihr Smartphone konzentrieren. Ein historisches Video aus dem 17. Jahrhundert dokumentiert dies eindrĂŒcklich. (Foto: DoCoMo)

Quellen: Ford Motor Company, American Academy of Orthopaedic Surgeons, DoCoMo

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren fĂŒr eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nĂŒtzliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person ĂŒber sich selbst.