Phänomen „Handynacken“: Haltungsschäden durch Smartphones

Hartmut Schumacher 19. Juni 2015 0 Kommentar(e)

Ein neues Krankheitsbild macht dem modernen Menschen zu schaffen: Der sogenannte „Handynacken” plagt viele Anwender, die ihre elektronischen Geräte zu häufig verwenden.
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Beim Benützen eines Mobiltelefons werden bis zu 20 Kilo zusätzlicher Druck auf die Wirbelsäule ausgeübt. (Foto: Medicalpicture GmbH)

Beim Benützen eines Mobiltelefons werden bis zu 20 Kilo zusätzlicher Druck auf die Wirbelsäule ausgeübt. (Foto: Medicalpicture GmbH)

Die steigende Nutzung von Smartphones und Tablets kann zu körperlichen Beeinträchtigungen führen. Genauer gesagt zum „Handynacken”, also zu Schmerzen im Bereich des Nackens, hervorgerufen durch eine dauerhafte unnatürliche Körperhaltung im Nacken- und Schulterbereich.

In der Studie „Assessment of Stresses in the Cervical Spine Caused by Posture and Position of the Head“, die in der Zeitschrift „Surgical Technology International“ veröffentlicht wurde, hat der US-Forscher Dr. Kenneth K. Hansraj nachgewiesen, dass beim Verwenden eines Mobiltelefons bis zu 20 Kilo zusätzlicher Druck auf die Wirbelsäule ausgeĂĽbt wird. Je weiter man den Kopf nach vorne neigt, desto größer ist der Druck. Da Menschen laut der Zeitschrift „Harvard Men’s Health Watch“ durchschnittlich zwei bis vier Stunden pro Tag derartige Geräte verwenden, fĂĽhre dies zu etwa 700 bis 1400 Stunden im Jahr, in denen ĂĽbermäßiger Druck auf die Wirbelsäule ausgeĂĽbt werde.

Ein häufiges Phänomen

„Die Studienergebnisse sind für uns als Praktiker nichts Neues, nun haben wir es aber Schwarz auf Weiß. Allerdings muss man diese Daten auch richtig einordnen, da es sich um biomechanische Modellstudien mit gewissen Vereinfachungen handelt”, erläutert Prof. Christoph-E. Heyde, Leiter des Bereichs Wirbelsäulenchirurgie der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie an der Uniklinik Leipzig. „Diese Form der Überbeanspruchung bekommen wir in der täglichen Arbeit recht häufig zu sehen. Die Muskulatur ist ein lebendiges Gebilde. Wird sie zu stark beansprucht, kann sie durch die unphysiologische Haltung leiden und für weitere Schmerzen oder Verspannungen sorgen.”

Vorbeugen durch Pausen und Sport

Dr. Kenneth K. Hansraj empfiehlt: „Es ist zwar beinahe unmöglich, Technologien zu meiden, die diese Probleme verursachen. Menschen sollten sich jedoch bemühen, auf ihre Mobiltelefone mit einer neutralen Wirbelsäulenhaltung zu blicken und es zu vermeiden, mehrere Stunden am Tag in einer vorgebeugten Stellung zu verbringen.“

Prof. Christoph-E. Heyde sieht das ähnlich: Die effektivste Behandlungsmethode bestehe darin, das Mobiltelefon einfach mal auszuschalten und wegzulegen. „Zum einen befreit der Nutzer [dadurch] seinen Körper von der fortgesetzten Fehlhaltung, zum anderen entgeht er auch der ständigen Reiz-Überflutung, die vor allem von der dauerhaften Benutzung der handlichen elektronischen Geräte herrührt.” Wem das aus beruflichen Gründen nicht möglich sei, der solle zumindest regelmäßige Pausen einlegen sowie seine Haltung überprüfen und korrigieren.

Wichtig seien zudem körperliche Aktivität, ausgleichender Sport und Pausen, auch für den gesamten Rücken. Denn je länger ein mobiles Gerät genutzt werde und damit die Belastung des Nackens und der Schulterpartie steige, desto mehr werde auch der gesamte Rücken belastet.

Der Wirbelsäulenchirurg Dr. Kenneth K. Hansraj empfiehlt, beim Verwenden von Mobiltelefonen eine möglichst neutrale Haltung einzunehmen und es zu vermeiden, mehrere Stunden am Tag in einer vorgebeugten Stellung zu verbringen. (Foto: Business Wire)

Der Wirbelsäulenchirurg Dr. Kenneth K. Hansraj empfiehlt, beim Verwenden von Mobiltelefonen eine möglichst neutrale Haltung einzunehmen und es zu vermeiden, mehrere Stunden am Tag in einer vorgebeugten Stellung zu verbringen. (Foto: Business Wire)

Quellen: Surgical Technology Online, Medical Daily, Uniklinik Leipzig

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.