Google will Suchergebnisse manipulieren, um illegale Downloads und Raubkopien zu bekämpfen

Redaktion 19. Oktober 2014 0 Kommentar(e)

Google verstärkt den Kampf gegen Raubkopierer: In Zukunft sollen Portale, die illegale Film- und Seriendownloads bereitstellen, in den Suchergebnissen abgewertet werden. Auch die Autovervollständigung von Begriffen, die das Auffinden illegaler Inhalte erleichtern, wird gestrichen. Der Einstieg in die Zensur? 

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Neue Anzeigenformate sollen Nutzer zu legalen Angeboten führen.

Eine von drei Maßnahmen: Neue Anzeigenformate sollen Nutzer zu legalen Angeboten führen. (Bild: Google)

Die Welt unserer Alltagssprache ist voll von Produktnamen, die so allgegenwärtig sind, dass sie als Synonym benutzt und zu Gattungsnamen werden: Wer ein Taschentuch braucht, fragt in der Regel nach einem Tempo. Wer aus der Dusche kommt, trocknet sich die Haare mit einem Fön und wer etwas im Internet sucht, der googelt natürlich. Dass im Falle von Google der geschützte Markenname eines milliardenschweren Konzerns mit Internetsuche gleichgesetzt wird, zeigt die enorme Macht, die das Unternehmen aus Mountain View mittlerweile besitzt. Aus dieser Macht wächst auch eine große Verantwortung – doch wird Google dieser auch gerecht? Zumindest bei der Anzeige der Suchergebnisse sind durchaus Zweifel berechtigt: neue Maßnahmen gegen illegale Downloads und Raubkopien könnten die Trefferlisten in Zukunft extrem verfälschen.

Druck auf Google

Mit einem Marktanteil von über 90 Prozent ist Google in Europa die absolute Nummer 1 im Suchmaschinen-Geschäft. Kein Monopolist – denn jeder Nutzer hat zu jeder Zeit die Möglichkeit, eine andere Suchmaschine zu nutzen –, aber marktbeherrschend ist das US-Unternehmen allemal. Diese marktbeherrschende Stellung ist für alle ein gefundenes Fressen, die etwas zwar gerne aus dem Netz tilgen möchten, dazu aber nicht die Mittel haben. Statt sich also in den langwierigen Kampf zu bewegen, illegale Seiten löschen zu lassen, wird Druck auf Google ausgeübt, damit der Suchmaschinenbetreiber die Treffer aus den Suchergebnissen nimmt. Mit dieser obskuren Logik haben die Richter des EUGH das sogenannte „Recht auf Vergessen“ eingeführt, das sich in den Nachwehen des Urteils als perfektes Vehikel zur Zensur erwiesen hat. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen nun Rechteinhaber, um illegale Downloads und Raubkopien den Garaus zu machen. Der Druck zeigt offenbar Wirkung: Google hat neue Maßnahmen angekündigt, um das Auffinden von illegalen Film- und Serienkopien zu erschweren.

Drei Maßnahmen gegen illegale Downloads und Raubkopien

Google kämpft an drei Fronten, um illegale Downloads und Raubkopien zu bekämpfen: Als allererstes gibt es neue Anzeigenformate, die Nutzer legalen Dienste anzeigen und ihnen eine Alternative bieten sollen. Wer etwa nach einem Film oder einer Serie sucht und als Zusatz die Wörter „watch“, „download“ oder auch „free“ angehängt, bekommt legale Alternativen zu sehen, die den gesuchten Film oder die Serie im Angebot haben. Praktisch: Der Preis wird direkt mit angezeigt. Da das neue Anzeigenformat als Werbung deklariert ist, wird Google mit dem Verweis auf die legalen Angebote wahrscheinlich auch eine weitere Einnahmequelle erschlossen haben.

Bei der zweiten Maßnahme werden bestimmte Suchbegriffe aus der Autovervollständigung gestrichen: Bislang war es so, dass zu einem Suchbegriff automatisch auch weitere Begriffe angezeigt werden, nach denen Nutzer in der Vergangenheit ebenfalls gesucht haben. Eine Suche nach „Star Trek: Into Darkness“ bringt als Autovervollständigung beispielsweise auch „Stream“ zum Vorschein. Klickt man anschließend auf die gesamte Suchanfrage – in diesem Fall: Star Trek: Into Darkness Stream – ist der erste Treffer die Seite von Kinox.to. Diese automatische Vervollständigung will Google in Zukunft für Begriffe, die durch DCMA-Anfragen ermittelt wurden, unterbinden. Dadurch soll es erschwert werden, auf illegale Film- und Serienangebote zuzugreifen. Hier wird es schon problematisch, denn eigentlich sollten Suchergebnisse – und dazu gehören auch die vorgeschlagenen Begriffe der Autovervollständigung – die Realität abbilden und nicht eine weichgespülte, zensierte Version anzeigen. Ganz kritisch wird es dann allerdings bei der „verbesserten Abwertung“, wie Google es euphemistisch nennt, von Seiten mit DCMA-Anfragen. Enthält eine Seite berechtigte DCMA-Beschwerden, wird diese von Google in den Suchergebnissen herabgestuft, sodass sie nicht mehr so leicht aufzufinden ist. Laut Google wird das bereits seit 2012 gemacht, das neue System soll aber noch effektiver sein.

Es ist natürlich gut und richtig, dass auch Google sich dem Kampf gegen illegale Downloads und Raubkopien anschließt – vor allem dann, wenn sie im gewerblichen Ausmaße getätigt werden und sich einige Hintermänner eine goldene Nase verdienen. Dennoch ist auch Skepsis angebracht, denn möglicherweise öffnet Google mit den neuen Maßnahmen die sprichwörtliche Büchse der Pandora und manipuliert und verfälscht seine Suchergebnisse anschließend bis zur Unkenntlichkeit. Denn: Was heißt „berechtigte DCMA-Beschwerde“ konkret? Wer bestimmt das und wer kontrolliert das?

Zeitnahe Verfügbarkeit

Rechteinhaber müssen – neben dem Kampf gegen illegale Downloads und Raubkopien – vor allem an der zeitnahen Verfügbarkeit von beliebten Filmen und Serien arbeiten. Es kann nicht sein, dass etwa Fans von aktuellen Serien oft monatelang auf neue Folgen warten müssen, die dann oftmals auch noch in schlechter Bildqualität, lausiger Synchronisation und unchristlichen Zeiten versendet werden. Angebote wie Watchever, Maxdome oder auch Netflix sind hier ein richtiger Schritt, können aber nur der Anfang sein.

Quelle: Google (via Caschys Blog)

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