Apple vs. Samsung: Entwicklungsprozess des iPhones soll Apple im Patentstreit helfen

Redaktion 26. März 2014 0 Kommentar(e)

Am Montag geht der Patentstreit zwischen Apple und Samsung in die nächste Runde. Nicht ganz zufällig gewährt der kalifornische Konzern nun Einblicke in die Entstehungsgeschichte des ersten iPhone – die Medienoffensive soll deutlich machen, wie innovativ und zukunftsweisend das iPhone zu seinem Erscheinen 2007 war. 

Project Purple

Gegenüber dem Wallstreet Journal plauderte Greg Christie, seines Zeichens Chefentwickler von Apple, aus dem Nähkästchen und gab nun erstmals Einblicke in die Entstehungsgeschichte des erste iPhone. 2004 sei Christie zum ersten mal über die Entwicklung des iPhone informiert worden und ergriff sofort die Möglichkeit an „Project Purple“, wie es intern bei Apple genannt wurde, mitzuarbeiten. Geplant war ein Smartphone mit integriertem iPod, das sich bequem über Touchscreen steuern lassen sollte. Greg Christie, der 1996 zu Apple gestoßen ist, arbeitete bereits am Apple Newton. Der gescheiterte PDA ist so etwas wie der Ur-Großvater des modernen iPads.

Feuerwerk an Innovationen

Die Entwicklung des iPhone schien aber nicht wirklich voranzukommen und so soll Steve Jobs dem laut Christie „schockierend kleinen“ Entwicklerteam Anfang 2005 ein zweiwöchiges Ultimatum gegeben haben: Entweder es entwickelt ein visionäres Smartphone-Betriebssystem oder das Team wird vom Projekt abgezogen. Und wie das so ist mit kreativen Köpfen, hat erst der Zeitdruck des mittlerweile verstorbenen Apple-Gründers die Ideen nur so sprudeln lassen und ein wahres Feuerwerk an Innovationen gezündet. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise die Wischgeste zur Entsperrung des iPhone, die Auswahl von Kontakten aus dem Adressbuch, ohne den Kontakt vorab laden zu müssen oder ein Display, was ohne Tastatur und Ziffernblock daherkommt.

Steve Jobs bei der Vorstellung des iPhone 4: Der Apple-Gründer war für seine Geheimniskrämerei bekannt. (Bild: Wikipedia/Matthew Yohe)

Steve Jobs bei der Vorstellung des iPhone 4: Der Apple-Gründer war für seine Geheimniskrämerei bekannt. (Bild: Wikipedia/Matthew Yohe)

Höchste Geheimhaltung

Auch über Steve Jobs legendäre Geheimniskrämerei gab Greg Christie Auskunft. Briefings zum iPhone hätten in einem fensterlosen Raum stattgefunden, zu dem nur ausgewählte Apple-Angestellte Zutritt hatten. Nicht einmal das Reinigungspersonal durfte den Raum betreten. Mitarbeiter am Projekt sollten Daheim nur an Computern arbeiten, deren Bildschirme nicht von Familie oder Freunden eingesehen werden konnten und jegliche Bilder vom iPhone-Prototypen sollten verschlüsselt und mit einem Wasserzeichen versehen werden. Die Geheimhaltung hatte bekanntlich Erfolg: Als Steve Jobs am 9. Januar 2007 das erste iPhone vorgestellt hat, bestaunte die Welt ein Gerät, das tatsächlich eine Revolution darstellte und den Smartphone-Markt für immer verändert hat.

Durchsichtiges Manöver

Trotz allen Verdiensten, die Apple der Smartphone-Branche unzweifelhaft gebracht hat, ist das Ganze doch ein ziemlich durchsichtiges Manöver. Kurz vor der nächsten Runde im Patentstreit zwischen Apple und Samsung, will man in Cupertino wohl zeigen, wie einzigartig und zukunftsweisend das iPhone bei seiner Vorstellung doch war. Das ist auch tatsächlich wahr, nur gibt es Apple noch lange nicht das Recht, mit fragwürdigen Patenten oder Geschmacksmustern – Stichwort: abgerundete Ecke – Samsung auf Milliarden Dollar Schadenersatz zu verklagen oder absurd hohe Lizenzgebühren von 40 US-Dollar pro verkauftem Gerät zu verlangen. Hier werden die Gerichte ein hoffentlich für alle Seiten faires Urteil fällen.

Quelle: WSJ (via der Standard, Golem.de)

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