Flexible Displays: Wie sieht die Zukunft aus und wann dürfen wir damit rechnen?

Hartmut Schumacher 5. Juli 2015 0 Kommentar(e)

Seit etwa 20 Jahren sind wir zufrieden damit, dass Smartphone-Bildschirme starr und gerade sind. Warum auf einmal diese Begeisterung für flexible Displays?

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Bildschirme, die sich während des Herstellungsprozesses verformen lassen, haben den Vorteil, dass man mit ihnen auch ungewöhnlichere Gehäuseformen verwirklichen kann. Und Bildschirme, die sich auch vom Anwender biegen, falten oder rollen lassen, bieten zwei weitere große Vorzüge. Sie sind erstens schlicht und einfach weniger empfindlich gegenüber unbeabsichtigtem Verbiegen. Und zweitens lösen sie ein grundlegendes Problem von mobilen Geräten: Anwender wünschen sich in der Regel, dass ein Smartphone oder ein Tablet beim Transportieren möglichst klein ist, beim Verwenden dann jedoch einen möglichst großen Bildschirm bietet.

Wissenschaftler und Unternehmen arbeiten schon seit mindestens 1974 an flexiblen Displays. Meilensteine in der Geschichte dieser Bildschirme in Bezug auf Smartphones sind folgende Ereignisse: Im Mai 2011 hat die kanadische Queen‘s University das PaperPhone vorgestellt, den Prototyp eines Smartphones, bei dem es möglich ist, mittels Biegen der Bildschirmecken durch die Bedienungsoberfläche zu navigieren.

Flexible Displays können ein grundlegendes Problem von mobilen Geräten lösen.

Samsung hat im Januar 2013 das Prototyp-Smartphone Youm präsentiert, das über einen gebogenen Bildschirm verfügt, der nicht nur die Vorderseite des Geräts bedeckt, sondern auch eine seiner Seitenflächen.

Wichtig für die Weiterentwicklung von flexiblen Bildschirmen ist vor allem der Werkstoff Graphen, eine Kohlenstoffmodifikation, deren Herstellung erst seit 10 Jahren möglich ist. Im September 2014 konnte die University of Cambridge zusammen mit dem Unternehmen Plastic Logic den ersten flexiblen Bildschirm auf Graphen-Basis vorstellen.

Wunderwaffe Graphen

Was ist Graphen?
Bei Graphen handelt es sich um eine extrem dünne Schicht aus Kohlenstoff. Wie dünn? Eine Graphenschicht ist lediglich so dick, wie ein Kohlenstoffatom groß ist.

Was sind die Besonderheiten von Graphen?
Graphen ist äußerst stabil: Seine Zugfähigkeit ist über 100 Mal höher als die von Stahl. Gleichzeitig ist der Werkstoff sehr flexibel. Graphen ist ein guter Leiter sowohl für Hitze als auch für Elektrizität. Und nicht zuletzt ist das Material wasserbeständig.

Wann wurde Graphen zum ersten Mal hergestellt?
Konstantin Novoselov und Andre Geim, zwei Wissenschaftlern der University of Manchester, gelang es 2004 zum ersten Mal, Graphen aus Graphit herzustellen. 2010 haben die beiden Forscher dafür den Physik-Nobelpreis erhalten.

Welche Anwendungen sind künftig vorstellbar?
Graphen ermöglicht nicht nur das Produzieren von biegsamen Bildschirmen, sondern wird voraussichtlich auch beim Herstellen von schnelleren Prozessoren, effizienteren Solarzellen und leistungsfähigeren Akkus eine wichtige Rolle spielen.

Gegenwart

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Galaxy Round: Dieses Gerät von Samsung, das im Oktober 2013 auf den Markt gekommen ist (wenn auch ausschließlich in Südkorea), war das erste Smartphone mit gebogenem Display und Gehäuse.

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LG G Flex: Der Bildschirm und das Gehäuse des LG Flex (erhältlich seit Februar 2014) sind nicht nur ab Werk gekrümmt, sondern in begrenztem Maße auch nachträglich verbiegbar.

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Galaxy Edge: Seit Dezember 2014 ist das Galaxy Note Edge verfügbar – das erste Smartphone, dessen Bildschirm über eine der Kanten hinweg gebogen ist und eine Seitenfläche bedeckt.

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Galaxy S6 Edge: Als Nachfolger vom Galaxy Edge hat Samsung zusammen mit dem Galaxy S6 eine Edge-Version mit gebogenem Display vorgestellt.

Zukunft

Mehrere Firmen arbeiten an Displays, die sich nicht nur während der Herstellung verbiegen lassen, sondern auch später vom Anwender.

Samsung Display hat ein flexibles Display entwickelt, das sich zusammenfalten lässt. Ein Gerät mit einem derartigen Display soll Ende 2015 auf den Markt kommen.

Das japanische Semiconductor Energy Laboratory hat im Oktober 2014 auf einer Messe in Tokio ein 5,9-Zoll-Display vorgeführt, das man über 100.000 Mal biegen kann, ohne ihm dadurch Schaden zuzufügen.

Und LG Display hat bereits im Juli vergangenen Jahres ein Display vorgestellt, das sich problemlos zusammenrollen lässt.

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.

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