Mobbing im 21. Jahrhundert: Wie sich Amazon-Mitarbeiter gegenseitig drangsalieren

18. August 2015 2 Kommentar(e)

Dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann, wusste bereits der römische Komödiendichter Titus Maccius Plautus. Mehr als 2.000 Jahre später stellt ein fragwürdiges Amazon-Tool diesen Ausspruch erneut eindrucksvoll unter Beweis: Eigentlich soll „Anytime Feedback“ die Mitarbeitereffizienz steigern. In Wahrheit befördert das Werkzeug aber offenbar nur Missgunst, Intrigen und Mobbing.

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Amazon hat das Shopping im Internet revolutioniert. Doch wird der Erfolg auf Kosten der Mitarbeiter erkauft?

Amazon hat das Shopping im Internet revolutioniert. Doch wird der Erfolg auf Kosten der Mitarbeiter erkauft?

Über die Arbeitsbedingungen der Lagermitarbeiter Amazons ist schon ausführlich berichtet worden. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di befindet sich seit Jahren in einem schwelenden Arbeitsstreit mit Amazon und bestreikt den Versandhausriesen in regelmäßigen Abständen. Weniger bekannt dürfte aber sein, dass auch die Management-Ebene Amazons mit zumindest fragwürdigen Bedingungen am Arbeitsplatz zu kämpfen hat. Einige ehemalige Amazon-Mitarbeiter haben nun aber gegenüber der New York Times ausgepackt.

Kern des Ganzen ist Amazons stetiger Versuch, die Effizienz der eigenen Mitarbeiter zu steigern. Dazu hat das amerikanische Unternehmen eigenes ein Tool entwickelt, mit dem sich Mitarbeiter gegenseitig per Mausklick bewerten könnten. Das eigentlich gute Ansinnen hat sich nach Aussagen der ehemaligen Beschäftigten aber komplett ins Gegenteil verkehrt, da sich die Kollegen nun gegenseitig mobben, Intrigen gesponnen und sogar Pakte geschlossen werden, um unliebsame Kollegen durch mehrfache negative Bewertungen abzuservieren. Da Amazon zum Ende des Jahres immer die schlechtesten Team-Mitglieder entlässt, sehen offenbar einige Mitarbeiter des Konzerns in diesem unsozialen Verhalten einen Weg, ihre eigene Stellung zu sichern. So sei ein Arbeitsklima der Kälte und der Angst entstanden, wo Mitarbeiter sogar nach schweren Schicksalsschlägen wie Fehlgeburten oder Krebskrankheiten direkt auf Dienstreisen geschickt wurden. 

Jeff Bezos weist Beschuldigungen zurück

Amazon-Gründer und CEO Jeff Bezos hat die Medienbeschuldigungen brüsk zurückgewiesen. Laut Aussagen des 51-jährigen spiegeln diese Berichte nicht das Unternehmen wieder, das er selbst kenne. Er fordere daher alle Amazon-Mitarbeiter auf, ihm persönlich solche Vorfälle zu melden. „Selbst wenn es seltene oder Einzelfälle sind, unsere Toleranz für einen solchen Mangel an Mitgefühl muss gleich null sein“, schreibt Bezos in einer E-Mail an seine Mitarbeiter, aus der Zeit Online zitiert.

Quelle: New York Times 

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Harald Gutzelnig   Herausgeber

Harald hat eigentlich als Herausgeber und Geschäftsführer des hinter dem Portal stehenden Verlags gar nicht viel Zeit Artikel zu schreiben, aber es macht ihm so viel Spaß, dass er dafür sogar ab und an aufs Schlafen verzichtet. Er hofft natürlich, dass dieser Schlafentzug seinen Artikeln nicht anzumerken ist.

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