Selfies, Instagram-Filter und Online-Videos verantwortlich fĂŒr steigende Zahl von Schönheitsoperationen

Hartmut Schumacher 15. MĂ€rz 2015 0 Kommentar(e)

Selfies sind nicht so harmlos, wie man annehmen könnte: Sie verstĂ€rken den Wunsch nach kosmetischen Gesichtsoperationen – und können auch Magersuchterkrankungen verschlimmern.
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Selfies: meist ein harmloser Spaß, unter UmstĂ€nden aber auch ein VerstĂ€rker fĂŒr den Wunsch nach Schönheitsoperationen. (Foto: Fromm Works, Inc.)

Selfies: meist ein harmloser Spaß, unter UmstĂ€nden aber auch ein VerstĂ€rker fĂŒr den Wunsch nach Schönheitsoperationen. (Foto: Fromm Works, Inc.)

Die steigende Beliebtheit von digitalen SelbstportrĂ€ts („Selfies“) fĂŒhrt zu einem grĂ¶ĂŸeren Wunsch nach kosmetischen Gesichtsoperationen. Entnehmen lĂ€sst sich dies einer Studie der American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgery. Laut dieser Studie berichten ein Drittel der US-amerikanischen Schönheitschirurgen, dass bei ihnen vermehrt Patienten erscheinen, die ihr Aussehen verĂ€ndern möchten, um in Selfies besser auszusehen. Dementsprechend angestiegen ist in letzter Zeit die Anzahl von Nasenoperationen (um 10 Prozent), Haartransplantationen (um 7 Prozent) und Augenlidoperationen (um 6 Prozent).

Die Chirurgieberaterin Denise Thomas schildert ihre Erfahrungen: „FrĂŒher haben mir meine Kunden erzĂ€hlt, dass sie nicht gerne in den Spiegel schauen. Heutzutage sagen sie mir als Erstes: ‚Ich habe in einem Selfie schrecklich ausgesehen.‘“

Kosmetische Operationen als Instagram-Filter fĂŒrs echte Leben

Die Beverly Hills Physicians berichten zudem von einer gestiegenen Anzahl Patientenanfragen, die durch das Verwenden von Filtern bei Instagram verursacht werden. Diese Filter erlaubten es, sofort eine verschönerte Version des eigenen Gesichts zu sehen. Und viele Patienten wollten diesen Effekten auch im echten Leben erreichen – durch kosmetische Chirurgie.

„Soziale Plattformen wie Instagram, Snapchat und die iPhone-App Selfie.im, die ausschließlich auf Bildern basieren, zwingen Patienten dazu, ein Mikroskop auf ihr eigenes Aussehen zu richten und es oft mit einem selbstkritischeren Auge zu betrachten als jemals zuvor“, erlĂ€utert Edward Farrior, der frĂŒhere PrĂ€sident der American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgery. „Diese Fotos stellen oft die ersten EindrĂŒcke dar, die Jugendliche an potentielle Freunde, Liebhaber und Arbeitgeber verteilen.“

Die Anzahl der Nasenoperationen ist in letzter Zeit um 10 Prozent gestiegen – auch bedingt durch das Verlangen, auf Selfies besser auszusehen. (Foto: Southern Surgical Arts)

Die Anzahl der Nasenoperationen ist in letzter Zeit um 10 Prozent gestiegen – auch bedingt durch das Verlangen, auf Selfies besser auszusehen. (Foto: Southern Surgical Arts)

Videos noch problematischer als Fotos

Der Trend, in sozialen Medien Videos anstelle von Fotos zu verwenden, trĂ€gt ebenfalls zum verstĂ€rken Wunsch nach Schönheitseingriffen bei: „Anders als Fotos lassen sich Videos nicht bearbeiten, um ein Doppelkinn zu reduzieren oder um eine Nase zu begradigen“, so Dr. Stephen S. Park, der jetzige PrĂ€sident der American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgery.

VerstÀrkung von Essstörungen

Und nicht zuletzt können Selfies Essstörungen verstĂ€rken: Dr. Alex Yellowlees, Medical Director und Consultant Psychiatrist des Priory Hospitals in Glasgow, weist darauf hin, dass Magersuchtpatienten hĂ€ufig Fotos von sich selbst online verbreiten, um ihren „Fortschritt“ beim Abnehmen zu dokumentieren – damit aber auch psychologischen Druck auf andere Patienten ausĂŒben und eine gefĂ€hrliche Konkurrenzsituation erzeugen.

Quellen: American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgery, Beverly Hills Physicians, Denise Thomas, Priory Group

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren fĂŒr eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nĂŒtzliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person ĂŒber sich selbst.