Technik: Das Lenovo Moto Z im Test

Peter Mußler 27. Januar 2017 Kommentare deaktiviert für Technik: Das Lenovo Moto Z im Test Kommentar(e)

Im Juni wurde die modulare Moto Z-Serie von Lenovo angekündigt, jetzt ist sie da. Ob das Moto Z in natura halten kann, was es optisch durch die aufregenden Pressebilder versprach, sagt unser Testbericht.

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Modular, also flexibel durch austauschbare oder zusätzlich verwendbare Bausteine, das könnte in der Tat auch die Zukunft des Smartphones sein. Wir ­kennen diese Idee von Autos, wo eine Komponente – z.B. der Auspuff – getauscht werden kann, um eine bessere Performance zu erzielen. Oder von Stand-PCs, bei denen die Grafik­karte durch eine leistungsfähigere ersetzt wird. Aber auch vom Fairphone, das den ein­fachen Tausch einzelner Module im Schadensfall zulässt.

Zuletzt wagte aber LG den weitesten Vorstoß auf dem Smartphone-Sektor: Das G5 kann durch teilweisen Ersatz von Standardteilen partiell verbessert werden. Lenovo geht mit seiner neuen Oberklasse einen anderen Weg. Es wird modifiziert, aber nicht durch Umbau, sondern Anbau: Die „Moto Mods“ sind ausschließlich anklippbare Gadgets, die speziell auf die Top-Geräte des chinesischen Computer-Riesen abgestimmt sind.

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Das Dock & die Möglichkeiten

Wie das funktioniert? Ungefähr 1,5 cm über dem unteren Geräterand sind auf der Rückseite ein langer Kontaktstreifen und 17 Kontaktpunkte sichtbar. Über diese lassen sich augenblicklich eine mit dem schwedischen Kameraspezialisten Hasselblad entwickelte Zoom-Kamera, ein Akkupack, ein JBL-Lautsprecher oder sogar ein Projektor mit dem Smartphone verbinden. Zuverlässig gehalten werden die Mods über Magnete. Wer die sehr edle, aber sicher nicht extrem robuste Rückseite seine Z-Modells schützen oder nur die Optik individualisieren will, dem stehen verschiedene Abdeckungen aus Materialen zwischen Kunstfaser, Holz und Leder zur Wahl. Sie gleichen die Kameraerhebung aus, halten gut und bescheren in Sekunden einen neuen Look. Der Kameraaufsatz bietet eine eigene 12-MP-Kamera mit Teleobjektiv (4,5 bis 45 mm) und Auslöse- bzw. Zoom-Knopf – aber ohne eigenen Akku. Damit können auch so etwas wie Porträtfotos gemacht werden, was mit dem Weitwinkel einer normalen Handykamera nicht gelingt. Der Aufsatz sieht aus wie eine der Länge nach halbierte Kompaktkamera, erzeugt aber nicht deren volle Bildqualität. Ohne Aufsatz übrigens macht das Handy teilweise Spitzenfotos (v.a. im Nachtmodus), zeigt aber Schwächen im Detail bei viel Licht.

Der Projektor versorgt sich eine ganze Stunde selbst mit Strom und wirft in abgedunkelten Räumen ein nutzbares Bild an die Wand. Die Herstellerangabe von maximal 180 cm diagonal empfehlen wir aber nicht auszureizen. Haarig bei dieser Komponente: der Preis von 349 Euro. Deutlich günstiger (99 Euro) ist der andockbare Doppellautsprecher von JBL, der viel Bass bringt und einen guten Sound erzeugt. Seine Energiereserven halten bis zu zehn Stunden. Last but not least: das von Incipio gelieferte Akkupack, welches 2.220 mAh zusätzlich bereitstellt und 89 Euro kostet.

Über was noch nicht sehr laut gesprochen wird, aber durchaus denkbar wäre, ist die Benutzung der Schnittstelle für bestimmte ­Businesstools wie einen Kreditkartenleser oder spezielle Scan-Werkzeuge.

Schön innen und außen

Genug der Gadgets, kommen wir zum Telefon selbst. Das Gehäuse ist perfekt verarbeitet, die Materialien Glas und Metall sind so hochwertig eingesetzt wie das Slim-Design reizvoll: So schlank (5,2 mm) war noch kein Top-Phone. Das 2K-AMOLED-Display ist zwar ­gemessen nicht sehr hell, leuchtet aber so farbintensiv, dass man subjektiv nichts bekritteln kann. Der Fingerprint-Scanner darunter funktioniert gut und lässt auf Druck hin den Bildschirm auch wieder entschlafen – man muss sich also nicht seitlich an den Tasten zu schaffen machen. Bevor man abtaucht ins Innere: Einen Klinkenstecker gibt es bei diesem Gerät nicht mehr – dafür ist es offensichtlich zu dünn und zu vollgepackt. Ein Adapter liegt bei, um normale Kopfhörer an den USB-C-Anschluss zu stöpseln. Laden und Musikhören gleichzeitig geht aber nicht mehr.

Innen geht es so hochklassig weiter, wie es draußen begann: Snapdragon 820 mit 4 GB RAM, dazu WLAN ac und die Adreno 530 GPU – im Grunde alles wie beim S7 von Samsung. Durch die Dichte im Gehäuse gibt es aber etwas mehr Wärmeentwicklung zu verzeichnen. Die großen Verbraucher (hochauflösendes 5,5-Zoll-Display und starker Prozessor) gehen mit dem 2.600-mAh-Akku nicht schonend, aber maßvoll um. Die Ladezeiten hingegen haben Sprinter-Niveau: 34 Minuten bis 50%, 80 Minuten bis 100% Ladestand.

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Fazit

Das Moto Z ist eines der schönsten, stärksten und dank der Mods innovativsten Smartphones auf dem Markt. Der Preis ist dementsprechend hoch – bei den Mods fast zu hoch.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.

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