Report: Das alles kann Android N (1/2)

Martin Reitbauer 27. MĂ€rz 2016 3 Kommentar(e)

FrĂŒher als angenommen beglĂŒckt uns Google in diesem Jahr mit einer Vorschau der kommenden Android-Version. Die Installation der Firmware ist fĂŒr Nexus-Besitzer nun bedeutend einfacher.

Eigentlich hatten wir mit der „Developer Preview“, wie Google die Vorschauversionen seiner jeweils neuesten Android-Iteration nennt, erst im Mai gerechnet. Traditionell wird das neue Betriebsystem schließlich auf der Entwicklerkonferenz Google I/O in vorgestellt, die in diesem Jahr nahe den Headquarters in Mountain View, Kalifornien stattfinden soll. Dass der Suchmaschinen-Riese die erste Vorschau nun zwei Monate vorverlegt hat, soll uns aber nur recht sein.

Die Veröffentlichung beendet die Spekulationen in zwei Bereichen: Erstens bleibt uns der „App-Drawer“ allen GerĂŒchten zum Trotz erhalten. Die Gesamtheit der installierten Apps findet sich also nach wie vor in einem eigenen Bereich, anstatt per Icon ausschließlich auf den Home-Screens zu landen, wie das bei iOS und den Android-OberflĂ€chen von chinesischen Herstellern der Fall ist.
Zweitens kommt es zumindest vorerst nicht zu einer Verschmelzung von Android und Googles Desktop-Betriebssystem Chrome OS – so sehr dies auch wĂŒnschenswert und zeitgemĂ€ĂŸ wĂ€re.

Schnelleres Multi-Tasking

Wer Android gerne zur Arbeit nutzt, hat dennoch Grund zur Freude: Eine Multi-Window-Funktion erleichtert die parallele Nutzung von mehreren Apps. So kann man etwa im linken Fenster einen Text im Browser lesen und Teile davon eine Mail ĂŒbertragen. Insbesondere Besitzer von Tablets fĂŒr den Arbeitsgebrauch wie Pixel C oder Nexus 9 profitieren davon.

Bessere Benachrichtigungen

Die zweite große Änderung betrifft das Benachrichtigungssystem. Android N schafft durch eine ĂŒberarbeitete Darstellungsform mehr Übersicht – mehrere Mitteilungen der selben App werden gruppiert dargestellt und Nachrichten erlauben nun mehr Interaktion. So kann man etwa direkt in der Benachrichtigung auf Chat-Nachrichten antworten oder eine allzu „gesprĂ€chige“ App direkt dort stumm schalten.

BeschrÀnkt alltagstauglich

Da es sich dieses Mal um eine frĂŒhere Preview handelt, ist die Software weniger stabil als die Marshmallow-Preview des Vorjahres. Wer Android N im Alltag nutzen will, muss den einen oder anderen HĂ€nger und vereinzelte TotalabstĂŒrze mit erzwungenem Neustart verschmerzen. Außerdem sind Apps aus dem Play Store noch nicht fĂŒr die neue API-Version gebaut und reagieren ihrerseits teils mit AbstĂŒrzen oder eingeschrĂ€nkter FunktionalitĂ€t.

Die Situation sollte sich aber kontinuierlich verbessern – Google hat monatliche Updates fĂŒr die Preview versprochen, die finale Version soll im dritten Quartal erscheinen.
Auf den folgenden Seiten beschreiben und bewerten wir die wichtigsten neuen Features von Android N. finden Sie eine Installationsanleitung, die dieses Mal um einiges kĂŒrzer ausfĂ€llt: Besitzer von Nexus-GerĂ€ten im Preview-Programm (also alle ab Nexus 6) können nun sehr einfach per Internet (OTA) auf die Vorschauversion wechseln, wobei sogar die Nutzerdaten erhalten bleiben. FĂŒr Ă€ltere Nexus-GerĂ€te wie Nexus 4 und Nexus 5 steht die Preview leider nicht zur VerfĂŒgung.

Die Neuerungen im Detail:

Bequemeres Wechseln zwischen den letzten Apps

Was auf dem PC die Kombination ALT+TAB macht, erledigt unter Android nun die Multitasking-Taste: Ein Doppeltipp und die Ansicht wechselt in die jeweils zuletzt angezeigte App. Google erfĂŒllt damit einen lange gehegten Wunsch der Community. Außerdem lassen sich die letzten Apps nun mit einzelnen Tipp auf den Button StĂŒck fĂŒr StĂŒck durchwechseln – bisher musste man dafĂŒr auf dem Bildschirm ĂŒber die gestaffelten Karten wischen.

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Die Kartenansicht der zuletzt benutzten Apps bleibt beinahe gleich – das geĂ€nderte Verhalten des Multitasking-Buttons bringt aber deutliche Zeit- und Komfortgewinne.

Drag & Drop mit Texten

Das Bearbeiten von Texten soll in Android N einfacher werden: Der Nutzer kann selbst getippte Texte in Textfeldern markieren, mittels langem Antippen in eine neue Position ziehen und einfĂŒgen. Allerdings funktioniert das eben nur mit selbst eingegebenen Texten – nicht mit Textpassagen aus dem Browser. Zweitens ist beim EinfĂŒgen der Cursor unter dem Finger schwer zu sehen und es ist nicht möglich, den Text in einen Bereich außerhalb der aktuellen Anzeige zu ziehen. In der derzeitigen Form hĂ€lt sich der Nutzen also in Grenzen.

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Multi-Window – Fenster auf fĂŒr Android N

Mit der EinfĂŒhrung eines Multi-Window-Modus in Android N reagiert Google auf die Kritik an seinem Tablet-Laptop-Hybriden Pixel C, der dieses Feature im Gegensatz zur Tablet-Konkurrenz von Apple (iPad pro) und Microsoft (Surface) vermissen lies.

Arbeiten wie auf dem Desktop – das geht nur mit einer vernĂŒnftigen Fensterverwaltung. In den Android-Derivaten von Samsung und Co. ist eine Split-Ansicht daher auch schon seit lĂ€ngerem verfĂŒgbar. Die neue Mehrfensterfunktion von Android N wird ĂŒber einen langen Fingertipp auf den den Multitasking-Button aktiviert. Dabei wandert die aktuell geöffnete App in die obere (bzw. im Querformat: linke) HĂ€lfte. In der anderen öffnet sich die gewohnte gestaffelte Übersicht der letzten geöffneten Apps – wĂ€hlt man eine aus, wird sie in der zweiten BildschirmhĂ€lfte angeheftet. Alternativ kann man zu Auswahl der zweiten App auch zurĂŒck in den Homescreen bzw. den App-Drawer wechseln. In unseren Versuchen funktionierte der Split-Screen mit allen Apps – Entwickler können die Anzeige ihrer App in der Multi-Window-Ansicht in Zukunft aber auch unterbinden, wenn sich die App dafĂŒr nicht eignet.
Raumteiler Das GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnis der beiden Bildschirmteile lĂ€sst sich ĂŒber einen Schieber in der Mitte einstellen. Weitere Einstellungsmöglichkeiten gibt es nicht. Nur GerĂ€te auf Basis von Android TV (wie der Nexus Player) erhalten eine Bild-in-Bild-Funktion.

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Auf kleinen Handy-Bildschirmen wird die Split-Screen-Ansicht wohl ein MinderheitsphĂ€nomen bleiben, auf dem Tablet erleichtert sie viele Aufgaben enorm. Mittels eins Sliders (Bildmitte) lĂ€sst sich der Platzanteil der beiden Apps anpassen. App-Hersteller können fĂŒr die Fenster aber auch MindestgrĂ¶ĂŸen definieren, die mit dem Slider nicht unterschritten werden können.

Neue Benachrichtigungen – Mehr Übersicht, schnelle Interaktion

FĂŒr Android N hat Google den Benachrichtigungsbereich grundlegend ĂŒberarbeitet. App-Icons treten in den Hintergrund, mehrfache Nachrichten einer App werden gesammelt angezeigt.

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Neben Multi-Window ist die Benachrichtigungsleiste die zweite große Neuerung in Android N. Der Bereich kommt nun deutlich nĂŒchterner und recht textlastig daher. War unter Lollipop noch jeder Eintrag von einem großen Icon auf der linken Seite dominiert, findet sich dieses unter Android N viel kleiner auf der rechten Seite. Die einzelnen Benachrichtigungen sind nur mehr durch feine Linien getrennt und nehmen die ganze Bildschirmbreite ein.

Gruppen und Inline-Reply

Die neue Benachrichtigungsleiste soll auf einen Blick alles Wesentliche prĂ€sentieren. Daher werden mehrfache EintrĂ€ge einer einzelnen App in eine Zeile gruppiert, die bei Bedarf mittels Fingertipp auf den Zeilenkopf expandiert werden kann. Die SchaltflĂ€che dafĂŒr ist allerdings so schmal geraten, dass man schnell daneben tippt und so versehentlich die dazugehörige Anwendung öffnet. Hersteller von Kommunikations-Apps können in ihrer Anwendung jetzt vorsehen, dass der Nutzer Nachrichten direkt in der Benachrichtigung beantworten kann (Inline Replies). Derzeit funktioniert das zum Beispiel mit Google Hangouts. WhatsApp, Facebook Messenger und Co werden die Funktion wohl bald einbauen.

Quick Toggles

Musste man bisher zweimal (oder mit zwei Fingern) von der oberen Bildschirmkante wischen, um die Schnelleinstellungs-Kacheln anzuzeigen, findet man eine Auswahl davon nun gleich in der obersten Zeile. Welche das sind, lÀsst sich frei festlegen.

Hier geht’s zur Fortsetzung!

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsĂ€chlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschĂ€ftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit fĂŒr einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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