Das Honor 9 im androidmag-Test

11. August 2017 Kommentare deaktiviert für Das Honor 9 im androidmag-Test Kommentar(e)

Kurze Zeit nach dem Honor 8 Pro wirft Honor schon den Nachfolger auf den Markt. Wir haben uns das Smartphone genauestens angesehen und verraten, ob sich der Kauf lohnt.

In mittlerweile regelmäßigen Abständen lädt Honor zu Pressekonferenzen, um die jeweils neueste Errungenschaft zu präsentieren. Anfang April waren wir noch in Berlin vor Ort, um das Honor 8 Pro erstmals in Händen halten zu können. Nicht einmal drei Monate später folgte die nächste Einladung in die deutsche Bundeshauptstadt. Der Star diesmal: Das Honor 9. Drei Monate zwischen zwei Neuvorstellungen sind alles andere als üblich, zeigt aber, wie ambitioniert die Huawei-Tochter den Markt erobern will. Dabei stellen sich zwei Fragen: Was kann das Honor 9? Und gräbt sich der Hersteller so nicht selbst das Wasser ab? Wir haben die Antworten gesucht und gefunden.

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Honor oder Huawei?

Wir könnten an dieser Stelle unseren Test des Huawei P10 kopieren – und Sie würden wahrscheinlich kaum merken, dass es sich beim Honor 9 um ein eigenständiges Gerät handelt. Warum? Weil sich die beiden Smartphones in vielerlei Hinsicht ähneln, der Unterbau ist zu großen Teilen sogar komplett identisch. Honor packt ebenfalls den Kirin 960 (gefertigt von Huawei) in das neue Flaggschiff, flankiert von 4 oder 6 GB RAM. Abhängig vom Arbeitsspeicher stehen Ihnen 64 oder 128 GB Festspeicher zur Verfügung. Das ist ein doch erheblicher Fortschritt zum Anfang des Jahres vorgestellten P10, das bekanntlich „nur“ mit 4 GB RAM/64 GB Speicher erhältlich ist. Im Labortest schnitt dennoch das Huawei-Topmodell besser ab, wenngleich nur marginal. Die Benchmark Ergebnisse des Honor 9 liegen konsequent vier bis sechs Prozentpunkte unter den Ergebnissen des Schwestermodells des gemeinsamen Mutterkonzerns. Im Alltag fällt das aber nicht auf, das Honor 9 läuft stets flüssig und hat auch mit leistungsintensiven Anwendungen keinerlei Schwierigkeiten.

Ungewöhnliche Displaygröße

Beim Display zeigt sich ein ähnliches Bild. Das IPS-LCD-Panel des Honor 9 misst 5,15 Zoll Zoll in der Diagonale, das des P10 5,1 Zoll. Die Auflösung: 1.920 x 1.080 Pixel, die daraus resultierende Pixeldichte liegt bei anständigen 428 ppi. Puncto Helligkeit liegt das Display des Honor 9 im gehobenen Mittelfeld, zur Speerspitze fehlt allerdings ein gutes Stück. Auch im Freien lassen sich die Inhalte aber noch ablesen, dahingehend gibt es keine Kritikpunkte.

Gleiches gilt für Optik und Verarbeitung. Das Honor 9 präsentiert sich, abgesehen von der schicken Rückseite, recht unspektakulär. Anders als Samsung oder HTC verzichtet der Hersteller auf großartige Innovationen, man verlässt sich vielmehr auf Altbewährtes. Das muss nicht schlecht sein, im Gegenteil: Das Honor 9 ist mit einer Hand leicht zu fassen, vermittelt einen wertigen Eindruck und wirkt auch durchaus robust. Allerdings: Die Rückseite zieht Fingerabdrücke beinahe magisch an. Aluminium kommt nämlich nur beim seitlichen Rahmen oberflächig zum Einsatz, die Rückseite ist aus Glas und darunter ebenfalls Aluminium gefertigt. Die Lichteffekte bei direkter Einstrahlung machen was her, die fettigen Flecken trüben die Optik allerdings.

Akku: Nur auf dem Papier stark

Auch nicht überzeugen konnte der Akku. Zwar wirkt eine Nennkapazität von 3.200 mAh auf dem Papier mehr als ausreichend, die Abstimmung mit Software und Hardware dürfte aber nicht hundertprozentig gelungen sein. In allen relevanten Tests, also Laufzeit Video oder 3D-Rendering, positionierte sich das Honor 9 im geschlagenen Feld, teilweise sogar unter dem Durchschnitt aller getesteten Geräte. Rund zehn Stunden surfen sind zwar kein Problem, danach ist aber Schluss. Mit ähnlichen Problemen kämpfte allerdings auch schon das Honor 8 Pro. Das Huawei P10 schneidet da in den meisten Kategorien doch deutlich besser ab. Insgesamt geht die Akku-Laufzeit gerade noch in Ordnung, wer Wert auf einen ausdauernden Begleiter legt, wird mit dem Honor 9 aber wohl nicht besonders glücklich.

Standard-Ausstattung

Wenden wir uns den Extras zu. Zu erwähnen gibt es hier allerdings nicht viel, der niedrige Preis bedingt eine recht rudimentäre Ausstattung. Heißt: Im Gegensatz zu Samsung, LG oder HTC verzichtet Honor auf Spielereien. Gewohnt zuverlässig arbeitet der Fingerprintsensor, eine der Stärken von Huawei-Modellen – und demnach auch bei Honor. War der Sensor bei den Vorgängermodellen noch an der Rückseite angebracht, wandert er beim Honor 9 auf die Vorderseite. Die nächste Anleihe am Huawei P10. Ob das als positiv oder negativ betrachtet wird, muss jeder Käufer für sich selbst entscheiden, seine Aufgabe verrichtet der Fingerprintsensor auf jeden Fall tadellos. Der Homebutton hat keinen Druckpunkt, Honor setzt auf eine kapazitive Taste in der Mitte, flankiert von zwei versteckten, ebenfalls kapazitiven Tasten links und rechts davon.

Brauchbare Dual-Kamera

Rückseitig verbaut der Hersteller eine Dual-Kamera, an der Vorderseite sitzt eine einzelne Linse mit 8 MP für Selfie-Aufnahmen. Die Qualität der Frontknipse geht in Ordnung, kann aber naturgemäß nicht mit der der Hauptkamera mithalten. Generell verdient die rückseitige Kamera Lob. Bevor wir ins Detail gehen, führen wir die nackten Daten an. Honor setzt auf einen 12 MP-RGB-Sensor, dem unterstützend ein 20 MP-Monochrom-Sensor zur Seite steht. Anders als beim Huawei-Flaggschiff fehlt der „Leica“-Schriftzug. Die fehlende Unterstützung durch die deutschen Kamera-Spezialisten merkt man auch, die Knipse kann nicht mit der Oberliga mithalten, sondern siedelt sich im guten Mittelfeld an. Gerade bei hohem Zoomstufen und in den Details lässt sich ein leichtes Bildrauschen nicht bestreiten, bei einer guten Ausleuchtung ist das aber noch absolut im Rahmen. Die Software greift teils aber recht stark ein, was eben zur Folge hat, dass einzelne Schärfen verschwinden. Noch deutlicher zeigt sich dieses Manko bei schlechten Lichtverhältnissen: Dann hilft auch die softwareseitige Nachbearbeitung nichts mehr, im Gegenteil gehen dadurch sogar noch mehr Details verloren. Außerdem fehlt ein optischer Bildstabilisator. Zusammengefasst: Die Kamera liefert brauchbare Ergebnisse und geht qualitativ auch angesichts des günstigen Preises des Geräts in Ordnung. Zu unseren Ranglisten-Ersten rund um das HTC 11 und das Samsung Galaxy S8 fehlt aber doch ein deutlich Stück.

Emotion UI

Abschließend noch einige Zeilen zur Software. Als Unterbau dient Android 7.0, überzogen mit EMUI 5.1, der hauseigenen Oberfläche von Huawei. Die ist gewohnt einfach gestaltet. So gibt es beispielsweise kein eigenes App-Menü, der Nutzer kann lediglich nach links oder rechts wischen. Zur besseren Übersicht lassen sich Apps in Ordnern gruppieren, werkseitig ist das beispielsweise für die zahlreichen Anwendungen von Google oder für diverse Top-Apps (Instagram, eBay, Tripadvisor und mehr) voreingestellt. Dazu gesellen sich noch diverse vorinstallierte Anwendungen des Herstellers, beispielsweise eine eigene Gesundheits-App oder ein eigener App-Store für Spiele, genannt „HiGame“. Das stört nicht weiter, ist aber sicherlich nicht jedermanns Sache – auch, weil so zusätzlicher Speicherplatz verschwendet wird. Die gute Nachricht: Ein Teil dieser Tools lässt sich deinstallieren.

Abgesehen davon haben wir nichts zu kritisieren, die Oberfläche ist gewohnt einfach zu bedienen, was vor allem Umsteiger von anderen Systemen freuen dürfte. In Sachen zusätzlicher Funktionen lässt sich Honor unabhängig davon nicht lumpen: Schon in der Benachrichtigungsleiste finden sich einige praktische Features, unter anderem ein spezieller Lesemodus für das Display, der Blautöne rausfiltert und die Augen vor allem abends schonen soll. Außerdem an Bord: Eine Video­aufnahmefunktion für den Bildschirm, mit der Sie abfilmen können, was Sie am Gerät machen. Der Ultra-Stromsparmodus wiederum hilft Ihnen dabei, mit wenig Akku über die Runden zu kommen. Und mit „MirrorShare“ übertragen Sie den Bildschirminhalt auf kompatible Geräte.

Eigener Feind?

Bleibt noch die eingangs gestellte Frage offen: Tut sich Honor einen Gefallen damit, den Markt in derart kurzen Abständen mit neuen Geräten zu fluten? Ja und nein. Einerseits ist die Auswahl für den Endkunden natürlich angenehm groß, Sie haben quasi die Qual der Wahl. Andererseits birgt das natürlich die Gefahr, dass sich Modelle wie das Honor 9 schlechter verkaufen, weil sich mit dem Honor 8, dem 8 Pro oder der Lite-Serie von Huawei sehr ähnliche Geräte in gleichen leistungstechnischen und preislichen Gefilden positionieren. Zudem wurde vor Redaktionsschluss bekannt, dass das Honor 9 Pro schon in den Startlöchern steht – mit minimal besserer Hardware und einem etwas höheren Preis. Die Zukunft wird zeigen, ob das Konzept aufgehen kann.

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Fazit

Das Honor 9 ist abermals um Nuancen besser als der Vorgänger, sucht allerdings nach einem Alleinstellungsmerkmal. Wer ein solides Smartphone zum attraktiven Preis sucht kann aber beruhigt zugreifen.

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oliver

Oliver Janko   Redakteur

Studiert in Wien und schreibt Reportagen, Tests und Reviews für die Printausgaben des Verlags. Bei Fragen – Facebook, Google+ und Co. sind allzeit bereit.

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