Das Nokia 6 – the big comeback

Peter Mußler 24. August 2017 Kommentare deaktiviert für Das Nokia 6 – the big comeback Kommentar(e)

Nokia war der mit Abstand größte Hersteller von Mobiltelefonen in den sogenannten Nullerjahren. Dann riss in der Smartphone-Ära der Erfolg ab. Jetzt steht ein Comeback-Versuch an.

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Falls Sie nicht so jung sind, dass Ihnen Nokia gar nichts mehr sagt, sollten Sie sich fragen, was Sie mit diesem Namen verbinden. Handys? Okay, das ist richtig, schließlich beherrschten die Finnen mit ihren Produkten den Weltmarkt für Mobilfunktelefone ganze zehn Jahre lang; in den Kernjahren beinahe wie ein Quasi-Monopolist, der der vermeintlichen Konkurrenz rein aus Güte ein paar Krumen vom Brot überließ. Aber was fällt Ihnen abseits der Dominanz zu dieser Marke ein? Was genau assoziieren sie mit den Produkten? Lassen Sie mich raten: Snake (das berühmte Spiel, mit dem fast jedes Nokia aufwarten konnte), fantastische Akkustandzeiten (die Legende von zwei Wochen ununterbrochener Nutzungsdauer bei manchen Modellen hält sich hartnäckig), eine allgemein robuste Natur (Was, auch Ihnen fiel das Handy ins Wasser und sie haben es anschließend im Backofen bei 80° C wieder trockengebrütet?) und natürlich „Didel-da-da Didel-da-da Didel-da-da-daa“ – die wohl berühmteste Klingelmelodie der Welt, der Nokia-Tune.

Nach dem Verkauf der Mobiltelefonsparte 2013 ist Nokia nach vierjähriger Abstinenz nun zurück in den Läden – natürlich mit smarten Produkten. Wie smart und was von alten Tugenden blieb, klärt dieser Test des aktuellen Spitzenmodells mit der schlichten Bezeichnung 6.

Alukleid und Top-Verarbeitung

Gleich beim Auspacken fällt eines auf: Hier gibt es viel „Building Quality“ fürs (wenige) Geld. Das Gehäuse ist makellos, das Gerät gerade so schwer, dass es Solidität vermittelt, aber noch nicht Übergewicht. Das kennt man so von alten Mercedes-Limousinen und gefällt dort wie hier. Der Klopftest gestaltet sich so befriedigend wie bei keinem anderen Gerät: Der Aluminium-Body (kein Unibody!) scheint randvoll mit Technik angefüllt zu sein – nichts vibriert, Hohlgeräusche sind auch nicht zu vernehmen.

Durchschnittliches FullHD-Display

Kommen wir zur Vorderseite. Das Glas über dem 5,5-Zoll-Display weist Spuren einer Krümmung an den Rändern auf. Ob man deshalb von einem 2,5D-Design sprechen sollte? Sagen wir so: Der Bildschirm liegt nicht einfach nur plan versenkt im Gehäuse. Die Fingerspitzen vernehmen einen abgerundeten Grenzbereich hin zur Alukante. Der „Schwarzbereich“, also die unbeleuchtete Frontfläche, ist entgegen dem Trend sehr groß. Wo es leuchtet, macht es das aber weder besonders hell, noch besonders schwach. Dafür lässt sich die Helligkeit fein regeln, so dass man auch im Dunkeln die richtige Einstellung fürs Lesen findet.

Minimalistische Taktung

Im Inneren des Nokia 6 führt ein Snapdragon 430 das Regiment. Der Achtkern-Chip ist mit 1,4 GHz gemütlich getaktet, die Ergebnisse des Leistungstests sprechen eine eindeutige Sprache: Die Performance ist mittelklassig. Bei einem Gerät mit einem Einführungspreis von 249 Euro ist das aber nur opportun. Zu behaupten, dass man die besagte Gemütlichkeit nicht spüre, wäre gelogen. Ob sie stört, hängt vom Nutzerverhalten ab.

Auf Speicherseite bietet das 6 neben den ­3 ­GB ­(bzw. 4 GB bei der Arte Black Edition für 299 Euro) RAM brauchbare 32 (bzw. 64) GB zur Archivierung. Per SD-Karte lässt sich dieser Speicherplatz um 128 GB ausbauen.

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Gute Kamera, mäßige Standzeiten

Nokias erste Smartphone-Kamera löst mit 16 Megapixeln auf. Diese hohe Zahl wird auch zu detailreichen Bildern umgemünzt. Schwächen zeigen sich dadurch (fast zwangsläufig) bei wenig Licht. Alles in allem gefiel das Ergebnis aber so gut, dass wir beinahe die Bestnote gaben.

Beim Akku ist das Nokia durch ein schweres Erbe belastet. So lange wie die alten Feauture-Phones hält ein smartes Gerät nicht durch. Etwas mehr als die durchschnittlichen Laufzeiten haben wir uns aber vom 3.000 mAh-Akku und der sparsamen Hardware doch erwartet. Auch die 3 Ladestunden von 0 auf 100% enttäuschten.

Auf Ausstattungsseite gibt es den Fingerabdrucksensor zu vermelden, der einen „neuen Finger“ zunächst auf 20 Positionen vermisst, bevor er ihn als Schlüssel akzeptiert. Dann verläuft das Entsperren aber reibungslos und schnell. WLAN ac gibt es nicht und prozessorbedingt auch keine besonderes schnellen LTE-Kanäle (maximal 150 Mbit/s im Download). Schmerzlicher vermisst man den USB-C-Port. MicroUSB wirkt einfach schon ein bisschen altbacken. Leider fehlt beim Comeback auch „Snake“ als vorinstallierte App. Dafür gibt es immerhin den Nokia-Tune. Aaah…

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.

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