Samsung Galaxy S6 im Test

Martin Reitbauer 26. MĂ€rz 2015 0 Kommentar(e)
Samsung Galaxy S6 im Test Androidmag.de 5 5 Sterne

Das neue Flaggschiff-­GerĂ€t des MarktfĂŒhrers bricht mit einer Reihe von Samsung-Traditionen: Alu und Glas lösen das gewohnte Plastik ab, Wechsel-Akku und ­Speicherkarte fallen weg. Das Gesamtpaket ĂŒberzeugt dennoch auf der ganzen Linie.

S6_main

GeneralĂŒberholung

fĂŒr das Flaggschiff

Im Vorfeld der S6-Vorstellung am Mobile World Congress hatten die Töpfe der GerĂŒchtekĂŒche mĂ€chtig gebrodelt. Von multifunktionalen Covers war da die Rede, die das S6 bei Bedarf zur WĂ€rmebildkamera, zum BlutzuckermessgerĂ€t oder zum eBook-Reader mit E-Ink-Display machen sollten. Ein Iris-Scanner sollte es berĂŒhrungslos entsperren. Und das GehĂ€use sollte nun durch und durch aus Metall bestehen. Mit den ersten realistischen Foto- und Spec-Leaks, die zwei Wochen vor der PrĂ€sentation die Runde machten, kam es aber anders – und schon recht nahe an das heran, was wir nun wissen: Das Galaxy S6 sieht sowohl innen als auch außen völlig anders aus als seine VorgĂ€nger. Das prĂ€sentierte GerĂ€t spaltet Fangemeinde und Fachpresse: Am neuen Design aus Metall und Glas stört sich zwar niemand, doch die Kompromisse, die Samsung dafĂŒr eingehen musste – der Wegfall von Wechsel-Akku und Speichererweiterung per microSD – gehen fĂŒr viele Samsung-Fans zu weit.

Schlanker, flacher, leichter: Trotz Metallrahmen bringt das S6 exakt 6 Gramm weniger auf die Waage als sein VorgÀnger. Auch die Breite und Dicke wurden reduziert.

Schlanker, flacher, leichter: Trotz Metallrahmen bringt das S6 exakt 6 Gramm weniger auf die Waage als sein VorgÀnger. Auch die Breite und Dicke wurden reduziert.

Leichtmetall und Glas

Den Ruf, „Plastikbomber“ zu produzieren, schĂŒttelt Samsung StĂŒck fĂŒr StĂŒck ab. Schon das im Herbst prĂ€sentierte Galaxy Note 4 und das als „iPhone 5S-Killer“ konzipierte Galaxy Alpha hatten schon einen Rahmen aus Aluminium, behielten im Gegensatz zum S6 aber den abnehmbaren RĂŒckdeckel bei, der fĂŒr freien Zugang zu Wechsel-Akku und microSD-Slot sorgte. Beim S6 bedeutet der neue Alu-Rahmen eine besonders große optische und haptische Aufwertung, war das GehĂ€use des VorgĂ€ngers S5 an dieser Stelle doch von ganz exquisit hĂ€sslicher, billig glĂ€nzender Chrom­Optik geprĂ€gt. Neben Aluminium – zur Verwendung kommt die besonders harte Legierung vom Typ 6013, was den Rahmen kratzfester und das ganze GerĂ€t stabiler machen soll – steht ein fĂŒr Samsung zweites neues GehĂ€use-Material: Glas.

Ich seh‘, ich seh‘ ... ein iPhone: Samsung nimmt ganz offenkundige Anleihen beim Design des iPhone 6: Die dezent gerundeten Ecken, der Rahmen, der Lautsprecher.

Ich seh‘, ich seh‘ … ein iPhone: Samsung nimmt ganz offenkundige Anleihen beim Design des iPhone 6: Die dezent gerundeten Ecken, der Rahmen, der Lautsprecher.

Die RĂŒckseite ist vom selben kratzfesten Gorilla Glas 4 geschĂŒtzt wie das Display-Panel an der Vorderseite. Das neue Aluminiumsilikat-Glas bringt neben erhöhter Kratzfestigkeit auch grĂ¶ĂŸere Bruchsicherheit. Eine unwillkommene Neuerung sind allerdings die FingerabdrĂŒcke, die die glĂ€serne RĂŒckseite unweigerlich anzieht, der schlechte Eindruck verstĂ€rkt sich noch durch die blass gefĂ€rbten, metallisch glĂ€nzenden Folien, mit denen die glĂ€sernen Partien hinterlegt sind. Ein weiterer Nachteil der neuen Bauweise ist die geringere Dichtheit: War der VorgĂ€nger noch wasser- und staubdicht nach IP67, ist das S6 gegen diese beiden Elemente ungeschĂŒtzt. Der fummeligen, dichten Port-Abdeckung des S5 werden wenige Nutzer nachweinen, UnfĂ€lle am Pool oder in der Badewanne darf man sich nun nicht mehr leisten.

Immerhin ist das GehĂ€use aber um einen guten Millimeter flacher, zwei Millimeter schlanker und sieben Gramm leichter geworden. Mit einem Gewicht von 138 Gramm ist das S6 zwar 9 Gramm schwerer als das iPhone 6, aber leichter als die Android­-Konkurrenz von Sony (Xperia Z3: 152 g) , LG (G3: 149 g) und HTC (One M9: 157 g). Zum geringeren Gewicht trĂ€gt ein geschrumpfter Akku bei, der nun nur noch 2550 mAh fasst – statt 2800 beim S5. Auswirkungen auf die Laufzeit konnten wir in der Testzeit keine feststellen. Ein veritabler Vorteil ist die neue Schnellladefunktion, die den leeren Akku schon nach zehn Minuten genug fĂŒllt, um wieder zwei Stunden HD Video abspielen zu können. Das flache GehĂ€use wird nur von einem Element ĂŒberragt: Dem Kamera-Modul auf der RĂŒckseite. Der Linsenaufbau lĂ€sst sich einfach nicht auf das Niveau der RĂŒckseite verflachen.

Betatschen erwĂŒnscht: Zum Entsperren reicht es nun, einen Finger kurz auf den Home-Button zu legen - wie beim iPhone.

Betatschen erwĂŒnscht: Zum Entsperren reicht es nun, einen Finger kurz auf den Home-Button zu legen – wie beim iPhone.

Mehr zur Kamera spĂ€ter, wir wechseln auf die Vorderseite: Samsung bleibt der AMOLED-Technik treu, dreht aber deutlich an der Leistungsschraube. Das Panel löst nun mit QHD (2560×1440 Pixel) auf und bietet auf der (im Vergleich zum VorgĂ€nger unverĂ€nderten) Diagonale von 5,1 Zoll eine Pixeldichte von 577 ppi – mehr als der bisherige Spitzenreiter LG G3 (538ppi) und die restliche Android-Konkurrenz, vom iPhone 6 (326 ppi) ganz zu schweigen. Die Darstellung ist dementsprechend gestochen scharf – in Alltagssituationen wird aber wohl kaum ein Anwender den Unterschied zum Galaxy S5 (432 ppi) bewusst wahrnehmen. Lediglich beim Einsatz in VR-Brillen (wie der ­parallel vorgestellten Gear VR, in die sich das S6 einspannen lĂ€sst), profitiert der Anwender von so hohen Pixeldichten. FĂŒr jeden Nutzer von Vorteil ist dagegen die deutlich erhöhte Helligkeit des S6 AMOLED-Panels. Bei automatischer Helligkeitsregelung (die zwischenzeitlich höhere Helligkeit erlaubt als bei manueller Einstellung) wurden bis zu 784 Candela / mÂČ gemessen – das ist heller als alle anderen Smartphones am Markt und bei grellem Sonnenlicht von großem Nutzen. Zum Vergleich: Das fĂŒr sein helles Display weithin gelobte Sony Xperia Z3 kam in Messungen „nur“ auf maximal 630 cd/mÂČ.

Die ĂŒbrigen QualitĂ€ten des Bildschirms sind AMOLED-typisch: Er zeigt krĂ€ftige Farben und weist ausgezeichnete Schwarzwerte auf.

Metallrahmen extra hart: Die Aluminiumlegierung 6013, die Samsung beim Rahmen des S6 einsetzt ist steifer und kratzfester als „gewöhnliches“ Aluminium.

Metallrahmen extra hart: Die Aluminiumlegierung 6013, die Samsung beim Rahmen des S6 einsetzt ist steifer und kratzfester als „gewöhnliches“ Aluminium.

Aufgewertete Kameras

Samsungs S-Serie steht spĂ€testens seit dem Galaxy S4 im Ruf, mit guten Kameras ausgestattet zu sein. Das S6 behĂ€lt die Auflösung von 16 MP bei, die Knipse wurde aber in mehrerer Hinsicht aufgewertet: Samsung hat einen optischen Bildstabilisator spendiert und die maximale Blendenöffnung auf f 1/1.9 erhöht. Eine Tracking-Funktion hĂ€lt bewegte Objekte kontinuierlich im Fokus, wenn man sie per Fingertipp markiert. Außerdem laufen einige Prozesse der Kamera-App nun permanent im Hintergrund, um diese im Bedarfsfall schneller zu starten. Aufgerufen wird die Kamera nun auch per Doppeltipp auf den Home-Button. Das funktioniert sogar dann, wenn eine Bildschirmsperre eingestellt ist (der Nutzer kommt in diesem Fall nur in die Kamera-App und nicht weiter). Die entstehenden Fotos sind von exzellenter QualitĂ€t. Die grĂ¶ĂŸere Blende lĂ€sst mehr Licht auf den Sensor und durch den optischen Bildstabilisator werden lĂ€ngere Belichtungszeiten möglich, ohne die Bilder zu verwackeln. Beides verhilft zu besseren Bildern bei schlechten LichtverhĂ€ltnissen. Auch die SchĂ€rfe und Farbabstimmung der Fotos sind ausgezeichnet.

Eine (buchstĂ€blich) ĂŒberragende Kamera: Das Kameramodul ist eine Komponente, die wegen der Optik nicht flacher gebaut werden kann. Wie bei  etlichen Konkurrenz-GerĂ€ten ragt die Kamera deshalb ĂŒber die flache Glas-RĂŒckseite hinaus.

Eine (buchstĂ€blich) ĂŒberragende Kamera: Das Kameramodul ist eine Komponente, die wegen der Optik nicht flacher gebaut werden kann. Wie bei etlichen Konkurrenz-GerĂ€ten ragt die Kamera deshalb ĂŒber die flache Glas-RĂŒckseite hinaus.

Hardware: Viel Neues

Samsung verzichtet beim Systemchip auf das Spitzenprodukt von Qualcomm – den Snapdragon 810. GerĂŒchten zufolge sollen Überhitzungsprobleme zu dieser Entscheidung gefĂŒhrt haben. Stattdessen kommt ein 64-bit-fĂ€higer Exynos-Chip aus eigener Produktion zum Einsatz. Die ersten vier Prozessorkerne sind mit 2,1 GHz, die zweiten vier mit 1,5 GHz getaktet, 3 GB RAM stehen zur VerfĂŒgung. Ein Kommentar zur Leistung erĂŒbrigt sich fast – die Performance ist ohne Makel, was auch die Benchmark-Werte bestĂ€tigen.

Der Fingerabdrucksensor entsperrt nun schneller und bequemer

Von den Rechner-Komponenten abgesehen stechen drei neue Ausstattungspunkte hervor: Drahtloses Laden, ein ĂŒberarbeiteter Fingerabdrucksensor und Samsung Pay. Die Ladefunktion ist zwar nicht völlig neu, musste bisher aber durch einen Tausch des Akku-Deckels nachgerĂŒstet werden. Das S6 hat die Ladespule nun schon ab Werk verbaut und ist sowohl mit LadegerĂ€ten nach dem Qi-Standard kompatibel als auch mit PMA-Ladestationen (derzeit vorwiegend in den USA verbreitet). Ebenfalls nicht gĂ€nzlich neu, aber stark verĂ€ndert ist der Fingerabdrucksensor: Der Nutzer muss zum biometrischen Entsperren nun nicht mehr ĂŒber den Home-Button streichen. Wie beim iPhone reicht es jetzt, die Fingerspitze kurz aufzulegen. Ein deutlicher Komfortgewinn, denn dies kann auch einhĂ€ndig mit dem Daumen geschehen.

FĂŒr viel Aufsehen sorgte die dritte Ausstattungsneuheit: Samsung Pay, ein innovativer, mobiler Bezahlservice. Wer per App seine Kreditkarte eingetragen hat, soll im Endausbau bei NFC- und klassischen Magnetstreifenterminals berĂŒhrungslos bezahlen können, die Autorisierung ĂŒbernimmt der Fingerprintsensor. Das Problem im deutschsprachigen Raum: NFC-Terminals haben bisher nur in Österreich nennenswerte Verbreitung, Magnetstreifen-GerĂ€te sind (anders als in den USA) hingegen schon fast vom Markt verschwunden – die Karten werden seit langem per Chip ausgelesen. Samsung Pay steht und fĂ€llt hierzulande also mit der Verbreitung von NFC-Terminals.

Das Galaxy S6 in den verschiedenen Farbvarianten. Das viele Glas bringt aber auch Probleme mit sich: Die OberflĂ€chen ziehen FingerabdrĂŒcke an. Trotz Gorilla Glas ist auch die Bruchgefahr grĂ¶ĂŸer als bei Kunststoff.

Das Galaxy S6 in den verschiedenen Farbvarianten. Das viele Glas bringt aber auch Probleme mit sich: Die OberflĂ€chen ziehen FingerabdrĂŒcke an. Trotz Gorilla Glas ist auch die Bruchgefahr grĂ¶ĂŸer als bei Kunststoff.

Fazit

Das neue Samsung-Flaggschiff ist nicht fĂŒr jedermann: Der Wegfall von SD-Karten-Slot und Wechsel-Akku macht Schluss mit zwei Ausstattungsmerkmalen, die bisher als essenziell Samsung-typisch angepriesen wurden und die viele treue Kunden sehr geschĂ€tzt haben. FĂŒr lange Reisetage und große Musiksammlungen mĂŒssen diese jetzt zu Powerbanks greifen und AufschlĂ€ge von 100 bzw. 200 Euro fĂŒr die 64- oder 128 GB-Variante des S6 berappen. Belohnt werden die KĂ€ufer aber mit einem viel ansehnlicheren, hochwertig anmutendem GerĂ€t, der glĂ€nzende Kunststoff von frĂŒheren Samsung-Modellen ist Geschichte. Erfolgreich geneuert hat der Hersteller auch bei der Software  – die MenĂŒs sind ĂŒbersichtlicher, lĂ€stige Bloatware wurde auf ein ertrĂ€gliches Maß reduziert. Mit der exzellenten Kamera, dem verbesserten, schnelleren Fingerabdrucksensor und der leistungsfĂ€higen Hardware sowie den neuen Lade-Funktionen legt das Galaxy S6 der Konkurrenz die Latte sehr hoch.

daumen_hoch
Leistung, Display und Kamera top
Interessante neue Ausstattungsmerkmale

 

daumen_runter

Kein Wechsel-Akku, keine SD-Erweiterung
Nicht mehr wasser- und staubdicht

 

Aktueller Preis auf Amazon:
EUR 499,90
 
Android
5.0
5,1"
2560x1440
Gewicht
138 g
16 MP
5 MP
Kamera
32 GB
GB
Speicher
3 GB
RAM
8x
2,1/1,5 GHz
CPU



OK USB OK Audio OK GPS OK HSPA+ OK NFC OK WLAN (a,b,g,n,ac) OK Bluetooth 4.1
Abmessungen: : 143,4x70,5x6,8 (in mm - Höhe x Breite x Tiefe)

Display: 5 Sterne
Speed: 5 Sterne
Akku: 5 Sterne
Verarbeitung: 5 Sterne
Ausstattung: 4 Sterne
Design: 5 Sterne
Haptik: 5 Sterne
Kamera: 5 Sterne
Leistung:
66960
 
Grafik:
3085
 
Browser:
3553
 
Akku:
500
 
Max. 80627
Max. 4942
Max. 7176
Max. 910
Gesamtwertung: 39/40
 

GerÀtevergleich Rang 1

auf Facebook teilen auf Google+ teilen auf Twitter teilen
pic_MR_klein

Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsĂ€chlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschĂ€ftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit fĂŒr einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

Facebook Profil Google+ Profil