All you can play – Die besten Musik-Streaming-Dienste – Topliste

Peter Mußler 15. November 2015 0 Kommentar(e)

Die unendlichen Weiten der Cloud-Musik ĂŒberzeugen immer mehr Kunden und rufen damit auch neue Anbieter auf den Plan. Wir haben die angestammten Streaming-Dienste mit den Novizen verglichen.

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Wir erinnern uns: Vor ungefĂ€hr 15 Jahren war die Bereitschaft in der breiten Bevölkerung, fĂŒr Musik aus der Konserve Geld auszugeben auf ihrem vielleicht niedrigsten Stand. CDs wurden kopiert und mit Napster war der Tausch von MP3-­Dateien salonfĂ€hig und einfach geworden. Warum also zahlen, wenn man auch aus dem Internet ziehen kann?

Seit nun aber das Smartphone und schnelle Übertragungsraten unseren Alltag verĂ€ndert haben und wir alle immer und ĂŒberall das Portal zu Galaxien voller Informationen in HĂ€nden halten, hat sich auch der Anspruch verĂ€ndert und damit – Gott sei Dank! – auch die Haltung zum Bezahlen fĂŒr Musik. Viele Musikkonsumenten wollen nun nicht mehr selbststĂ€ndig nach Musik suchen, diese vielleicht von einem Medium aufs andere ĂŒbertragen und womöglich noch selbst entscheiden, was sie heute zu hören bekommen. All das ĂŒbernehmen nun Musik-Streaming-­Dienste, die aber nicht nur durch Leistung zu ĂŒberzeugen wissen, sondern auch vor allem durch einen unfassbar niedrigen Preis. Per Flatrate (in der Regel um die 10 Euro pro ­Monat) kann man sich ungeniert am Musik-­Buffet der Welt bedienen, also hören was und wie lange man will – nur der Akku ist das Limit. Wer da nicht zuschlĂ€gt, rechnet wie ein MilchmĂ€dchen.

Da der Preis keinen Unterschied macht, haben wir uns ganz speziell den Details gewidmet: Wo unterscheiden sich die verschiedenen Anbieter? Wo sind ihre StĂ€rken, wo ihre SchwĂ€chen? Zu den etablierten Streaming-­Diensten haben sich neue gesellt. Neben dem Riesen Google macht jetzt sogar Apple ­mobil und wildert gar auf Android-GerĂ€ten. Aber sind die grĂ¶ĂŸten auch die besten? Lesen!

 

Spotify

Der Streaming-Pionier

 

spotify

 

 

Spotify ist mit seinen neun Jahren zwar nur der zweitĂ€lteste Streaming-Dienst, aber im Grunde derjenige, der diese Möglichkeit der Musikversorgung populĂ€r gemacht hat. Dementsprechend groß ist die Erfahrung, was sich in der Gestaltung der BedienoberflĂ€che zeigt. Abgesehen von Anmeldeproblemen, die wir im Test hatten (das Passwort wurde mobil nicht akzeptiert, ĂŒber den Desktop jedoch schon), ĂŒberzeugt diese mit verschiedenen Methode der Musikfindung:

Neben konkreter ­Suche nach Titeln (steht nur beim Premium-Abo zur VerfĂŒgung) kann man sich durch Hitlisten und Neuerscheinungen wĂŒhlen, aber ­natĂŒrlich auch durch Genres und durch, nennen wir es so: Situationen. Dazu zĂ€hlen ­verschiedene GefĂŒhlslagen (von Mucke zum morgendlichen Munter­werden bis hin zu KlĂ€ngen zum traurigen Verkriechen), aber auch ­Gelegenheiten, zu denen eine spezielle Musik passen könnte, wie die Party, das Workout oder die kreative Arbeit.

SelbstverstĂ€ndlich kann man sich Playlists erstellen und jeden Song, der einem gefĂ€llt, der eigenen Bibliothek zufĂŒgen und diese dann auch offline verwenden. Das funktioniert auch bei Playlists, denen man „folgt“ , wovon diese sich ĂŒbrigens von den Radio-KanĂ€len unterscheiden.ErwĂ€hnenswert ist der Punkt QualitĂ€t: In der Gratis-Variante erhĂ€lt man 160 kbps, als Premium-User das Doppelte. FĂŒr jedes weitere Konto (z.B. fĂŒr Partner, Kinder etc.) verlangt Spotify zusĂ€tzlich nur 4,99 Euro pro Monat. Das bietet kein anderer Dienst außer Apple. Gerade fĂŒr Mehr-Parteien-Nutzer und Familien ein gĂŒnstiges Angebot mit hoher QualitĂ€t und zahlreichen stimmigen Playlists fĂŒr die richtige Musik zur rechten Zeit.

Ob die TrĂ€nen fließen oder der Schweiß, ob man lacht und die Sonne gleich dazu - die passende Musik ist per situativer Playlist garantiert.

Ob die TrĂ€nen fließen oder der Schweiß, ob man lacht und die Sonne gleich dazu – die passende Musik ist per situativer Playlist garantiert.

 

Google Play Music

Perfekt integriert mit Android

 

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Google Play Music ist als eigenstĂ€ndige App fĂŒr ­lokale Musikwiedergabe und Streaming auf beinahe ­allen ­Android-GerĂ€ten vorinstalliert. Der Dienst lĂ€sst sich kostenlos nutzen – jedoch nur mit Musik, die zuvor (als MP3, FLAC, OGG oder in anderen Formaten) bei Google ­hochgeladen wurde. Um die Sammlung vom PC in die Cloud zu ­bekommen, stellt Google fĂŒr Windows, Mac und Linux den „Play Music ­Manager“ bereit – ein Client-Programm, das die Festplatte nach Musikdateien durchsucht und sie in die Cloud bugsiert.Das ­Programm erlaubt es auch, Ordner zu ĂŒberwachen und neu abgelegte Dateien umgehend automatisch hochzuladen.

Bis zu 50.000 Titel lassen sich so gratis in der Cloud speichern, der Service sortiert und taggt die Songs und Alben automatisch. Einmal hochgeladen, kann man die Musik ĂŒber den eigenen Google-Account auf bis zu zehn GerĂ€ten genießen und einzelne Alben auch fĂŒr die Offline-Wiedergabe markieren. DarĂŒber hinaus bietet Google ĂŒber die App einen kostenpflichtigen Streaming-Service mit ĂŒber 20 Millionen Titeln an. Einzelne Songs und Alben können gekauft oder ein Abo fĂŒr €9,90 pro Monat abgeschlossen werden – letzteres lĂ€sst sich einen Monat lang gratis ausprobieren. In den USA hat Google kĂŒrzlich außerdem ein werbefinanziertes Gratis-­Modell gestartet.

Ob und wann dieses auch hierzulande verfĂŒgbar sein wird, ist noch unklar.Play Music ist mit Cloud-Upload und Synchronisation derzeit vor allem fĂŒr Nutzer mit bestehenden Sammlungen interessant. Mit dem geplanten Gratis-Streaming könnte sich das Ă€ndern.

Abseits von selbst hochgeladener Musik kann man Titel oder Alben zukaufen bzw. eine Flatrate buchen.

Abseits von selbst hochgeladener Musik kann man Titel oder Alben zukaufen bzw. eine Flatrate buchen.

Um ein Album offline anzuhören, kann man es in der App herunterladen und zwischenspeichern.

Um ein Album offline anzuhören, kann man es in der App herunterladen und zwischenspeichern.

 

Napster

Keine zielfĂŒhrende Bedienung

 

Napster

 

Der Napster-Musik-Streaming-Dienst hat mit der ominösen MP3-Tauschplattform nichts zu tun, die im Verdacht steht, Ende des vergangenen Jahrtausends die klassische Musikindustrie, wie sie jahrzehntelang bestand, zu Fall gebracht zu haben. Bis auf das Logo vielleicht. Dennoch ging er aus ihm hervor, als Reaktion der Musikriesen auf den „Angriff aus dem Internet“ – Napster soll von 2002 an legal die Titel der großen Plattenfirmen vertreiben. Doch zur App selbst: Nominell stehen mit ĂŒber 30 Millionen Titeln genauso viele zur VerfĂŒgung wie bei den anderen Diensten auch, alleine man findet sich ĂŒber Napster nicht gut zurecht. Eine Geschmacksermittlung findet nicht statt, man muss also weitestgehend manuell nach dem suchen, von dem man weiß, dass man es finden möchte.

Damit bleibt ein großer prinzipieller Vorteil der webbasierten Musikanwendung ungenutzt: Musik finden, die einem gefĂ€llt, von der man noch nicht weiß, dass es sie gibt. Doch auch bei konkreter Suche mittels exakter Song-Titel fanden sich nicht die gewĂŒnschten Ergebnisse (obwohl es sich um populĂ€ren deutsche Hip-Hop handelte), mit einem Titelfragment (mehr weiß man ja oft nicht) kommt man ĂŒberhaupt nicht weiter. Zu allem Überfluss waren manche Musikdateien von Natur aus leiser als andere, z.T. so leise, dass man sie kaum hören konnte. Das GerĂ€t am Limit – was macht man dann ohne Regler in der App? Da nĂŒtzt auch der Equalizer nichts.Diese App erlaubt aufwendige Social Media-Einbindung, verfehlt aber, dem Hauptzweck einer Musik-App nachzukommen: nĂ€mlich Songs zu finden und gut hören zu können.

Traurig, aber wahr. Bei der PrimĂ€r-Aufgabe Musik finden hat die App ĂŒberraschend schlecht abgeschnitten.

Traurig, aber wahr. Bei der PrimĂ€r-Aufgabe Musik finden hat die App ĂŒberraschend schlecht abgeschnitten.

DafĂŒr kann man mit der ­Napster-App besonders kreative Social Media-Postings verfassen.

DafĂŒr kann man mit der ­Napster-App besonders kreative Social Media-Postings verfassen.

 

Tidal

Streaming-Musik in CD-QualitÀt

 

Tidal

 

Der jĂŒngste Streaming-Dienst im Test (er wurde erst 2014 ins Leben gerufen) macht zunĂ€chst einmal durch sein Zwei-Preis-System auf sich aufmerksam: Neben dem Standard-Abo fĂŒr die obligatorischen knappen zehn Euro pro Monat wird ein doppelt so teures angeboten. Dahinter verbirgt sich eine QualitĂ€tsoffensive, die selbst Klang-Connaisseure vom Musik-Streaming ĂŒberzeugen soll, also die Menschen, die sich bewusst gegen Musik im komprimierten Format entscheiden, weil sie beim Hören Unterschiede zwischen gestauchten Dateien und denen mit Full Size-Sound wahrnehmen können. FĂŒr fast 20 Euro im Monat kommt man als Tidal-Kunde also in den Genuss von Musik in CD-QualitĂ€t, es gibt keinen Kompressionsverlust. Sieht auf den ersten Blick auch wie der teuerste Dienst aus – zumindest wenn man auf die zweite Preisangabe schaut.

In puncto Musikentdeckung bietet der Anbieter in seiner Rubrik „Rising“ den Musikern eine Plattform, die bereits eine Fanbase haben, aber den Durchbruch noch nicht geschafft haben. Unter „Discovery“ werden Musiker ohne Label-Vertrag ins Spotlight gerĂŒckt. Daneben gibt es auch hier Playlists fĂŒr gewisse GemĂŒtslagen und AnlĂ€sse, eine Systematik, die auf Genres beruht, aber nichts, was sich konkret „Radio“ nennt. So etwas vermisst man aber nicht wirklich. Auffallend sind bei Tidal Videos, die auch bei anderen Diensten unterstĂŒtzt werden, hier aber besonders prominent platziert sind. Tidal ist die App fĂŒr Musik-Aficionados, die sich nicht mit komprimierenden Datei-Format arrangieren wollen, sondern den vollen Genuss des CD-Klanges ĂŒberall und jederzeit erleben wollen.

Auch Tidal bietet Musik fĂŒr Situationen an. Das gefĂ€llt und hilft, neue Lieblingslieder kennenzulernen.

Auch Tidal bietet Musik fĂŒr Situationen an. Das gefĂ€llt und hilft, neue Lieblingslieder kennenzulernen.

Nicht nur hohe KlangqualitÀt steht hier im Fokus, sondern auch das bewegte Bild zum Lied: Videos.

Nicht nur hohe KlangqualitÀt steht hier im Fokus, sondern auch das bewegte Bild zum Lied: Videos.

 

Deezer Music

Die beste Usabilitiy

 

Deezer-Music

 

Der 2007 gegrĂŒndete Dienst Deezer verfĂŒgt mit ĂŒber 35 Millionen Musiktiteln ĂŒber das grĂ¶ĂŸte Angebot. Mit dabei: sogar Taylor Swift. Wie bei Spotify auch muss man bei der Registrierung Alter und Geschlecht angeben – ob dieser erste Schritt bereits das Musikangebot vorfiltert? Auf jeden Fall hilft der zweite Schritt, den WĂŒnschen des Hörers gerecht zu werden, ohne ihm nur zu servieren, was er bereits kennt: Nach einer groben Angabe der prĂ€ferierten Musikrichtung (in Testfall „Soul“) werden einem StĂŒcke aus verschiedenen Ecken und Zeiten des gewĂ€hlten Genres vorgespielt. Diese kann man dann mittels Herz-Like- bzw. Herz-Dislike-Button bewerten, woraufhin der nĂ€chste Titel folgt. Prinzipiell geht dieses Jury-Spiel endlos weiter. Je mehr man votiert, desto genauer wird das Profil. Aufgrund der Charakteristika der StĂŒcke wird ein sogenannter Flow erstellt.

SelbstverstĂ€ndlich kann man auch hier ein Lied noch aus dem Rennen werfen, aber es auch einer Playlist oder einer Liste von Lieblings-Songs zuweisen, die man auch offline konsumieren kann. Abseits von ĂŒblichen App-ErklĂ€rungstouren ist diese Anwendung zu jeder Zeit behilflich und erklĂ€rt, was man alles noch mit ihr anstellen kann. Das nervt nicht, sondern wirkt sehr aufmerksam – ganz so als wĂŒrde sie bemerken, dass man gerade zögert, weil man nicht weiß, wie man machen kann, was man eigentlich tun will. Kleiner Schönheitsfehler: Der Titel einer Playlist kann nach Erstellung nicht mehr verĂ€ndert werden. DafĂŒr gibt‘s eine Textfunktion zum Mitsingen. Deezer ist die benutzerfreundlichste Streaming-App und ĂŒberzeugt durch Gimmicks wie Texte zum Mitsingen.

Herz oder kein Herz? Das ist die Frage bei jedem StĂŒck. Über das Mikrofon-Symbol im Album-Cover kann man den Textdurchlauf aktivieren – quasi Fast-Karaoke.

Herz oder kein Herz? Das ist die Frage bei jedem StĂŒck. Über das Mikrofon-Symbol im Album-Cover kann man den Textdurchlauf aktivieren – quasi Fast-Karaoke.

 

Tabelle

 

 

FAZIT

Eine gute Musik-Streaming-App zeichnet sich dadurch aus, dass sie dem Nutzer in jeder Situation die fĂŒr ihn richtige Musik schnell und unkompliziert anbietet. Konkrete Titel mĂŒssen schnell gefunden werden genauso wie die Playlist fĂŒr die Party bei Onkel Heinz. Jedoch gerade auch Einweben unbekannter Songs „wie von Zauberhand“, die ein User zwar noch nicht kennt, die ihm aber gefallen, macht das Streamen so interessant. Bei Deezer gelingt das fĂŒr uns am besten. Tidal bietet dagegen die höchste Audio-QualitĂ€t, Spotify einen Preisvorteil. Napster ist das klare Schlusslicht.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschĂ€ftigt er sich gerne mit formschönen GerĂ€ten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes AlugehĂ€use. Als Redakteur fĂŒr die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.