Kommentar: Mit Jäger und Askari – oder – Warum Motorola verkauft werden musste

Tam Hanna 1. Februar 2014 1 Kommentar(e)

Der Verkauf von Motorola hat im Laufe der letzten Tage für jede Menge Unruhe gesorgt. Hier einige Gedanken einer Person, die den Handcomputermarkt seit den Zeiten des seligen Palm IIIc verfolgt…

Im Laufe des letzten Jahrs hat sich Google’s Situation merkbar verschlechtert, da neue Konkurrenten an den Start gegangen sind. Diese bedrohen Android sowohl im Low-End-Segment als auch durch „Commoditization“:

Low-End-Betriebssysteme
Android kann in diesem Marktsegment schon lange nicht mehr mitspielen, da die Hardwareanforderungen zu hoch sind. Mozilla wartet nur darauf, dies zu kapitalisieren.

Der beliebte Firefox Browser ist in einer neuen Version erhältlicht. Foto: mozilla.org.

Firefox ist mittlerweile auch als Standalone-Betriebssystem verfügbar und sorgt im Low-End-Bereich für Unruhe Foto: mozilla.org.

Zugegebenermaßen: Firefox OS musste dank AlcaTels vorlauten Aussagen zur Updatepolitik eine kleine Schlappe einstecken. In „emerging markets“ geht die Aufregung am durchschnittlichen Nutzer der mit 600MhZ und 256MB RAM frugal ausgestatten Telefone vorbei. Er ist froh darüber, endlich ein preiswertes Smartphone zu haben – Kleinigkeiten wie regelmäßige Updates sind egal.

China Operating System
Die chinesische Regierung ist über die Dominanz von Android alles andere als erfreut. Da Huawei und ZTE von Jahr zu Jahr agressiver auftreten, käme ihnen ein von der Regierung unterstütztes Betriebssystem nur recht.

Dalvik-Emulatoren
Google wirbt immer wieder mit seiner „enormen“ Anzahl von Apps. Das ist nicht unbedingt falsch – gäbe es da nicht die Kleinigkeit namens Dalvik. Wer diese Runtime portiert, kann die meisten Apps „kapern“. Bei iOS ist das nicht so einfach, da hier ein kompletter Prozessor emuliert werden müsste.

Research in Motion konnte seine BlackBerry's binnen kürzester Zeit mit einer Android-Runtime versorgen

Research in Motion konnte seine BlackBerry’s binnen kürzester Zeit mit einer Android-Runtime versorgen

Kurz gefasst: die Lage sieht für Android alles andere als gut aus. Im unteren Ende des Marktes wildert Firefox OS, im High-End-Bereich warten über kurz oder lang hochagressive chinesische Konkurrenten mit eigenem Betriebssystem.

Diese Trends gehen an Samsung, HTC und Co nicht vorbei. Sowohl Samsung ist der chinesischen Regierung vergleichsweise „egal“ und würde zu Gunsten von Huawei und Co jederzeit geopfert werden. Das Lizenzieren von COS an HTC käme einem nationalen Skandal gleich – Taiwan ist aus chinesischer Sicht eine abtrünnige Provinz.

Asiatische OEMs sind seit eh und je nicht wirklich an einem Head-to-Head-Duell mit einem vom Betriebssystemhersteller promoteten Hardwarehaus interessiert. In Zeiten der Unruhe ist es von eminentester Bedeutung, im Innenverhältnis „Ruhe“ zu haben – Google’s Abenteuer mit Motorola ist ein permanenter Quell von Unzufriedenheit für Samsung.

Motorola kam seit Jahren nicht aus den roten Zahlen. Der Verkauf der Marke an Lenovo ist für Google kein wirkliches Problem, da die Patente beim Suchmaschinenanbieter verbleiben und so weiter gegen Apple in Stellung gebracht werden können.

Fraglich ist nur, was Lenovo mit seinem neuen Eigentum treibt. Wenn die Chinesen auf COS umstellen, könnten Sie Google damit in Amerika empfindlichen Schaden zufügen. Es wäre aber durchaus vorstellbar, dass man sich dagegen vertraglich abgesichert hat.

Denkt ihr, dass sich Android gegen seine neuen Konkurrenten behaupten kann?

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Tam Hanna   Redakteur

Tam Hanna entwickelt Software für verschiedene Plattformen, beschäftigt sich mit Mobilgeräten und Prozessrechnern und betreibt einen YouTube-Channel mit zehnminütigen Clips zu Interessantem und Lehrreichem aus der Welt der Elektronik.

 

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