Tuning-Tipps: Smartphone und Tablet schneller machen

25. März 2019 Kommentare deaktiviert für Tuning-Tipps: Smartphone und Tablet schneller machen Kommentar(e)

Beim Kauf flutscht noch alles auf dem neuen Smartphone: Apps öffnen sich schnell, Animationen laufen flüssig, die Akkulaufzeit reicht, um bei normaler Nutzung über den Tag zu kommen.

Doch bereits nach wenigen Monaten zeigen sich erste Schwächen: Ab und zu ruckelt es, App-Starts wirken etwas zögerlich, und nach dem Schließen einer Anwendung baut sich der Homescreen manchmal erst Icon für Icon neu auf. Dazu kommt das schleichende Gefühl, immer früher an die Steckdose zu müssen. Wenn dann auch noch die Meldung erscheint, es sei nicht genügend Speicherplatz verfügbar, um etwa Nachrichten abzurufen oder Programme zu installieren, wird es Zeit, aufzuräumen.

Aufgeblasen

Die Ursachen für langsame Smartphones sind meist vielfältig und führen erst in der Summe zu Problemen. Es fängt an bei der sogenannten „Bloatware“. Das sind Anwendungen, die der Hersteller aufs Handy packt, ob wir sie brauchen können oder nicht. Dazu kommen Apps, die man selbst installiert und nicht mehr braucht, aber auch nicht gelöscht hat. Nicht zu vergessen sind natürlich Fotos und Videos, die sich mit der Zeit ansammeln und vielfach bereits von vorherigen Smartphones übernommen wurden.

Zweifelhafte Putzkolonne

Eine schnelle und einfache Lösung versprechen die Macher vieler populärer Clea­ner-Apps. Leider sind deren Aktionen oft überflüssig oder sogar gefährlich. Manchmal belasten sie das System selbst am meisten.

Am besten ist es immer noch, selbst Hand anzulegen und sich gegebenenfalls durch sinnvolle Apps unterstützen zu lassen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit wenig Aufwand wieder zu einem top funktionierenden ­Smartphone ­kommen.

Wenn das einst noch so schnelle Smartphone mit der zeit anfängt zu ruckeln und auf eingaben immer schleppender reagiert, ist es meist nicht kaputt, sondern zugemüllt. Dann wird es zeit, aufzuräumen!

Christoph Lumetzberger (Redakteur)

Handy langsam wie eine Schnecke?

Hat sich Ihr Smartphone von der Rennmaschine zum Tretroller entwickelt, ist das ärgerlich. Um den Ursachen auf den Grund zu gehen, sind aber selten Spezialkenntnisse oder besondere Tools erforderlich. Die Probleme sind nämlich meist die gleichen.

1. Speicher voll?

Wenn Ihr Smartphone plötzlich über Speicherknappheit klagt, heißt es ausmisten und gegebenenfalls Inhalte wie Fotos und Videos auf eine externe SD-Karte auslagern. Auch viele Apps lassen sich dorthin verschieben, entweder von Hand oder mit kostenlosen Tools.

2. Kein Speicherkarten-Slot

Steht kein Speicherkarten-Slot zur Verfügung, gibt es die Möglichkeit, Inhalte wie Fotos und Videos in die Cloud zu verschieben und den Speicherplatz auf dem Gerät freizugeben. Dann können sie zudem von unterschiedlichen Geräten aus abgerufen werden.

3. Hintergrundaktivitäten

Hat die Leistung merklich nachgelassen, ist vielleicht der Prozessor mit Aktionen ausgelastet, die ständig im Hintergrund ablaufen. Verantwortlich sind vielfach vom Hersteller mitgelieferte Apps, die gar nicht genutzt werden, und Dinge wie Widgets und Live-Hintergründe.

4. Falsche Tools

Zuweilen landen vermeintlich nützliche Tools, wie beispielsweise Systemreiniger und RAM-Booster auf dem Handy, die durch ihre Aktionen das Gerät eher langsamer als schneller machen. Das Schlimmste ist, dass sie dafür auch noch selbst Systemressourcen kosten.

Selbst reinigen

Bloatware deaktivieren

Smartphone-Hersteller liefern ihre Geräte oft mit vorinstallierten Apps aus, die das System unnötig aufblähen und deshalb gerne als „Bloatware“ bezeichnet werden.

Auf vielen Smartphones finden sich durch den Hersteller vorinstallierte Apps, die sich nicht einfach deinstallieren lassen. Falls sie nicht gebraucht werden, belegen sie unnötig Speicherplatz und belasten das System dazu vielfach mit Hintergrundaktivitäten.

Entfernen können Sie diesen Ballast nur mit Root-Zugriff, doch zumindest ist es möglich, die Anwendungen stillzulegen, wodurch sie künftig weder Arbeitsspeicher noch Prozessorleistung beanspruchen. Oft wird dabei auch ihr Speicherplatzbedarf deutlich geringer.

Dazu gehen Sie in den Einstellungen zur Übersicht der Apps, suchen den entsprechenden Eintrag und öffnen die App-Info. Wenn Sie nun auf „Deaktivieren“ tippen, wird das Programm außer Gefecht gesetzt.

Widgets und Live-Hintergründe

Widgets und Live-Hintergründe belasten den Prozessor des Smartphones und belegen Platz im Arbeitsspeicher. Auf sie zu verzichten, setzt Leistung frei.

Viele Apps bieten Widgets für den Startbildschirm, die zuweilen auch recht nützlich sind. Sie beanspruchen aber auch wertvolle Systemressourcen. Überprüfen Sie, welche davon wirklich gebraucht werden, und löschen Sie die restlichen.

Auch Live-Hintergründe belasten den Prozessor, belegen Arbeitsspeicher und saugen zudem unnötig am Akku. Ersetzen Sie sie durch einfache Bilder ohne aktive Elemente. Auf Android-Handys tippen und halten Sie den Finger dazu etwas länger auf einen leeren Bereich des Startbildschirms und wählen dann „Hintergründe“. Beim iPhone finden Sie den entsprechenden Punkt in den Einstellungen.

Hersteller-Tools

Manche Smartphone-Hersteller erweitern das Betriebssystem durch Optimierungstools, die bessere Dienste leisten als die meisten Cleaner.

Viele Handys bringen Optimierungstools mit, die auf ein Android-8-Feature aufsetzen. Bei Samsung ist es etwa die „Gerätewartung“, bei Huawei der „Telefonmanager“. Per Fingertipp werden dann zum Beispiel Hintergrund-Apps in den Ruhezustand versetzt, wobei Anwendungen wie Messenger verschont bleiben. Bei der One-Click-Optimierung wird zudem oft der App-Cache geleert. Das befreit von Ballast, löscht aber jedes Mal auch zwischengespeicherte Inhalte, die beispielsweise Apps zügiger starten oder Webseiten schneller aufbauen lassen.

Vorteile Nachteile
Wer weiß, was zu tun ist und selbst Hand anlegt, vermeidet unnütze Aktionen und kommt oft zu besseren Ergebnissen als die automatischen Funktionen manch hochgelobter Cleaning-App. Sinnvolle Tools können dabei unterstützen. Natürlich ist es aufwändiger, sich selbst in die Funktionen des Systems einzuarbeiten. Zudem können auch hier Fehler gemacht werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei gerooteten Smartphones, da bei diesen leicht das System beschädigt werden kann.

Cleaning Apps

Cleaning Apps

Hierbei handelt es sich um Anwendungen, die automatisch Ihr Smartphone nach unbrauchbaren Daten durchsuchen. Doch: Taugen die Apps etwas?

Falls Sie kein ausgewiesener Smartphone-­Experte sind, klingen Cleaning-Apps für das Telefon natürlich verlockend. Ohne große Vorkenntnisse übernehmen diese die Entrümpelung des Telefons und befreien es von unnötigem Ballast. Darin lauert aber auch die große Gefahr! Denn solche Apps, sofern Sie nicht richtig arbeiten, können dem Telefon mehr schaden als nützen. Daher gilt: Seien Sie vorsichtig mit solchen Apps und lesen Sie gegebenenfalls die Kommentare im Play Store, bevor Sie den Scan starten. Darin finden sich möglicherweise Hinweise auf Probleme mit der Funktionalität, die bei anderen Nutzern bereits aufgetreten sind.

Viele Funktionen von Cleaning-Apps erreichen eher das Gegenteil des Gewünschten, denn Vorgänge wie das Beenden von Hintergrundprozessen oder Löschen des Caches können zu einer kurzfristigen Verlangsamung des Smartphones führen. Moderne Betriebssysteme kümmern sich um diese Vorgänge selbst am besten.

CCleaner

Der CCleaner ist vielen schon als PC-Tool mit teils nützlichen Funktionen bekannt. Doch Android ist nicht Windows.

Um überhaupt ihren Dienst aufzunehmen, fordert die App nicht nur Zugriff auf den Speicher, sondern auch auf Kontakte, SMS und Telefon. Die nachfolgende Analyse bietet dann beispielsweise an, den App-Cache zu bereinigen und Dateien im Download-Ordner sowie leere Verzeichnisse zu entfernen – Arbeiten, die nichts bringen oder besser von Hand erledigt werden können. Was es zudem nützen soll, die Anrufliste zu löschen, bleibt offen. Eine Speicheranalyse ist ebenfalls möglich, für viele weitere Funktionen ist ein Abo (€ 7,99/Jahr, € 2,99/Monat) erforderlich. Dieses bietet etwa Automatisierungsfunktionen.

DIE APP

CCleaner bietet fast nichts, wofür extra eine App benötigt wird – schon gar keine, die so weitreichende Berechtigungen fordert. Die meisten davon sind unnötig, ermöglichen aber schädliche Aktionen. Die Werbeeinblendungen in der App sind nervig, können aber durch ein Abo deaktiviert werden. Dieses Abonnement steht in zwei Preisstufen zur Verfügung.

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Clean Master

Eines der beliebtesten Reinigungs-Tools für Android ist Clean Master. Den Versprechungen nach leistet die App Unglaubliches.

Clean Master bietet zahlreiche Optionen, die das System schlanker und schneller machen sollen. Wer allerdings bedenkenlos „Junk-Dateien“ löscht, entfernt unter Umständen wichtige Inhalte. Die Beschleunigungsfunktion beendet Hintergrundprozesse, was bei modernen Betriebssystemen eher bremst als nützt. Es gibt zudem einen „Prozessorkühler“, der sein Ziel angeblich durch die Optimierung aktiver Apps erreicht – wie das funktionieren soll, wird nicht erklärt.

DIE APP

Clean Master bietet eine große Zahl an Funktionen, von denen die meisten bei modernen Betriebssystemen nichts nützen oder von anderen Tools zuverlässiger erledigt werden können. Statt einer Beschleunigung des Systems sollte man sich besser auf eine Bremse einstellen. Dafür gibt es immer wieder Werbeeinblendungen im Großformat.

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Smartphone aufräumen

Apps ausmisten

Um zu sehen, bei welchen Apps sich das Löschen am meisten lohnt, können sie deren Speicherplatzverbrauch anzeigen lassen.

1. Android

Suchen Sie in den Einstellungen den Punkt „Apps“ bzw. „Anwendungen“. Er kann sich auch in einem Untermenü befinden, z. B. in „Verwendeter Platz“. Hier werden alle installierten Programme aufgelistet und lassen sich nach Größe sortieren.

2. iPhone

Gehen Sie in den ­Einstellungen zu „Allgemein“ > „Speicher- & iCloud-Nutzung“. Unter „Speicher“ sehen Sie dort, wie viel Platz bereits belegt ist. Wenn Sie nun „Speicher verwalten“ auswählen, werden Ihnen alle Programme nach Größe sortiert angezeigt, die sich aktuell auf Ihrem iPhone befinden.

Apps auf die SD-Karte

Viele Apps lassen sich mitsamt ihren Daten auf eine externe SD-Karte verschieben.

Kann eine App auf die SD-Karte ausgelagert werden, ist in deren App-Info ein entsprechender Button zu sehen. Leichter geht es mit einem Tool wie „AppMgr III (App 2 SD)“. Über den Menüpunkt „Apps verschieben“ sehen Sie dort alle geeigneten Apps und können diese bei Bedarf verschieben.

Downloads ausmisten

Beim Aufräumen wird gerne der Download-Ordner übersehen. Zeit für einen prüfenden Blick.

Im Download-Ordner sammeln sich Daten aller Art an. Oft werden sie nur einmal benötigt und füllen danach unnötig den Speicher. Archivieren Sie regelmäßig, was Sie noch brauchen, und löschen Sie den Rest.

Fotos sicher in der Cloud

Ist keine externe SD-Karte zum Auslagern von Fotos und Videos vorhanden, können Sie die Cloud nutzen.

Google Fotos

Die App „Google Fotos“ bietet die Möglichkeit, Fotos und Videos auf Google Drive zu sichern und als Miniaturen weiterhin anzuzeigen. Unter „Sichern und synchronisieren“ > „Geräteordner sichern“ lassen sich einzelne Ordner markieren, deren Inhalt in die Cloud kopiert wird, sobald eine WLAN-Verbindung besteht. Über den Menüpunkt „Gerätespeicherplatz freigeben“ können Sie die gesicherten Elemente dann gefahrlos vom Handy löschen.

iCloud-Fotomediathek

Wenn Sie in Ihrem iPhone unter „iCloud“ > „Fotos“ die „iCloud-Fotomediathek“ aktivieren und danach den Punkt „Gerätespeicher optimieren“ anwählen, werden alle lokalen Dateien aus der Mediathek in der iCloud gesichert. Auf dem Gerät werden nur noch verkleinerte Kopien gespeichert, wodurch zusätzlicher Speicher frei wird.

Tools & Fazit

Es gibt auch sinnvolle Apps, die beim Reinigen und Beschleunigen des Systems gute Dienste leisten.

SD Maid – Systemreiniger

SD Maid ist ein fortgeschrittenes Reinigungstool, das mit Root-Zugriff sein volles Potenzial entfaltet, aber auch ohne gute Dienste leistet.

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SD Maid arbeitet sehr gründlich und zeigt nach den Analysen zum Beispiel nach dem Ampelprinzip an, wie gefährlich das Löschen bestimmter Dateien ist. Das ist besonders hilfreich, wenn die App Root-Zugriff hat und damit tief ins System eingreifen kann. Die Pro-Version für knapp drei Euro erweitert den ohnehin großen Leistungsumfang noch um nützliche Zusatzfunktionen. Die Standardversion ist aber auch werbefrei.

Mit SD Maid lässt sich das Smartphone sehr differenziert von Ballast befreien. Dafür gibt es Tools wie einen „Leichenfinder“, der Dateien und Ordner ausfindig macht, die zu ehemaligen Installationen gehören. Der „Systemreiniger“ kann nach Maß konfiguriert werden und der „Appreiniger“ erlaubt ein gezieltes Löschen der Nutzungsdaten einzelner Apps. Einen Dublettenfinder gibt es ebenfalls. Die „Appkontrolle“ zeigt detaillierte Infos an.

Greenify

Viele Apps laufen heimlich im Hintergrund, ohne dem Nutzer einen Vorteil zu bringen. Greenify legt sie schlafen.

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Greenify ist ein leicht zu bedienendes Tool. Durch Tippen auf das Pluszeichen öffnet sich die Anwendungsanalyse, in der die aktuellen Hintergrund-Apps angezeigt werden. Ein kleines Wölkchen neben einer App zeigt an, dass diese Push-Nachrichten empfangen kann, was im Ruhezustand nicht funktioniert. Sind die gewünschten Apps gewählt, legt Greenify sie künftig automatisch schlafen. Mit Root-Zugriff sind besonders tiefe Ruhezustände möglich.

Apps, die im Hintergrund aktiv sind, beanspruchen Systemressourcen und verringern die Akkulaufzeit. Vielfach ist das notwendig, etwa bei Messengern, Weckern oder für den Bilder-Upload. Oft aber laufen Anwendungen nach dem Schließen unnötig im Verborgenen weiter. Greenify versetzt sie in den Ruhezustand, einmal eingerichtet auch automatisch.

Fazit

Wenn das teure Smartphone nicht mehr das ist, was es einmal war, obwohl es doch eigentlich recht neu ist, kann das an unnötigem Ballast liegen, der sich mit der Zeit unbemerkt ansammelt. Wer regelmäßig ausmistet, hat länger Freude an einem leistungsfähigen Gerät. Bei älteren Modellen mit geringeren Leistungswerten lässt sich so der Neukauf oft noch eine Weile hinausschieben.

Mehr schlecht als recht

Vorsicht ist geboten vor angeblichen Heilsbringern in Gestalt zahlreicher Cleaning-Apps, die vielfach nicht nur unnütze Aktionen durchführen, sondern in manchen Fällen das System sogar noch verlangsamen oder wichtige Daten löschen. Zusätzlich wird der Nutzer meist mit Werbung überschüttet.

Do it yourself

Wer die richtigen Tricks kennt, erreicht oft weit mehr von Hand und lässt sich von geeigneten Tools unterstützen. Auch dabei können natürlich Fehler passieren, deshalb sollte mit Bedacht gearbeitet werden, insbesondere bei Geräten mit Root-Zugriff.

Smartphone Entrümpeln kann Wunder bewirken!

Christoph Lumetzberger (Redakteur)

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