BlackBerry PRIV im Test – ein wahrer Business Angel?

Peter Mußler 28. Januar 2016 1 Kommentar(e)
BlackBerry PRIV im Test – ein wahrer Business Angel? Androidmag.de 5 5 Sterne

Der Name Blackberry steht noch immer fĂŒr eine Insignie erfolgreicher GeschĂ€ftsleute. Weniger erfolgreich war in letzten Jahren das Unternehmen selbst. Dem AbsatzrĂŒckgang entgegen­wirken soll nun das erste Telefon mit Android-OS.

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Ein Blackberry-Telefon ist ein bisschen wie ein Ritterschlag der eigenen Firma. Es sagt: „Sie sind (uns) wichtig. Was Sie fĂŒr uns machen, ist von Bedeutung und schĂŒtzenswert.“ So war das frĂŒher auch bei einem ThinkPad, als dieses noch von IBM hergestellt wurde. Die Welt hat sich inzwischen weitergedreht und das Blackberry als erstes Smartphone (also hochkonnektives und mailfĂ€higes Mobiltelefon) ĂŒberhaupt wurde von Apples iPhone und seinen Android-Mitbewerbern rechts ĂŒberholt. Dennoch geben auch heute noch viele Firmen ihren Top-Mitarbeitern Blackberry-GerĂ€te an die Hand – nicht nur wegen des bereits genannten Auszeichnungscharakters. Die kanadische Firma verkaufte zu Ihren MobilgerĂ€ten nĂ€mlich ein Sicherheitssystem, das Zugriffe der Mitarbeiter auf Daten limitierte und Aktionen protokollierte, daneben verschlĂŒsselte und somit Spionage erschwerte. Doch irgendwann zieht auch dieses Argument nicht mehr, wenn man technisch zu weit hinterherhinkt und Apps fĂŒr iOS oder Android nicht nutzbar sind.

Wo Ritzen sind, da ist auch Dreck. Das ist der Nachteil der echten Tastatur: In ihr sammeln sich Schmutz und Staub.

Wo Ritzen sind, da ist auch Dreck. Das ist der Nachteil der echten Tastatur: In ihr sammeln sich Schmutz und Staub.

Das Beste beider Welten

Wohl deshalb hat Blackberry die Notbremse gezogen und nun das erste Android-GerĂ€t auf den Markt ­geworfen. Wahrscheinlich sollen dadurch auch ­Privatkunden gewonnen werden (fĂŒr die Daten­sicherheit nur sekundĂ€r ist). Der bekannte ­Blackberry Enterprise Service ist aber auch hier verfĂŒgbar, wenngleich eingeschrĂ€nkt. ZusĂ€tzlich hat der Hersteller eine App installiert, die ­Aktionen fremder Apps und das Nutzerverhalten Â­ĂŒberwacht. Das Priv verbindet damit den Komfort und das große Angebot der Android-Welt mit dem, was Blackberry in den Köpfen vieler prototypisch ausmacht: die hohe VerarbeitungsqualitĂ€t und – eine physische Tastatur.

Digitale Abschiebung – per Finger

Eben jene wurde nicht in doppelter Hinsicht perfektioniert. Die Tastatur selbst ist nicht fix, sondern wird im Normalfall vom Display verdeckt, das sich auf seinem (solide verarbeiteten) Schlitten ĂŒber das Basisteil schieben lĂ€sst. Wird es textlastiger, zieht man das Keyboard heraus und los geht‘s mit zwei Fingern und ehrlich haptischer RĂŒckmeldung. Ein Vertippen ist fast ausgeschlossen. Der Clou: Auch dieses Tastenfeld ist kapazitiv, es reagiert auf Wischbewegungen: nach links wird der Text wortweise wieder gelöscht, nach oben werden WörterbuchvorschlĂ€ge direkt befolgt. Fast revolutionĂ€r.

Die weiche Kante ist nicht nur schön. Mit­ ­einem Wisch von rechts nach links auf Höhe der ­Tasten gelangt man zu Terminen und Mails.

Die weiche Kante ist nicht nur schön. Mit­ ­einem Wisch von rechts nach links auf Höhe der ­Tasten gelangt man zu Terminen und Mails.

Kein Mangel an Kraft und Platz

Konservativer, aber dennoch stark geht es ­unter der Kohlefaserdecke zu. Hier rechnet ein ­Snapdragon 808 mit 4 x 1,4 und 2 x 1,8 GHz mit UnterstĂŒtzung eines 3 GB-RAMs und lĂ€sst sich nicht aus der Ruhe bringen. Ins ­Schwitzen ­wegen mangelnden Speicherplatzes dĂŒrfte auch der ­Nutzer nicht kommen. Neben den 32 GB Flash-Speicher stehen maximal 2 Terabyte auf einer ­entsprechenden SD-Karte zur VerfĂŒgung. Löschen war also gestern.

Haben oder nicht haben…

…das ist auch hier die Frage. Was das Priv nicht hat: Entsperrung per Fingerkuppe, 16:9-Format fĂŒr Fotos, drahtlose Ladung (merkwĂŒrdigerweise gibt es einige Modellserien, die jedoch damit ausgestattet wurden) und einen krĂ€ftigen Lautsprecher. Davon vermisst man am ehesten noch das Breitbild. Auf der Haben­seite steht wieder die Kamera, bei der Software (erst seit einem Update im Januar), Optik und 18 MP-Sensor fast perfekt zusammenspielen. Wir waren begeistert von den Ergebnissen – und zwar nicht nur auf dem Monitor, sondern auch bei der Sichtung ĂŒber das extrem scharfe (540 ppi) und satte Display. DarĂŒber hinaus gefallen Kleinigkeiten aus der „Weichwarenabteilung“: Das GerĂ€t lĂ€sst sich per Doppeltipp aufwecken (aber nicht wieder schlafenlegen) und beim FĂŒllen des ausreichend dimensionierten Akkus wird der Ladevorgang ĂŒber eine Schlange am Display-Rand visualisiert.

Die grĂŒne „Ladeschlange“ signalisiert den FĂŒllfortschritt bildlich. Außerdem wird die verbleibende Zeit bis zur Vollladung genau angezeigt.

Die grĂŒne „Ladeschlange“ signalisiert den FĂŒllfortschritt bildlich. Außerdem wird die verbleibende Zeit bis zur Vollladung genau angezeigt.

Fazit

Ob das neueste Blackberry-GerĂ€t Heilsbringer fĂŒr die Marke wird? Wir wissen es nicht. Auch nicht, ob die fĂŒr Unternehmen wichtigen Services wegen des ­Android-Betriebssystems zu sehr beschnitten wurden. DafĂŒr können wir mit Bestimmtheit sagen, dass dieses Smartphone etwas geschafft hat, was man sich bei den Kanadiern lange wĂŒnschte: Es spielt technisch ganz vorne mit und hat eine Strahlkraft, die auch auf Privatleute wirkt. Die könnten sich allerdings am Preis verschlucken: Der ist hoch, aber deshalb noch lange nicht himmlisch.

BlackBerry PRIV STV100-4 Smartphone (13,7 cm (5,4 Zoll) Display, 32GB Speicher, 18 Megapixel, Android 5.1) schwarz

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Android
5.1.1
5,4"
2560x1440
Gewicht
192 g
18 MP
2 MP
Kamera
32 GB
200 GB
Speicher
3 GB
RAM
8x
1,8/1,4 GHz
CPU



OK MicroSD OK USB OK Audio OK GPS OK HSPA+ OK NFC OK WLAN (a,b,g,n,ac) OK Bluetooth 4.1
Abmessungen: : 147x77,2x9,4 (in mm - Höhe x Breite x Tiefe)

Display: 5 Sterne
Speed: 5 Sterne
Akku: 4 Sterne
Verarbeitung: 5 Sterne
Ausstattung: 5 Sterne
Design: 4 Sterne
Haptik: 4 Sterne
Kamera: 4 Sterne
Leistung:
3469
 
Grafik:
1966
 
Browser:
4755
 
Akku:
631
 
Max. 80627
Max. 4942
Max. 7176
Max. 910
Gesamtwertung: 37/40
 

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschĂ€ftigt er sich gerne mit formschönen GerĂ€ten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes AlugehĂ€use. Als Redakteur fĂŒr die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.