Kommentar: Samsung und das Materialproblem – oder: Samsung! Y u no use high quality materials

20. Mai 2013 17 Kommentar(e)

Samsung ist der derzeit mit Abstand erfolgreichste Hersteller von Smartphones, kaum ein Gerät in den letzten Jahren floppte. Das Erfolgsrezept ist einfach: Zahlreiche Geräte, ähnliches Design – vom günstigsten Phone bis zum teuersten High End-Gerät – und massenweise Werbung. Vor allem der zweite Punkt könnte meiner Meinung nach für Samsung aber noch zum Problem werden – warum, erläutere ich nachfolgend.

Titelbild_660_samsung_yuno

Letzte Woche machte eine Meldung im Netz die Runde, die mir den Tag, an dem ich sie las, ziemlich versaute: Das nächste Galaxy Note, das insgesamt dritte Smartphone-Modell der Serie, soll abermals aus Polycarbonat gefertigt werden, und was noch viel schlimmer ist: Samsung will die gehabte Designlinie beibehalten.

Dazu eine kurze Vorgeschichte: Ich bin Note-Fan der ersten Stunde, hatte sowohl das Note der ersten Generation, momentan besitze ich ein Note 2. Die Geräte vereinen die Stärken von Tablets und Smartphones, in meinem Beruf die perfekte Lösung. Bisher konnte ich wirklich gut mit dem Design, der Materialwahl etc. leben, eigentlich kann ich es nach wie vor.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich aber sagen, dass es mir die Haptik eines HTC One oder eines Xperia Z angetan hat. Und insgeheim hofft man dann doch, dass auch Samsung etwas ändert.

Samsung Galaxy S 3,5

Man muss die Geschichte allerdings unter zwei Gesichtspunkten betrachten: Aus der Sicht des Unternehmens einerseits, aus der Perspektive des Verbrauchers andererseits. Der Standpunkt des Unternehmens ist klar: Mit der Galaxy-Reihe hat Samsung eine wahre Cash Cow in den eigenen Reihen, es ist nur logisch, dass die Koreaner die Kuh solange melken möchten wie irgend möglich. Bisher fährt Samsung gut mit der Reihe, aufpassen sollte der Hersteller trotzdem: Schon beim Galaxy S4 gab es genügend Stimmen, die sich ob fehlender Hardware-Innovationen enttäuscht zeigten. Ich spreche dabei aber nicht vom Octa Core-Prozessor, noch mehr RAM etc., sondern vielmehr von der Materialwahl und dem Design. Wobei ich hier anmerken muss, dass das Polycarbonat durchaus seine Vorteile bietet – und durch Legierungen, Beschichtungen etc. kann es auch optisch mit der Konkurrenz mithalten.

Zwar nur ein Fan-Konzept, in diese Richtung sollte sich Samsung aber orientieren.

Zwar nur ein Fan-Konzept, in diese Richtung sollte sich Samsung aber orientieren.

Das Galaxy S4 ist mehr oder weniger ein S 3.5, Samsung wählte einen ähnlichen Weg wie Apple: Ein funktionierendes Gerät optisch geringfügig verändern, einige Software-Innovation, einige technische Updates, und voila: Fertig ist das neue Smartphone. Und da der Hype um Galaxy-Devices mittlerweile fast schon iPhone-Züge annimmt, braucht man sich in Seoul auch keine Sorgen um die Verkaufszahlen machen. Ganz im Gegenteil, Statistiken zeigen: Noch nie hat sich ein Smartphone so gut verkauft wie das Galaxy S4.

Der HTC-Weg

Aus dieser Sicht ist der Gedankengang der Koreaner also verständlich. Eine Umstellung auf neue Materialien, ein frisches Design hätte weitreichende Konsequenzen zur Folge, das Risiko wäre wohl nicht tragbar. Als Beispiel bietet sich hier HTC an: Das One ist hochwertig verarbeitet, die Taiwaner schlagen einen völlig neuen Weg ein. Und was passiert? Die Meldungen über Lieferprobleme beherrschten lange die Medien, erst jetzt kommt HTC mit der Produktion nach. Im Unterschied zu Samsung musste HTC diesen Schritt aber wagen, ohne neue Inputs wäre der Hersteller wohl schon von der Bildfläche verschwunden.

Sieht das Note 3 aus wie ein größeres Galaxy S4?

Sieht das Note 3 aus wie ein größeres Galaxy S4?

Erhört die Kunden

Es ist also mehr als verständlich, dass Samsung die S-Serie optisch nicht im großen Maße verändern will, solange der Schritt nicht unbedingt notwendig ist. Das gilt allerdings nicht für die Note-Reihe. Schon mit dem ersten Modell der Serie ging Samsung ein Risiko ein, nicht wenige Experten gaben dem Gerät keine Chance. Der Erfolg spricht für sich, aber: Trotz der hervorragenden Verkaufszahlen ist und bleibt das Note ein Nischenprodukt, das sich keinesfalls mit der S-Reihe messen kann – und auch nicht muss.

Und gerade deswegen bin ich enttäuscht: Samsung verpasst – sofern die Gerüchte stimmen – die Chance, neue Materialen, eine neue Designlinie zu etablieren. Immer die gleichen Geräte, nur in unterschiedlichen Größen und in einigen wenigen Details verschieden, werden den Kunden auf Dauer wohl zu den Ohren raushängen – die kritischen Stimmen häufen sich immerhin schon jetzt. Sollte das Note 3, wie erste Meldungen behaupten, wieder nur ein leicht verbessertes Note 2 werden, wird Samsung wohl erstmals auf breite Kritik treffen. Ich kann nur hoffen, dass Samsung doch noch den Schritt wagt und dem Note 3 einige optische Neuerungen spendiert – die Note-Fans werden es danken.

Wie steht ihr zum Thema? Hängt euch die immer gleiche Samsung-Designlinie schon zu den Ohren raus? Oder ist euch die Optik nicht so wichtig?

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oliver

Oliver Janko   Chefredakteur

Studiert in Wien und schreibt Reportagen, Tests und Reviews für die Printausgaben des Verlags. Bei Fragen – Facebook, Google+ und Co. sind allzeit bereit.

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