Das Huawei P30 Pro im Test

17. April 2019 Kommentare deaktiviert für Das Huawei P30 Pro im Test Kommentar(e)

Wie viele Kameras sind genug für ein Smartphone? Während Nokia auf fünf Linsen auf der Rückseite setzt, reichen Huawei beim P30 Pro vier verschiedene Kameras. Der Vorgänger musste noch mit drei Knipsen auskommen, ebenso wie das letzte Modell der Mate-Serie (Mate 20 Pro). Huawei hat es sich beim P30 Pro aber an die Fahnen geheftet, ein noch besseres Fotoerlebnis zu bieten – und verbessert darüber hinaus auch die Video-Aufnahmequalität.

Alles beim Alten

Der Fokus auf die Kamera erscheint logisch, bleibt unter der Haube doch vieles beim Alten. Das Hardware-Setup des P30 Pro ist in vielen Belangen identisch mit dem des Mate 20 Pro. Im Detail bedeutet dies, dass sich abermals der hauseigene Kirin 980 um ausreichend Leistung kümmert. Unterstützt wird der Prozessor von 6 oder 8 GB RAM, wobei unser Testgerät mit dem größeren Arbeitsspeicher und – damit verbunden – 256 GB Festspeicher ausgestattet war. Unsere Benchmark-Überprüfungen brachten die erwarteten Ergebnisse: Das Huawei P30 Pro platziert sich im Spitzenfeld, erreicht allerdings nicht ganz die Werte des Samsung Galaxy S10+. Das Ergebnis des Grafiktests liegt sogar unter dem des Huawei Mate 20 Pro – was an der geringeren Auflösung des Bildschirms liegen dürfte.

Full HD für mehr Akku

1.080 x 2.340 Pixel beträgt die Auflösung des OLED-Bildschirms, im Fachjargon als „Full HD+“ bezeichnet. Das Mate 20 Pro besitzt indes ein WQHD-Display (1.440 x 3.120 Pixel), das darüber hinaus auch noch etwas kleiner ist. 6,47 Zoll misst der Screen des P30 Pro in der Diagonale, unterbrochen wird er lediglich von einem kleinen „Tropfen“, in dem die 32 MP-Frontkamera untergebracht ist. Die schießt brauchbare Selfies, kann mit dem rückseitigen Setup aber nicht mithalten. Auch andere Hersteller bieten bessere Selfie-Kameras. Huawei spendiert der Kamera-App aber immerhin jede Menge Software-Extras für bessere oder witzigere Selbstporträts.

Schon kurz nach dem Verkaufsstart kamen übrigens Meldungen auf, wonach Huawei das Display von LG oder BOE in den Pro-Modellen verbaut und nur das „normale“ P30 Displays von Samsung spendiert bekommt. Die Samsung-Panele gelten als die besseren, weshalb diese Entscheidung zumindest in Frage zu stellen ist. Auf Nachfrage wurden wir vertröstet, derartige Infos bleiben unter Verschluss. Die Helligkeitswerte liegen im Durchschnitt bei guten 450 Candela, die Spitzenwerte gehen aber bis zu 600 Candela. Farbwiedergabe und Schwarzwert sind bei OLED-Bildschirmen ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Gute Akkuwerte

Bevor wir zur Hauptkamera kommen, noch ein Blick auf die Ausstattung. Einen Klinkenstecker gibt es nicht, dafür aber Bluetooth 5.0 und zusätzlich ein Typ C-Headset in der Verpackung. Der Akku weist eine Nennkapazität von 4.200 mAh auf. In praktischen Zahlen bedeutet das rund 24 Stunden Videolaufzeit und über 18 Stunden Surf-Dauer ohne Unterbrechung. Auch in den intensivsten Testphasen ging dem P30 Pro nie der Saft aus, kein anderes Smartphone erzielte in diesem Punkt bislang bessere Ergebnisse. Der kleinere Notch lässt allerdings keinen Lautsprecher mehr zu, das P30 Pro spielt Musik also nur über einen Speaker ab. Das ist okay, beschallt aber keine Party – das muss ein Smartphone allerdings auch nicht.

Vier Kameras

Zuletzt das Prunkstück des P30 Pro: Die vier Kameras. Von oben nach unten betrachtet sitzt die Weitwinkelkamera an erster Stelle, gefolgt von der Hauptkamera und der Telefoto-Kamera. Bei dem kleinen Punkt neben der LED handelt es sich um die „TOF“ (Time of Flight)-Kamera, die vor allem zur Tiefenerkennung genutzt wird. Der Schritt nach vorne ist kaum zu übersehen: Die Fotoqualität gerade bei Tageslicht sucht ihresgleichen, was auch dem guten, in seltenen Fällen aber etwas übermotivierten Postprocessing (der automatischen Bildnachbearbeitung) zuzuschreiben ist. Für Staunen sorgen aber viel mehr der Supermakromodus, der tolle Nahaufnahmen ermöglicht, und der sehr hohe ISO-Wert. Das Huawei P30 Pro kann damit im Dunklen sehen – und das ist nicht übertrieben. Der 50-fache Digitalzoom funktioniert tatsächlich, bei derart hohen Zoomstufen sind aber nicht allzu viele Details zu erkennen. Spannender sind da der tatsächlich sehr gute optische Fünffach-Zoom und der Hybridzoom mit zehnfacher Vergrößerung. In diesem Punkt kann kein anderes Gerät dem P30 Pro das Wasser reichen.

Softwareseitig läuft Android 9 mit der EMUI 9.1-Oberfläche. Erwähnenswerte Neuerungen gibt es nicht, die Benutzeroberfläche ist intuitiv gestaltet und bremst die Hardware nicht aus. Einzig ein paar der vorinstallierten Apps sind diskutabel, warum es einen eigenen Huawei-Browser braucht ist uns beispielsweise nicht verständlich.

Vier Kameras mit Zweck

Die vier rückseitig verbauten Linsen im Detail. Das Setup besteht aus der 40 MP-Hauptkamera, einer 20 MP-Ultraweitwinkelkamera, einer Telefoto-Kamera mit 8 MP und dem TOF-Sensor für die Tiefenerkennung.

Farbliche Neuauflage

Das Huawei P30 Pro ist in vier Farben erhältlich, „Black“, „Breathing Crystal“ und „Aurora“ ab sofort. Einzig das orangene „Amber Sunrise“ wird erst später auf den Markt kommen.

Physische Tasten & kabelloses Laden

Rechts sitzt oben die Lautstärkewippe, darunter die Ein-/Aus-Taste. Abermals an Bord ist das „Umgekehrte Laden“. Ist die Funktion aktiv, teilt das Huawei P30 Pro Strom mit anderen, ebenfalls kabellos ladbaren Geräten – beispielsweise Headsets.

Das Huawei P30 Pro ist zweifellos eines der besten Smartphones, das Sie momentan kaufen können. Die Kamera sucht ihresgleichen, die restlichen Werte und Ausstattungsmerkmale spielen in der Oberklasse mit. Besitzer eines Mate 20 Pro müssen nicht zwingend umsteigen, für alle anderen Kamera-Fetischisten ist das P30 Pro aber eine tolle Alternative.

Oliver Janko (Chefredakteur)

Huawei P30 Pro

Abmessungen 158 x 73.4 x 8.4 mm
Gewicht 192 g
Preis (aktuell) EUR 999

Ausstattung

Betriebssystem Android 9.0
Prozessor & Kerne Kirin 980 /
4 x 2.26 GHz + 4 x 1.8 GHz
Grafikeinheit Mali-G76 MP10
RAM 8 GB
Interner Speicher 128 GB, 256 GB, 512 GB
microSD (maximal) 256 GB
Kamera (Haupt/Front) 40 / 32 MP
USB-Anschluss USB Typ-C
Bluetooth 5.0
LTE: ja WLAN: a, b, g, n, ac
Fingerabdrucksensor: ja NFC: ja

Akku & Laufzeiten

Akku-Größe 4200 mAh
Akku tauschbar nein
Drahtlos laden ja
Schnellladen ja
Ladezeit 0-50 23 min  /  *47 min
Ladezeit 0-100 60 min  /  *121 min
Laufzeit Browser 1106 min  /  *650 min
Laufzeit Video-Streaming 1435 min  /  *530 min
Laufzeit 3D-Spiel 1020 min  /  *312 min

Display

Größe 6.47“
Typ OLED
Auflösung 2340 x 1080 Pixel
Pixeldichte 398.33 ppi
Helligkeit Ø 440.78 cd/m2  /  *424 cd/m2
Helligkeit (max) 461 cd/m2  /  *449 cd/m2

Leistungs-Check

Leistung¹: 9777  /  *3921
Grafik²: 6899  /  *1189

*Mittelwert aller bisher getesteten Geräte
¹ GeekBench 4 Multicore² GFXBench T-Rex Offscreen

Testergebnis

Display 3.9
Speed (Leistungstest) 5
Speed (Hardware) 4.8
Akku (Laufzeit) 5
Akku (Hardware) 4.5
Features 4.7
Kamera 5
Verarbeitung 5
Design 5

Von möglichen 5 Punkten

Gesamtnote: Sehr gut*  (96 %)

Preis/Leistung: Ausreichend

*Die Gesamtnote setzt sich wie folgt zusammen:

Display 15 % – Speed (Leistungstest) 22 % – Speed (Hardware) 10 % –
Akku (Laufzeit) 24 % – Akku (Hardware) 4 % – Features 4 % –
Kamera 15 % – Verarbeitung 3 % – Design 3 %

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oliver

Oliver Janko   Chefredakteur

Studiert in Wien und schreibt Reportagen, Tests und Reviews für die Printausgaben des Verlags. Bei Fragen – Facebook, Google+ und Co. sind allzeit bereit.

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