Appwehrmaßnahmen bei Telefonterror – Topliste

Peter Mußler 28. Juni 2015 0 Kommentar(e)

Nicht nur Stars werden von Menschen belästigt, die etwas von ihnen wollen. Auch der gemeine Bürger ist Opfer, in der Regel via Telefon. Statt echter Fans lauern leider oft nur echte Nervensägen. Moderne Abwehrtechnik hilft.

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Terror ist ein großes Wort. Er selbst beginnt aber schon in Kleinen. Sei es der nette Modellbaukollege, dem man aus Gutmütigkeit dummerweise seine Nummer gab und der sich einfach nicht vorstellen kann, dass abends um 8 die Fernsehcouch angenehmer ist als seine Ausführungen zu einer Miniaturweiche. Oder Mutti, die gerne zu nachtschlafender Zeit anruft und damit an Nerv nagt. Eine SMS-freudige Ex-Freundin, die ihren Status einfach nicht akzeptieren will und ihr perfides Kommunikationshandwerk versteht, als habe sie im mittleren Osten den Grundkurs Psychospielchen belegt, ist da nur eine vorstellbare Spitze des Sozialterrors.

Dauerhaftes Ausschalten des Smartphones käme einer Kapitulation gleich. (Außerdem will man seine Vorzüge ja nutzen.) Drum muss man sich nach intelligenten Defensivstrategien umschauen. Lernen wir also von den großen militärischen Telefonierern – den politischen Führern -, schauen wir uns ab, wie man der Telefonangriffe Herr werden kann, und holen wir aus zum Gegenschlag. Diese Apps schützen uns – im Extremfall gar vor uns selbst.

 

Truecaller – Anrufer ID

Eine unbekannte Nummer steht im Display. Was machen wir da? In der Regel wohl abheben, aber immer mit einem unguten Gefühl. Ist es nur der Zahnarzt, der den Termin bestätigen will oder doch der lästige eBay-Partner, der findet, dass das für 1,50 Euro ersteigerte Nachttischchen von Oma für den Preis doch ein bisschen zu viel Holzwurmbefall aufweist? Da wäre schon gut zu wissen, aus welcher Stadt der Anruf kommt. Diese App kennt zwar in Europa bei Weitem nicht alle Nummern, aber doch viele und lernt mit jedem Kunden dazu.

In diesem Lernen liegt auch die Krux der Anwendung. Die Nutzung des Programms macht zu allererst eine Registrierung per eigener Telefonnummer notwendig. Man wartet auf einen automatischen Rückruf, gibt außerdem Name und Email-Adresse preis, wahlweise sogar per Facebook-Konto. Dieser Prozess läuft nicht immer reibungslos. Mitunter sind mehrere Anläufe nötig, manchmal funktioniert es überhaupt nicht. Wofür der Aufwand für Kunde und Firma? Um noch mehr Daten zu erhalten. Der Zugriff auf das eigene Telefonbuch spendiert nämlich die Nummern des eigenen Bekanntenkreises dem App-Betreiber. Und der sitzt in den USA. Wie dort mit Daten umgegangen wird, ist allseits bekannt.

Anscheinend zapft die Datenbank hinter der App – was wünschenswert ist – alle öffentlichen Telefon- und Branchenbücher an. Diese sollen den größten Teil der mittlerweile 1,5 Milliarden Telefonnummern bilden. Den anderen Teil schießen eben die Nutzer zu – freiwillig, aber sicher nicht immer bewusst.

Am besten funktioniert die App noch in den USA. Vor allem der Spam-Schutz per öffentliche Liste.

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Calls Blacklist

Die beste Methode, sich unangenehme Gespräche zu ersparen, ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Da mag zwar ein einfaches Ignorieren bereits helfen, aber ehrlich: Wer weiß, von wem üblicherweise Konversationstragödien ausgehen, braucht nur dessen Namen in Verbindung mit renitentem Vibrieren oder Klingeln zu vernehmen – und schon ist der gleiche Effekt da, als hätte man tatsächlich abgenommen.

Bei Textnachrichten ist alles noch ein wenig verschärft. Zu ihnen trägt man als Empfänger nichts bei, sie sind einfach da. Und stören trotzdem empfindlich, weil man sie ja auch nicht wirklich nicht lesen kann. Abhilfe verschafft diese App, mit der man entweder manuell, über die Protokollliste oder aber das Telefonbuch Nummern in eine schwarze Liste einträgt.

Anrufe, die von so einer Nummer ausgehen, werden nicht durchgestellt: „Diese Nummer ist nicht erreichbar.“ Diese Blockade lässt sich über die Einstellungen auch erweitern: Entweder ist es privaten Nummern nicht möglich durchzukommen oder allen unbekannten oder aber sogar keiner, Vollsperrung quasi.

Kurznachrichten werden trotz Blacklist nicht automatisch abgehalten. Hier kann man das Häkchen setzen bei „alle“ oder „nur schwarze Liste“. Um die neue Ruhe auch wirklich genießen zu können, sollte man sich übrigens nicht über Störfälle informieren lassen.

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Anruf aufzeichnen

Kommt es doch einmal zu einem unangenehmen Gespräch, das vielleicht sogar rechtliche Folge nach sich zieht, ist es gar nicht schlecht, davon eine Aufnahme zu haben. Mit dieser App kein Problem. Standardmäßig wird alles aufgezeichnet, man kann aber auch einstellen, dass Aufnahmen nur manuell erfolgen (in der PRO-Version durch Schütteln) oder bei nichtgespeicherten Nummern. Auch hat man die Wahl zwischen verschiedenen Speicherformaten und -orten. Sowohl auf dem Gerät als auch in der Cloud können wir die Dateien sichern lassen. Notizen lassen sich ebenfalls hinzufügen.

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Offtime – Life unplugged

Es gibt doch tatsächlich eine Enthaltsamkeits-App für Smartphone-Hyperaktive. Hört sich paradox an, kann aber funktionieren. Neben der Einschränkung des Smartphones durch Profile, die entweder nur bestimmte Anrufe zulassen oder sogar den Appzugriff limitieren, um sich auf die Arbeit oder auf die Erholung konzentrieren zu können, misst diese App die Nutzeraktivität. Lässt der Nutzer sein Gerät in Ruhe, gibt es zur Belohnung Punkte! Anrufer bekommen in Ruhezeiten übrigens freundliche SMS. Mit Erklärung gegen Groll.

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Mr. Silent, Auto Silent Mode

Wem es peinlich ist, wenn das eigene Telefon am Arbeitsplatz zu läuten anfängt, weil man mal wieder vergessen hat, der Popband das laute Singen zu verbieten als man ins Büro, die Schule oder in den Hörsaal gegangen ist, der wird diese App zu schätzen wissen.

Per GPS kann man Orte festlegen, an denen das Schweigegelübde gilt, aber auch Zeiten dafür programmieren. Selbst eine Verknüpfung mit Terminen ist möglich. So geht auch z.B. eine Beerdigung garantiert leise über die Bühne.

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Whitepages ID Call ID & Block

Eigentlich kann diese App auch Anrufer blockieren und Auskunft spielen (funktioniert leider nicht in Europa), was aber in erster Linie für sie spricht, ist etwas anderes: Die grafische und textliche Aufbereitung der Kommunikationsprotokolle ist derart grandios, dass es schon an Kunst grenzt. Da man sich nicht anmelden muss und nicht alle Daten aus dem Fenster schmeißt, ist dieses Juwel durchaus vielen Nutzern zu empfehlen. Einfach nur aus Spaß. Besser als in der schönsten PowerPoint-Präsentation wird aus der Historie mit dem Telefonpartner ein Tortendiagramm, eine Illustration des Verhältnisses von empfangenen und gesendeten SMS ergibt das Bild einer Waage und sogar die besten Zeiten für den telefonische Austausch oder den von Kurznachrichten werden ausgespuckt. Sorry, daneben verblassen alle anderen Funktionen.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.

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