Das LG Nexus 5X im Test

Martin Reitbauer 3. Dezember 2015 0 Kommentar(e)
Das LG Nexus 5X im Test Androidmag.de 5 5 Sterne

Googles Nexus-­GerĂ€te dienen als Anschauungs­objekte und Vorbilder fĂŒr das restliche Android-­Universum. Schafft es das Nexus 5X in den Smartphone-Olymp wie sein VorgĂ€nger Nexus 5?

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Viele Nexus-Fans haben eine lange Durststrecke hinter sich: Mit dem Nexus 6 hatte Google im Jahr 2014 ein absurd großes Phablet vorgestellt, das mit seinen sechs Zoll und den wuchtigen 184 Gramm nicht nach dem Geschmack der Masse war. Viele potenzielle KĂ€ufer waren auch von der fehlenden Hardware-UnterstĂŒtzung fĂŒr die mit Android Lollipop eingefĂŒhrte SystemverschlĂŒsselung enttĂ€uscht, die das GerĂ€t unnötig ausbremste. Außerdem schien Google in letzter Minute den geplanten Fingerprint-Sensor aus dem Programm genommen zu haben.

In diesem Jahr ist alles anders: Freunde des puren Google-Android können zwischen zwei nagelneuen Modellen wĂ€hlen – dem 5,2 Zoll großen Nexus 5X und dem 5,7 Zoll großen Nexus 6P (siehe Testbericht auf Seite 44).

Die alte neue Sachlichkeit

Das 5X wird, wie schon sein VorgĂ€nger Nexus 5, von LG hergestellt und ist im Design eng an diesen angelehnt. Die Vorderseite ist rein schwarz und kommt ohne hĂ€ssliche Logos aus, das restliche GehĂ€use ist je nach gewĂ€hlter Variante ebenso schwarz (bzw. „Anthrazit“), weiß („Quarz) oder ­mintfarben („Eisblau“). An die schlichte Eleganz des VorgĂ€ngers kommt es aber nicht heran. Die Form ist zu nahe am Quader, es fehlen die geschwungenen Linien und die Erhebung des Kameraobjektivs (der „Camera Bump“) auf der RĂŒckseite ist ganz verschĂ€mt mit hochgezogenem Kunststoff kaschiert, wĂ€hrend sie beim Nexus 5 noch selbstbewusst hervorragen durfte. Auch haptisch macht das 5X einen RĂŒckschritt. Die sanfte Gummierung des letzten Modells ist glattem Kunststoff gewichen, der das GerĂ€t in der Hand weitaus rutschiger macht. Und die grĂ¶ĂŸere Bildschirmdiagonale lĂ€sst das Nexus um 9 mm in der LĂ€nge wachsen.

5,2 Zoll Das Nexus ist auf 5,2 Zoll angewachsen und bleibt gerade noch hosentaschentauglich.

5,2 Zoll
Das Nexus ist auf 5,2 Zoll angewachsen und bleibt gerade noch hosentaschentauglich.

 

Sieht man ĂŒber diese Äußerlichkeiten ­hinweg, fallen gleich einige wichtige Neuerungen ins Auge. Da ist zum einen die ­angesprochene Kamera, die ein deutliches Upgrade ­erfahren hat. Statt 8 MP betrĂ€gt die Auflösung nun 12,3 MP, im Nahbereich kommt ein Laser-­Autofokus zum Einsatz, der das ­Motiv tatsĂ€chlich einen Hauch schneller scharfstellt als beim Nexus 5. Auch die Auslöseverzögerung wurde stark verkĂŒrzt und die neue ­Google Kamera-App vereinfacht das Umschalten zwischen Foto und Video und stellt im Zusammen­spiel mit dem Kameramodul jetzt auch 4K-­Videos und Zeitlupenaufnahmen in 120 fps her.

Erheblich mehr Kamera Die Kamera (unterstĂŒtzt von Dual-LED-Blitz und Laser-Autofokus) erhebt sich ĂŒber die RĂŒckseite.

Erheblich mehr Kamera
Die Kamera (unterstĂŒtzt von Dual-LED-Blitz und Laser-Autofokus) erhebt sich ĂŒber die RĂŒckseite.

 

 

Im Generationsvergleich der Testfotos macht sich aber EnttĂ€uschung breit. Zwar ­fallen die Farben etwas natĂŒrlicher aus als noch beim Nexus 5, in puncto Bildrauschen und Detailtreue hat sich die Kamera aber nur wenig verbessert und bleibt deutlich unter der Messlatte, die das Samsung Galaxy S6 setzt. Das ist insbesondere deshalb ĂŒberraschend, weil LG im 5X einen deutlich grĂ¶ĂŸeren Sensor verbaut (1/2,3 statt 1/3,2). Nur in Situationen mit sehr schlechtem Licht macht sich dieser Vorteil (durch hellere Bilder) bemerkbar. Quer durch alle Lagen liefert die Kamera zwar durchweg bessere Bilder, einen starken Grund zum Upgrade sehen wir fĂŒr Nexus 5-Besitzer dadurch aber nicht.

Nexus-Generationssprung Das Nexus 5X (links) ist noch schlichter (man könnte auch sagen: schmuckloser) als sein VorgĂ€nger Nexus 5 (rechts im Bild). Der Full HD-Bildschirm ist jetzt grĂ¶ĂŸer und leuchtet um etwa 10% heller.

Nexus-Generationssprung
Das Nexus 5X (links) ist noch schlichter (man könnte auch sagen: schmuckloser) als sein VorgĂ€nger Nexus 5 (rechts im Bild). Der Full HD-Bildschirm ist jetzt grĂ¶ĂŸer und leuchtet um etwa 10% heller.

 

Bei der zweiten großen, von außen sichtbaren Neuerung des Nexus 5X fĂ€llt dieses Urteil anders aus: Der Fingerabdrucksensor (den Google „Nexus Imprint“ getauft hat) ist schnell eingerichtet, arbeitet sehr zuverlĂ€ssig und ist somit eine echte Alternative zu Sperrmuster, PIN und Co. Die Position auf der RĂŒckseite erfordert zwar eine gewisse Eingewöhnung, mit etwas Übung findet der Zeigefinger die Stelle aber ohne Probleme. Seit Android Marshmallow haben Fingerabdrucksensoren eine herstellerÂ­ĂŒbergreifende Schnittstelle, die ihre Nutzung in Apps von Drittherstellern erleichtern soll.

War das App-Raster beim Nexus 5 noch auf 4x4 Apps beschrÀnkt, haben beim Nexus 5X nun 5x5 Symbole auf den Homescreen Platz.

War das App-Raster beim Nexus 5 noch auf 4×4 Apps beschrĂ€nkt, haben beim Nexus 5X nun 5×5 Symbole auf den Homescreen Platz.

 

Dem Vernehmen nach arbeiten etwa die ­Macher von Passwort-Tresoren wie 1Password oder Lastpass bereits daran, die angelegten ­Datenbanken per Fingerabdruck entsperrbar zu ­machen. Das Gleiche ist zukĂŒnftig fĂŒr die Autorisierung von Zahlungen (Android Pay – sobald in D-A-CH verfĂŒgbar) oder einfache Benutzer-­Logins in verschiedenen Anwendungen denkbar. Ein weiteres Ausstattungs-Highlight der neuen Nexus-GerĂ€te ist der neue Ladestecker USB Typ-C, bei dem die Steckrichtung egal ist.

USB Typ-C Das Nexus 5X lĂ€utet eine neue Stecker-Ära ein. Der Nachteil: Sie mĂŒssen neue Kabel kaufen.

USB Typ-C
Das Nexus 5X lĂ€utet eine neue Stecker-Ära ein. Der Nachteil: Sie mĂŒssen neue Kabel kaufen.

 

Google bzw. LG gibt sich dabei besonders „avantgarde“: Auch der Ladeadapter wird mit Typ-C Buchse geliefert, das beiliegende Kabel hat Typ-C an beiden Enden. Wer also bestehende Lade­adapter (mit USB Typ-A-Buchse) weiterverwenden will, muss ein zusĂ€tzliches Kabel kaufen, das im Play Store mit 14,99 Euro zu Buche schlĂ€gt. Der Zubehörhandel ist ­zurzeit noch schlecht sortiert und wie bei jeder Neuerung dieser GrĂ¶ĂŸenordnung ist mit einer mehrjĂ€hrigen Umstellungsphase zu rechnen, in der die Konsumenten unterwegs mit ­AdapterstĂŒcken hantieren mĂŒssen. DafĂŒr werden sie mit deutlichem Komfortgewinn beim Stecken, höherer QualitĂ€tsanmutung und besserer Haltbarkeit belohnt. Und wer weiß – vielleicht schwenkt beim nĂ€chsten iPhone sogar Apple auf den neuen Standard ein und macht ihn damit tatsĂ€chlich zum Universalstecker.

Benachrichtigungslicht Die Benachrichtigungs-LED versteckt sich dieses Mal im unteren Lautsprechergrill.

Benachrichtigungslicht
Die Benachrichtigungs-LED versteckt sich dieses Mal im unteren Lautsprechergrill.

 

Das Nexus 5X lĂ€dt mit dem neuen Stecker Ă€ußerst flott: In 31 Minuten geht‘s von 0 auf 50%, nach einer Stunde sind 80% erreicht. Zur EnttĂ€uschung vieler Fans kann das neue ­Nexus aber nicht mehr drahtlos geladen werden, Google begrĂŒndet dies mit der lapidaren Aussage, dass USB Typ-C fĂŒr den Nutzer schon bequem genug sei. Wichtiger ist aber ohnehin der Blick in die umgekehrte Richtung, nĂ€mlich die der Ent­ladung: Der 2.700 mAh große Akku taugte im Test fĂŒr 10h 55min Web-Surfen, 6 h 24 min 1080p-Video-Streaming oder 3 h 40 min 3D-Gaming.

Die grĂ¶ĂŸte Neuerung in Android Marshmallow: Apps mĂŒssen sich die Berechtigungen nun einzeln wĂ€hrend des Betriebs einholen.

Die grĂ¶ĂŸte Neuerung in Android Marshmallow: Apps mĂŒssen sich die Berechtigungen nun einzeln wĂ€hrend des Betriebs einholen.

 

Das sind anstĂ€ndige, wenn auch nicht ĂŒberragende Werte. In der Bedienung ist das GerĂ€t recht flott, seinem VorgĂ€nger von 2013 erstaunlicherweise aber kaum Â­ĂŒberlegen, was App-Starts und Multitasking angeht. Das erklĂ€rt sich in der Wahl der Hardware: Wurde das letzte Nexus mit dem damaligen Spitzenprodukt Snapdragon 801 ausgestattet, bekommt das Nexus 5X mit dem Snapdragon 808 ­einen Systemchip der oberen Mittelklasse. Auch die Ausstattung mit RAM (2 GB) ist dieselbe geblieben.

Der Fingerabdrucksensor ist verdÀchtig schnell trainiert - erkennt den Besitzer des GerÀts in der Folge aber höchst verlÀsslich.

Der Fingerabdrucksensor ist verdĂ€chtig schnell trainiert – erkennt den Besitzer des GerĂ€ts in der Folge aber höchst verlĂ€sslich.

 

Fazit

Google und LG liefern mit dem Nexus 5X ein solides, aber etwas schmuckloses Produkt ab. Der neue Fingerabdrucksensor ermöglicht bequemes Entsperren und hat dank der Schnittstelle fĂŒr App-Hersteller einiges an Zukunftspotenzial. Weitere Kaufargumente sind der neue, verdrehsichere Ladestecker USB Typ-C, die Schnelllade-Funktion und gute (wenn auch nicht ĂŒberragende) Laufzeiten. Die Ära der ­Nexus-Kampfpreise scheint aber ­vorĂŒber zu sein: 479 Euro sind angemessen, aber nicht sonderlich gĂŒnstig fĂŒr ein GerĂ€t dieser Klasse.

daumen_hoch
VerlÀsslicher ­Fingerabdrucksensor
USB Typ-C, Schnellade-­Funktion
UnverÀndertes Android, laufende Updates

 

daumen_runter
Kamera immer noch nicht Spitzenklasse

 

Google Nexus 5X Smartphone (5,2 Zoll (13,2 cm) Touch-Display, 16 GB interner Speicher, Android 6.0) anthrazit

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4.2 von 5 Sternen (298 customer reviews)

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Aktueller Preis auf Amazon:
EUR 240,00
 
Android
6.0
5,2"
1920x1080
Gewicht
136 g
12,3 MP
5,0 MP
Kamera
16 GB
GB
Speicher
2 GB
RAM
6x
1,4/1,8 GHz
CPU



OK Audio OK GPS OK HSPA+ OK NFC OK WLAN (ac) OK Bluetooth 4.2
Abmessungen: : 147x72,6x7,9 (in mm - Höhe x Breite x Tiefe)

Display: 5 Sterne
Speed: 5 Sterne
Akku: 5 Sterne
Verarbeitung: 5 Sterne
Ausstattung: 4 Sterne
Design: 4 Sterne
Haptik: 4 Sterne
Kamera: 4 Sterne
Leistung:
50109
 
Grafik:
2073
 
Browser:
3709
 
Akku:
519
 
Max. 80627
Max. 4942
Max. 7176
Max. 910
Gesamtwertung: 37/40
 

GerÀtevergleich Rang 1

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsĂ€chlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschĂ€ftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit fĂŒr einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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