Dein Smartphone weiß, dass du deprimiert bist

Hartmut Schumacher 19. Juli 2015 0 Kommentar(e)

Smartphones k√∂nnen √Ąrzten in Zukunft dabei helfen, zuverl√§ssiger zu erkennen, ob Patienten an Depressionen leiden.
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Menschen, die an Depressionen leiden, beschäftigen sich deutlich länger mit ihren Smartphones als ihre gesunden Zeitgenossen. (Foto: grietgriet)

Menschen, die an Depressionen leiden, beschäftigen sich deutlich länger mit ihren Smartphones als ihre gesunden Zeitgenossen. (Foto: grietgriet)

Die Daten, die ein Smartphone √ľber seinen Benutzer sammelt, k√∂nnen Auskunft dar√ľber geben, ob er deprimiert ist. So das Ergebnis einer Studie der Northwestern University in Chicago.

Um Depressionen zu erkennen, m√ľssen Mediziner einerseits die Anzahl der Minuten ber√ľcksichtigen, die ein Smartphone-Besitzer sein Ger√§t ben√ľtzt. Und andererseits die Standortdaten, die das Smartphone sammelt.

Anzeichen f√ľr Depressionen

Je mehr Zeit jemand mit seinem Smartphone verbringt, desto h√∂her ist die Wahrscheinlichkeit, dass er deprimiert ist: Die durchschnittliche Tagesnutzungszeit f√ľr deprimierte Menschen betr√§gt etwa 68 Minuten, w√§hrend sie bei Menschen ohne Depressionen lediglich 17 Minuten betr√§gt.

Ebenfalls ein Anzeichen f√ľr Depressionen ist es, sich haupts√§chlich zuhause oder aber nur an wenigen Orten aufzuhalten. Zus√§tzlich ein Hinweis auf Depressionen ist laut den Wissenschaftlern ein unregelm√§√üiger Tagesablauf, wenn ein Mensch also beispielsweise zu unterschiedlichen Zeiten zur Arbeit geht.

Zuverlässiger als Befragungen

Das klingt vergleichsweise simpel. Es hat sich in den Untersuchungen der Northwestern University jedoch gezeigt, dass sich durch Analysieren dieser Informationen mit einer Genauigkeit von 87 Prozent Menschen identifizieren ließen, die an Depressionen leiden. Das Untersuchen der Smartphone-Daten erwies sich damit als zuverlässiger als das tägliche Befragen von Patienten.

‚ÄěBedeutsam ist dies, weil wir erkennen k√∂nnen, ob ein Mensch depressive Symptome hat und wie schwer diese Symptome sind, ohne ihn zu befragen‚Äú, erl√§utert David Mohr, einer der Autoren der Studie und Director des Center for Behavioral Intervention Technologies an der Northwestern University Feinberg School of Medicine. ‚ÄěWir haben nun eine objektive M√∂glichkeit, Verhalten zu messen, das im Zusammenhang mit Depressionen steht. Und wir k√∂nnen dies auf passive Weise ermitteln. Mobiltelefone k√∂nnen die Daten unauff√§llig bereitstellen und ohne dass dazu eine Anstrengung von Seiten des Benutzers n√∂tig ist.‚Äú

In Zukunft k√∂nne diese Methode es erlauben, depressionsgef√§hrdete Patienten zu √ľberwachen, so dass √Ąrzte schneller eingreifen k√∂nnen, wenn n√∂tig.

Die Studie mit dem Titel ‚ÄěMobile Phone Sensor Correlates of Depressive Symptom Severity in Daily-Life Behavior: An Exploratory Study‚Äú ist am 15. Juli im ‚ÄěJournal of Medical Internet Research‚Äú erschienen.

Eine aktuelle Studie der Northwestern University zeigt, wie sich Depressionen erkennen lassen anhand von Daten, die Smartphones √ľber ihre Benutzer sammeln. (Foto: Northwestern University)

Eine aktuelle Studie der Northwestern University zeigt, wie sich Depressionen erkennen lassen anhand von Daten, die Smartphones √ľber ihre Benutzer sammeln. (Foto: Northwestern University)

Quellen: Northwestern University, Journal of Medical Internet Research

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren f√ľr eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als n√ľtzliche Strukturierungsmittel ‚Äď und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person √ľber sich selbst.